Kirchheim

Sprache, Müll trennen und Mietverträge

Schule Im ehemaligen Reichsadler finden Vorbereitungskurse „VABO“ statt. Sie sollen unbegleiteten Flüchtlingen den Weg in ein neues Leben erleichtern. Von Sabrina Kreuzer

*Geschichte zum Osterferienende nach dem Motto "Auch hier geht die Schule wieder los"*Im ehemaligen Reichsadler neben der Freiho
*Geschichte zum Osterferienende nach dem Motto "Auch hier geht die Schule wieder los"*Im ehemaligen Reichsadler neben der Freihofrealschule, Wollmarktstraße 28, gibt es jetzt Vorqualifizierungskurse für unbegleitete Flüchtlinge. Früher war da ne finstere Pinte. Jetzt wollen wir den Lesern zeigen, wer dort "eingezogen" ist. Zwei der Schüler wohnen übrigens weiterhin im Schullandheit Lichteneck und fahren mit dem Bus runter. Das tut ihnen gut, denn es gibt ihnen mehr "Schulfeeling". Bitte Bild von Schülern im Umfeld (achtung, nur die Volljährigen - Frau Kormann hat das schon angesprochen) und kleinen Bericht über die Situation. Schulleiterin ist Frau Ix, 015118460227, Klassenlehrerin ist Frau Kormann

Sie sitzen an ihren Tischen und lauschen aufmerksam, was ihre Lehrerin sagt. Ein Szenario, das so in jedem normalen Klassenzimmer stattfindet. Doch die Schüler, die hier in den Räumen des ehemaligen Reichsadlers in der Wollmarktstraße in Kirchheim sitzen, haben eine nicht alltägliche Vergangenheit.

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Insgesamt 16 unbegleitete Flüchtlinge unterrichtet Dorota Kormann. Der Jüngste von ihnen ist 16 Jahre alt, der Älteste 19. Dorota Kormann weiß nicht, was ihre Schützlinge schon alles erleben mussten. „Ich bin eine Mischung aus Lehrerin, Mutter, Ärztin und Berufsberaterin“, erzählt sie.

Damit alle aufeinander Rücksicht nehmen können, startet der Schultag mit einer Fragerunde. An jedem Platz hängt ein Zettel mit einer Ampel und einer Wäscheklammer. Die Wäscheklammer auf Rot bedeutet, es ist ein schlechter Tag, Gelb ist so lala, und Grün steht für gute Stimmung. Die Schüler können dabei selbst entscheiden, ob sie über die Ursachen sprechen wollen. Einer von ihnen erzählt, er habe nicht so gut geschlafen. „Ihm steht morgen ein wichtiger Termin beim BAMF bevor“, sagt Dorota Kormann. Das BAMF ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Jeder der 16 Jungs muss hier früher oder später zu einer Anhörung. Diese kann bis zu vier Stunden dauern. Den Jugendlichen werden 60 Fragen gestellt: Sie sollen erzählen, warum sie in Deutschland sind und bleiben wollen.

Für den dauerhaften Aufenthalt strengen sich die Schüler an. Der 18-jährige Hamed erzählt, welche Fächer sie haben: „Deutsch, Mathe, Religion, Berufliche Kompetenz, Lebensweltbezogene Kompetenz mit Gemeinschaftskunde und Englisch.“ VABO ist ein Vorqualifizierungsjahr für Arbeit und Beruf mit Schwerpunkt des Erwerbs von Deutschkenntnissen. Danach dürfen sie eine Hauptschule besuchen, ihren Abschluss machen und dann eine Ausbildung starten,

Viele der Jugendlichen wissen schon, als was sie einmal arbeiten möchten. So zum Beispiel der 17-jährige Yasin, der ursprünglich aus Somalia kommt: „Ich würde gerne Busfahrer werden.“ Sabor, der Jüngste in der Klasse, ist seit einem Jahr in Deutschland. Er hat schon ein Praktikum bei einem Friseur gemacht und kann sich vorstellen, diesen Beruf zu erlernen. Auch Hamed, der bei seiner Pflegemutter in Aichtal lebt, macht sich Gedanken über seine Zukunft: „In meiner Heimat Afghanistan habe ich Schneider gelernt.“ Er weiß jedoch, dass es in Deutschland schwer ist, in diesem Beruf Fuß zu fassen. Ein Praktikum in einer Autowerkstatt hat ihm besonders viel Spaß gemacht: „Ich würde gerne als Automechaniker arbeiten.“ Schmunzelnd fügt er hinzu: „oder als Erzieher.“

Um auf diese Zukunft in einem weitgehend unbekannten Land so gut wie möglich vorbereitet zu sein, lernen die Jugendlichen nicht nur die Sprache. Dorota Kormann erzählt: „Jeden Freitag haben wir Projekttag.“ An diesem Tag lernen die Jungs zum Beispiel, wie die deutschen Banken funktionieren. „Wir heben Geld ab, machen Überweisungen, oder ich erkläre, wozu ein Dauerauftrag gut ist“, sagt Dorota Kormann.

