Kirchheim

Stadt sichert Radstation

Kirchheim garantiert Weiterbetrieb durch Fortführung des Zuschusses von 25 000 Euro pro Jahr

Die Radstation am Bahnhof ist ein Erfolg – aus sozialen Gründen, aber auch verkehrsplanerisch. Das ist der Stadt weiterhin 25 000 Euro im Jahr wert.

Um Fahrräder, aber auch um Verkehrs- und Sozialpolitik sowie um Städteplanung geht es bei der Kirchheimer Radstation.Foto: Jean-
Um Fahrräder, aber auch um Verkehrs- und Sozialpolitik sowie um Städteplanung geht es bei der Kirchheimer Radstation.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Seit 2013 gibt es die Radstation am Kirchheimer Bahnhof. Betrieben von der Esslinger Beschäftigungsinitiative EBI, bietet sie Menschen in schwierigen Lagen sinnvolle Arbeit. Die Beschäftigten wiederum helfen durch Reparaturmaßnahmen anderen Menschen mit Unterstützungsbedarf, ihr Fahrrad flott zu machen. Doch nicht nur das. Eigentlich ist die Radstation ein Projekt zur Förderung des Radverkehrs. Fahrräder können dort sicher untergestellt und Servicedienste tagsüber in Anspruch genommen werden. Außerdem gibt es Leihräder, etwa für Tagestouristen, die dank der S-Bahn immer häufiger in Kirchheim ankommen. Zu guter Letzt sorgt die Radstation für mehr Betrieb und Leben am Bahnhof, die Sicherheit wird also erhöht.

All diese Aspekte nannte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker in der Sitzung des stadträtlichen Verwaltungsausschusses. Dort ging es nämlich um die Verlängerung des Betriebskostenzuschusses um drei Jahre. Seit 2013 fließen jährlich 25 000 Euro in die Radstation. Nur mit der Zusage, diesen Zuschuss weiter zu gewähren, kann die Einrichtung den Betrieb aufrechterhalten, wie die Stadtchefin klarmachte.

Im Gegensatz zu Parkhäusern sind Radstationen, die bundesweit entstehen, ohne Fördermittel nicht betriebswirtschaftlich zu betreiben. Hans-Ulrich Rabeneick von der EBI schilderte den Kampf mit Zuschusskürzungen allerorten. Im Kirchheimer Fall hat dies zu einem Betriebsübergang geführt. Doch auch unter dem neuen Dach des Sozialunternehmens Neue Arbeit werde sich für die Beschäftigten nichts ändern, versprach Rabeneick. Vielmehr gebe es mehr Planungssicherheit.

Genau das soll der Zuschuss der Stadt letztlich garantieren. Im Rund erhielt die Radstation viel Zustimmung. „Die Station hat das Umfeld wesentlich verändert“, bilanzierte Dr. Silvia Oberhauser von der Frauenliste, sie sei nicht mehr wegzudenken: „Dort ist was los, das wollten wir erreichen!“ Ralf Gerber von den Freien Wählern relativierte die Zahlen etwas und stellte es infrage, bei 35 Tages- und Monatsparkern übers Jahrs hinweg gleich von einer „Erfolgsgeschichte“ zu reden. Angesichts der klammen Kassenlage Kirchheims regte er an, den Zuschuss vorerst auf zwei Jahre zu beschränken und außerdem Einsparungen gegenzurechnen. Letzteres ist tatsächlich der Fall: Von den Radstationsmitarbeitern werden künftig kostenfrei Leistungen übernommen, die die Stadt bisher vergeben und bezahlen musste. Dazu zählen der Winterdienst auf dem Vorplatz oder die Müllsammlung. „Wir sparen dadurch fünf- bis sechstausend Euro, das ist weit mehr als eine zehnprozentige Kürzung“, rechnete Matt-Heidecker vor.

Den Begriff des Erfolgs wollte Dr. Jürgen Berghold von den Grünen nicht an blanken Zahlen festmachen: „In die Erfolgsbilanz fließt jeder Einzelne mit gesundheitlichen Problemen ein, der von der Radstation profitiert.“ Er wünschte sich jedoch ebenso wie sein Fraktionskollege Manfred Machoczek mehr Marketing, etwa einen guten Internetauftritt. „Der Begriff Erfolgsmodell ist arbeitspolitisch und sozial zu verstehen“, meinte CDU-Mann Thomas Auerbach und ergänzte: „Verkehrsplanerisch hat die Station ihren Erfolg noch nicht bewiesen.“ Diesen Erfolg möglich zu machen, ist für Gerwin Harand von der SPD ein wichtiges Ziel. Er plädierte daher entschieden für den dreijährigen Zuschuss: „Verkehrsplanerisch muss es uns das wert sein.“

Einstimmig ohne Enthaltung gab der Verwaltungsausschuss des Kirchheimer Gemeinderates 25 000 Euro jährlich für die kommenden drei Jahre frei.

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