Kirchheim

Standesamtlich „trauen“ sich viele

Ehe Corona wirbelt die Hochzeitspläne zahlreicher Paare durcheinander. Die meisten verschieben das große Fest. In den Standesämtern gibt es ebenfalls bestimmte Auflagen. Von Heike Siegemund

Große Hochzeitsfeste sind in Corona-Zeiten schwer durchführbar und werden meist verschoben. Symbolfoto
Große Hochzeitsfeste sind in Corona-Zeiten schwer durchführbar und werden meist verschoben. Symbolfoto

Für viele Brautpaare, die eigentlich in diesem Jahr heiraten wollen, ist es ein Drama: Die Coronakrise stellt sie vor ungeahnte Herausforderungen und stellt die monatelangen Planungen für das große Fest in Frage. Feiern oder nicht? Absagen oder verschieben? Und wenn verschieben: auf welchen Zeitpunkt? Schließlich weiß keiner so genau, wann der Spuk endlich vorüber ist und man wieder zur Normalität zurückkehren kann. Zwar hat die Landesregierung eine Lockerung beschlossen und lässt seit 9. Juni Hochzeitsfeste mit bis zu 99 Personen zu. Trotzdem ist die Unsicherheit nach wie vor groß.

Mit Blick auf die standesamtlichen Trauungen berichtet Gunnar Brenner von der Stadt Kirchheim, dass Eheschließungen im Standesamt der Teckstadt auch in der Hochphase der Coronakrise grundsätzlich immer möglich waren. Nur die Rahmenbedingungen seien andere gewesen: „Am Anfang der Krise waren nur sieben Personen zulässig.“ Also neben dem Standesbeamten das Brautpaar und vier Gäste. Die Mitarbeiter des Standesamts hätten von sich aus keine Trauungen abgesagt; vielmehr hätten zwischen 15 und 20 Paare selbst zurückgezogen und einen anderen Termin noch in diesem Jahr vereinbart. Manche hätten sich aber trotzdem „getraut“ und seien dann zum Teil sogar nur zu zweit ins Standesamt gekommen, berichtet Brenner. Die Trauungen fanden im großen Sitzungssaal statt, wo die Abstandsregeln eingehalten werden können.

Mittlerweile hat sich die Lage etwas entspannt: Die Personenzahl für Trauungen ist in Kirchheim nun auf insgesamt 20 erhöht worden. Auch im Kirchheimer Schloss, ein besonders beliebter Trauort, sind standesamtliche Eheschließungen wieder zugelassen. Schwieriger wird es in der Lateinschule im Max-Eyth-Haus, wo die Abstandsregeln nur schwer eingehalten werden können. „Man glaubt nicht, wie viel 1,5 Meter sind“, konstatiert Brenner. Er selbst habe mit dem Meterstab im Sitzungssaal hantiert, um die erforderlichen Mindestabstände auszumessen.

Vor der Trauung frage der Standesbeamte das Paar, ob er die Schutzmaske absetzen darf. „Es bewegt sich dann ja keiner mehr, und wir sitzen alle mit ausreichend Abstand zueinander“, erklärt Brenner. Der Stift zum Unterschreiben, den das Brautpaar erhält, werde zuvor desinfiziert. „Zum Gratulieren gebe ich keine Hand. Daran muss man sich zuerst gewöhnen“, räumt er ein.

Und wie sieht es nächstes Jahr aus? Gibt es dann einen Run auf das Kirchheimer Standesamt? Bisher sind noch keine verstärkten Anfragen zu verzeichnen, sagt Brenner. Das hängt aber auch damit zusammen, dass sich Brautpaare bisher nur ein halbes Jahr im Voraus anmelden konnten. „Wir wurden immer wieder angefragt, ob wir Trauungen nicht früher reservieren.“ Deshalb habe man beschlossen, darauf zu reagieren. So werden jetzt für ein Jahr im Voraus Termine vergeben.

Auch im Weilheimer Standesamt ist bisher für das nächste Jahr noch kein großer Andrang für Trauungen erkennbar, berichtet Evi Becker. Das liegt aber ebenfalls an der Regelung, dass Termine nur ein halbes Jahr im Voraus vereinbart werden können.

Generell gebe es bei der Anzahl der Eheschließungen in diesem Jahr wohl keinen großen Unterschied zum Vorjahr, ergänzt Evi Becker. „Für März und April waren sowieso nicht viele Hochzeiten vorgesehen.“ Eine Hochzeit sei abgesagt worden: Diese war für den 21. März terminiert gewesen und fand nun am 6. Juni statt.

Viele Anmeldungen gebe es aber für den Sommer und Herbst dieses Jahres. „Die Brautpaare wollen trotzdem heiraten, dann halt im kleinen Kreis. Das große Fest mit kirchlicher Trauung wird auf nächstes Jahr verschoben“, weiß die Standesbeamtin.

Aktuell sind in Weilheim bei standesamtlichen Eheschließungen insgesamt 16 Personen zugelassen. „Am Anfang war es nur das Brautpaar ohne Gäste“, schildert Evi Becker. Dann habe man gelockert, sodass unter Einhaltung der Abstandregeln insgesamt zehn Personen anwesend sein konnten. Die Gäste mussten in gerader Linie mit dem Brautpaar verwandt sein oder im gleichen Haushalt leben. „Wir haben immer darauf geachtet, dass der Betrieb im Standesamt trotzdem weitergehen kann.“

Noch nicht möglich ist der Sektempfang direkt vor dem Trauzimmer im Weilheimer Rathaus, ergänzt Evi Becker. Eine Schutzmaske trägt sie bei Trauungen nicht. „Das ist nicht nötig, denn der Abstand zueinander ist groß genug.“

Hochzeitsboom im nächsten Jahr

„So langsam kommen die Bräute wieder“, zeigt sich Anja Fritsch von „Estate Brautmoden“ in Kirchheim erleichtert. Standesamtlich geheiratet werde nach wie vor, doch das große Hochzeitsfest plane so gut wie niemand für dieses Jahr, weiß sie. „Die meisten verschieben das Fest wegen Corona auf das nächste Jahr.“ Deshalb prophezeit Anja Fritsch für 2021 einen regelrechten Hochzeitsboom.

Viele Brautpaare planen ihr Fest mehr als ein Jahr im Voraus, ergänzt Anja Fritsch. „Das ist dann schon ärgerlich, wenn man kurz vorher alles absagen muss. Da bricht für viele für den Moment die Welt zusammen. Aber die Gesundheit geht vor.“

Anja Fritsch berät ihre Kundinnen derzeit nur mit Schutzmaske. Dies sei anders nicht möglich. „Was mir wirklich fehlt, ist das Beglückwünschen, wenn die Braut ihr Kleid gefunden hat“, sagt sie. „Ich habe ein inniges Verhältnis zu meinen Bräuten.“ Doch Umarmungen seien jetzt leider nicht mehr möglich. „Das bricht mir das Herz.“ hei

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