Kirchheim

Stiftung plant Wohnbau auf dem Schafhof

Unterbringung Mit den „Hoffnungsträgern“ geht die Stadt in eine neue Verhandlungsrunde um den Bau von drei zusätzlichen Wohngebäuden. Von Andreas Volz

Direkt am Knick der Aufstiegsstraße „Zu den Schafhofäckern“ sollen drei „Hoffnungshäuser“ für Menschen in prekären Wohnsituation
Direkt am Knick der Aufstiegsstraße „Zu den Schafhofäckern“ sollen drei „Hoffnungshäuser“ für Menschen in prekären Wohnsituationen entstehen. Foto: Carsten Riedl

Bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware, und der Bedarf scheint schneller zu wachsen als das Angebot - gerade wenn es um die Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen geht. Wenn nun also ein erfahrener Träger drei Gebäude mit 27 Wohnungen erstellen und auch noch die Sozialbetreuung übernehmen möchte, müsste er bei einer Stadt wie Kirchheim eigentlich offene Türen einrennen.

Doch weit gefehlt: Als sich die Stiftung Hoffnungsträger mit ihren „Hoffnungshäusern“ im Gemeinderat vorstellt, lässt sich das Ergebnis bestenfalls mit „vorsichtiger Annäherung“ umschreiben - obwohl Marcus Witzke, CEO der Stiftung, die Häuser ins beste Licht rückt. „Unser Konzept des integrativen Wohnens hat eine nachhaltig positive Auswirkung auf das Zusammenleben unterschiedlichster Menschen.“ Zurückzuführen sei das unter anderem darauf, dass die Standortleitung nicht einfach nur ein Büro vor Ort hat, sondern selbst mit im Haus lebt.

Auch die baulichen Aspekte der Häuser können sich sehen lassen: Die Holzsystembauweise ist standardisiert und spart somit Kosten. Bei 70 Prozent der Wohnungen handelt es sich um geförderten Wohnraum. In Kirchheim beträfe das 22 von 27 Wohnungen.

So sieht eines der Hoffnunfshäuser - hier in Esslingen - aus. Foto: pr

Wo ist also das Problem? Das günstige Bauen ist es nicht - auch nicht, wenn es vor allem durch Verzicht auf Tiefgaragen und Aufzüge so günstig wird, wie die Grünen-Fraktionsvorsitzende Sabine Bur am Orde-Käß im Gemeinderat ausführte. Sie schob nach: „Das Problem für uns ist, dass wir selbst eine städtische Wohnbaugesellschaft gründen und deswegen die Grundstücke lieber in der eigenen Hand behalten wollen.“ Allenfalls eine Erbpachtregelung käme deswegen für die „Hoffnungshäuser“ in Frage. Außerdem fürchtet sie, dass die Stadt keinen Zugriff auf die Wohnungen hat, wenn die Stiftung alles in Eigenregie macht.

Marcus Witzke sagt dazu: „Erbpacht hat aus wirtschaftlichen Gründen keinen Sinn. Das kommt die Bewohner teurer.“ Dass die Stadt gerne selbst entscheiden würde, wer in die Wohnungen einziehen soll, versteht er voll und ganz - lehnt es dann aber rundweg ab: „Das passt nicht zu unserem Konzept.“ Auch die kritische Nachfrage von Hans-Peter Birkenmaier (Freie Wähler), dass es - wie in Esslingen - Konflikte zwischen der Standortleitung und den weniger integrationswilligen Bewohnern geben könnte, pariert er: „In Esslingen ist das nur deshalb schwierig, weil die Stadt ohne Rücksprache mit uns festlegt, wer dort einzieht. Das macht unser Integrationskonzept zunichte.“

Stiftung baut, Stadt kauft

Andere Fraktionen und Gruppierungen sind stärker überzeugt davon, dass die „Hoffnungshäuser“ auch für Kirchheim ein Modell sein könnten. Sie fordern aber, ergebnisoffen zu verhandeln, und bringen damit ein weiteres Modell ins Spiel: Die Stiftung Hoffnungsträger baut die Häuser zwar nach ihrem Konzept, aber die Stadt kauft die fertigen Gebäude auf und wird selbst zum „Betreiber“.

Ein weiteres Problem, das aber nur am Rande erwähnt wird: Der Standort für die Hoffnungshäuser ist der bislang unbebaute „Schafhof IV“ - direkt anschließend an das Grundstück, auf dem die Stadt schon selbst vier Gebäude zur Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen erstellen will.

Noch wird weiterverhandelt: sowohl über den Verkauf des Grundstücks an die Stiftung als auch über die Hoffnungsträger als reine Baudienstleister der Stadt.

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