Kirchheim

Starke Filme müssen nicht lang sein

Kultur Zum achten Mal hatte der Film-Club Teck zur Kurzfilm-Matinee eingeladen. Im Central-Kino gab es eine enorme Vielfalt und hohe Qualität zu sehen. Von Peter Dietrich

Bei der Kurzfilm-Matinee des Film-Clubs Teck herrschte großer Andrang im Kirchheimer Central-Kino.Foto: Peter Dietrich
Bei der Kurzfilm-Matinee des Film-Clubs Teck herrschte großer Andrang im Kirchheimer Central-Kino.Foto: Peter Dietrich

Bleiben bei dem Regen alle zu Hause und das Central-Kino leer? Die Bedenken von Klubleiter Helmut Kohlhammer waren völlig unbegründet. Das Kino war auch bei der achten Matinee Kurzfilme voll belegt, im Foyer waren womöglich so viele Regenschirme wie nie zuvor versammelt.

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Elf Filme hatte der Film-Club Teck zusammengestellt, in einer Kombination, die so nur einmalig zu sehen war. Sie bot einen Querschnitt des Klubschaffens, die meisten Filme stammten aus den letzten beiden Jahren. Die Bild- und Tonqualität war durchweg tadellos, die Kombinationen zwischen Bewegt- und Standbild stets gelungen. Film und Fotografie sind keine getrennten Welten mehr, sondern technisch und gestalterisch zusammengewachsen.

Das Jahresthema des Film-Clubs Teck ist die Wiese, auch in der Beschäftigung mit diesem Thema zeigte sich die Vielfalt. Herbert Kaiser bot in 16 Minuten eine erschöpfende und doch kurzweilige Abhandlung über die Jahreszeiten, Farben und Funktionen einer Wiese, vom Fußballfeld bis zum Hubschrauberlandeplatz und zur Skipiste. Stand- und Bewegtbilder mit verschiedenen Bildformaten hat er geschickt gemischt und mit einem Spritzer Ironie versehen. Mit ganz viel Ironie hatte Barbara Ibsch ihre Fotoschau garniert. Da hätte wohl jemand lieber eine Schau zum Thema Wasser gemacht - geht auch Wasser vor einer Wiese oder eine Wiese im Wasser? Wenn der Film-Club nur nicht so streng wäre. Josef Pettinger ließ ein kleines Mädchen Blumen für die Oma pflücken - um die Definitionen der Erwachsenen, was eine schöne Blume, eine nicht ganz so schöne Blume oder vielleicht sogar Unkraut ist, braucht sich der erfrischende kindliche Blick zum Glück nicht zu kümmern. Wie lange wohl Peter Markotschi für seine lehrreiche zehnminütige Reportage „Ein stacheliger Wiesengast“ in der Wiese lag? Er hat keinen Igel verfolgt, sondern eine schwarz-weiße Raupe. Solange, bis sie sich verpuppt hat und aus ihr ein Pfauenauge wurde.

Karl-Heinz Kosmallas Stärke sind Kurzreportagen, die nach vielen Drehterminen in wenigen Minuten eine Technik oder Situation allgemein verständlich darstellen, mit ruhiger Hand und doch ohne Längen. Diese Stärke bewies er mit zwei Produktionen: In sieben Minuten hat er die technische Aufrüstung des kleinen Kraftwerks am Mühlkanal in Dettingen dokumentiert. Ebenso eindrücklich sind die acht Minuten von „Meine Entscheidung“: Karl-Heinz Kosmalla hat eine Seniorin beim freiwilligen Umzug aus dem eigenen Haus in die Oberlenninger Seniorenwohnanlage begleitet.

Starke Filme müssen nicht lang sein, das bewies der nur zweiminütige, sehr nachdenkliche Animationsfilm „Und?“ von Barbara und Hartmut Ibsch. In fünf Minuten hat Lutz Schulze, der auch die Moderation der Matinee übernahm, Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett in Berlin besucht. Josef Pettinger hat sich für seinen zweiten Film tief in eine Karsthöhle auf der Alb begeben.

Die zwei weiteren Produktionen waren richtige Zeitmaschinen. Beide zeigen Bilder, die leider nicht zu wiederholen sind. Die Reisereportage „Zerrissenes Land“ von Lothar Bogsch entstand bei einer Flusskreuzfahrt durch die Ukraine, nur Monate vor dem Beginn der Unruhen im Jahr 2013. Peter Markotschi hat sich in seiner noch etwas älteren Produktion dem Architekten Dimido gewidmet. Er heißt so, weil er nur von Dienstag bis Donnerstag Architekt sein wollte, seine Liebe gilt nämlich alten Jahrmarktsfahrgeschäften. Markotschi hat den zweitägigen Aufbau eines über 100 Jahre alten Karussells begleitet. Kurz darauf ging es durch Brandstiftung für immer verloren.

Alle Filmemacher waren gestandene Herren und eine gestandene Frau. Jüngere brächten sicher neue Sichtweisen und zur Abwechslung flottere Schnitte mit - und könnten zugleich von den „alten Hasen“ viel lernen.