Kirchheim

Stadt pflanzt Wald fürs eigene Konto

Naturierung Kirchheim sammelt Ökopunkte. 69 000 davon gibt es für eine knapp 1,6 Hektar große neue Waldfläche.

Symbolbild.

Kirchheim. „Sammeln Sie Punkte?“ Mit Einkaufen hat diese Frage hier nichts zu tun: Auch Kommunen haben nämlich das Punktesammeln entdeckt - das Sammeln von Ökopunkten. Die werden aufs Ökokonto eingezahlt und stellen die perfekte Verbindung von Öko-logie und Öko-nomie dar. Wer für neue Gewerbe- oder Baugebiete Flächen versiegelt, kann vorhandene Ökopunkte dafür in Rechnung stellen oder einen „Überziehungskredit“ aufnehmen. Einziger Unterschied zur Ökonomie: Zinsen sind keine vorgesehen.

Trotzdem ist der Gedanke ans Einkaufen bei den Ökopunkten nicht völlig verfehlt: Es gibt nämlich Interessenten, die anderen Kommunen gerne deren Punkte abkaufen würden. Für die Anbahnung solcher Geschäfte ist die Flächenagentur Baden-Württemberg mit Sitz in Ostfildern zuständig, und die hat der Stadt Kirchheim jetzt einen Deal vorgeschlagen.

Kirchheim verkauft keine Punkte

Kirchheim will eine Wiesenfläche zwischen Bürgerseen und Hahnweide aufforsten und bekäme dafür 69 000 Ökopunkte gutgeschrieben. Diese Punkte wiederum könnte die Stadt Stuttgart gut gebrauchen - als Teil des Ausgleichs für ein neues Stadtquartier auf dem Vaihinger IBM-Gelände. Sie würde der Stadt Kirchheim die 69 000 Punkte abkaufen, für gut 78 000 Euro brutto. Netto könnte die Stadt Kirchheim knapp einen Euro pro Ökopunkt kassieren.

Was aber hätte die Stadt davon? So gut wie nichts, denn die Kosten für die Aufforstung der 1,6 Hektar großen Fläche liegen bei 55 000 Euro, mit jährlichen Folgekosten von 750 Euro für die nächsten zehn Jahre. Unterm Strich wäre es ein Nullsummenspiel. Die Stadt will die Kosten fürs neue Waldgebiet also lieber selbst tragen - und dafür auch selbst auf dem Ökokonto punkten. Diesem Vorschlag der Stadtverwaltung ist der Finanz- und Verwaltungsausschuss einstimmig gefolgt.

Auf Nachfragen zum Ökokontostand erfuhren die Ausschussmitglieder allerdings nichts Konkretes - so wenig wie auf die Frage des möglichen Ausgleichs. Zur Debatte steht hier die Erweiterung der Bohnau, in Form des neuen Gewerbegebiets Bohnau-Ost. Für dieses Gebiet wäre erst einmal die ökologische Wertigkeit zu ermitteln, was nur über ein kompliziertes Berechnungsverfahren möglich ist. Henrik Peter vom städtischen Sachgebiet Liegenschaften geht aus Erfahrung von einer sechsstelligen Punktzahl aus. Aber das kann vieles bedeuten: Die Stadt müsste zwei bis 14 solcher Waldflächen aufs Ökokonto einzahlen, bevor Bohnau-Ost zu verwirklichen wäre. Das einzige, was demzufolge sicher feststeht: Für Vaihingen pflanzt Kirchheim keinen Wald. Andreas Volz

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