So erfahren sie alles über Mietwohnungen, Kaution, Verträge oder Mülltrennung. Dabei tauschen sie sich gegenseitig aus und erzählen, wie das in ihren Heimatländern gehandhabt wurde. „Ich finde es gut, dass in Deutschland der Müll getrennt wird“, sagt Hamed. Und sein Klassenkamerad erzählt: „In Syrien muss man für ein Jahr im Voraus Kaution bezahlen, wenn man in eine Wohnung ziehen möchte.“ In Gambia ist es zudem kein Problem, eine große Feier in der Wohnung zu veranstalten. Dass es in Deutschland üblich ist, die Nachbarn vorher darüber zu informieren, wissen die Jungs jetzt.

Dorota Kormann ist stolz auf ihre Klasse. Sie merkt ihren Schülern an, dass sie sich Mühe geben und etwas erreichen wollen. Natürlich gibt es auch mal Tage, an denen es nicht so gut läuft. Das hat sie aber im Griff: „Wir haben ein Belohnungssystem mit roten und gelben Karten.“ Wenn sie an einem Tag besonders fleißig gearbeitet haben, bekommt die Klasse einen Stern. „Bei 20 Sternen machen wir einen Ausflug“, sagt sie.

Für Dorota Kormann ist es nicht immer leicht. Einige ihrer Schützlinge besuchen hier in Deutschland das erste Mal eine Schule. Dazu kommt, dass jeder einen anderen Hintergrund hat. Für sie ist es eine Herausforderung, die sie gerne annimmt. Doch ihr ist klar: „Ich kann meinen Schülern Grammatik beibringen, aber ich habe keine Antwort auf die Frage: Frau Kormann, warum will Deutschland mich nicht?“

*Fotos: Carsten Riedl
*Fotos: Carsten Riedl
*Geschichte zum Osterferienende nach dem Motto "Auch hier geht die Schule wieder los"*Im ehemaligen Reichsadler neben der Freiho
*Geschichte zum Osterferienende nach dem Motto "Auch hier geht die Schule wieder los"*Im ehemaligen Reichsadler neben der Freihofrealschule, Wollmarktstraße 28, gibt es jetzt Vorqualifizierungskurse für unbegleitete Flüchtlinge. Früher war da ne finstere Pinte. Jetzt wollen wir den Lesern zeigen, wer dort "eingezogen" ist. Zwei der Schüler wohnen übrigens weiterhin im Schullandheit Lichteneck und fahren mit dem Bus runter. Das tut ihnen gut, denn es gibt ihnen mehr "Schulfeeling". Bitte Bild von Schülern im Umfeld (achtung, nur die Volljährigen - Frau Kormann hat das schon angesprochen) und kleinen Bericht über die Situation. Schulleiterin ist Frau Ix, 015118460227, Klassenlehrerin ist Frau Kormann
*Geschichte zum Osterferienende nach dem Motto "Auch hier geht die Schule wieder los"*Im ehemaligen Reichsadler neben der Freiho
*Geschichte zum Osterferienende nach dem Motto "Auch hier geht die Schule wieder los"*Im ehemaligen Reichsadler neben der Freihofrealschule, Wollmarktstraße 28, gibt es jetzt Vorqualifizierungskurse für unbegleitete Flüchtlinge. Früher war da ne finstere Pinte. Jetzt wollen wir den Lesern zeigen, wer dort "eingezogen" ist. Zwei der Schüler wohnen übrigens weiterhin im Schullandheit Lichteneck und fahren mit dem Bus runter. Das tut ihnen gut, denn es gibt ihnen mehr "Schulfeeling". Bitte Bild von Schülern im Umfeld (achtung, nur die Volljährigen - Frau Kormann hat das schon angesprochen) und kleinen Bericht über die Situation. Schulleiterin ist Frau Ix, 015118460227, Klassenlehrerin ist Frau Kormann