Kirchheim

Streit endet mit tödlichen Schüssen

Familiendrama Ein 52-Jähriger erschießt in Reudern seine Ehefrau und den Lebensgefährten seiner Tochter. Der Tatverdächtige sitzt seit gestern hinter Gittern. Von Thomas Krytzner

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart und die Kriminalpolizei Esslingen ermitteln gegen einen 52-Jährigen wegen des Verdachts eines zweifachen Tötungsdelikts. Dem Deutsch-Kosovaren wird zur Last gelegt, am Samstagabend, gegen kurz nach 22.30 Uhr, seine Ehefrau und den Lebensgefährten seiner Tochter erschossen zu haben. Der Tatverdächtige wurde noch am Tatort festgenommen und am Sonntagmittag dem Haftrichter beim Amtsgericht Kirchheim vorgeführt. Er erließ den von der Staatsanwaltschaft Stuttgart beantragten Haftbefehl und setzte ihn in Vollzug. Der Tatverdächtige wurde anschließend in eine Justizvollzugsanstalt gebracht.

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Im Nütinger Stadtteil Reudern wurden am Samstagabend eine Frau und ein Mann erschossen. Der Tatverdächtigte wurde am Tatort verhaftet. Foto: SDMG/Woelfl

 

Am Samstagabend war es in der Wohnung der gemeinsamen Tochter zu einem Streit zwischen den Familienangehörigen gekommen. Nachdem der Beschuldigte das Haus verlassen hatte, kehrte er kurz nach 22.30 Uhr zurück und betrat das Gartengrundstück des Hauses. Dort begegnete er dem Lebensgefährten der Tochter, der versuchte, den Tatverdächtigen vom Betreten des Gebäudes abzuhalten. Daraufhin zog der 52-Jährige eine Schusswaffe und gab mehrere Schüsse auf den 40-Jährigen und seine hinzukommende 45-jährige Ehefrau ab. Beide Personen wurden tödlich getroffen. Der Deutsch-Kosovare konnte noch am Tatort widerstandslos von der Polizei festgenommen werden. Die Kriminalpolizei Esslingen hat noch in der Nacht die Ermittlungen aufgenommen. Das Motiv der Tat dürfte in andauernden familiären Problemen liegen.

 

Die Schüsse waren am Samstagabend kurz nach halb elf in einem größeren Umkreis in Reudern zu hören. Unmittelbar danach dröhnten die Polizeisirenen und die Martinshörner der Rettungsdienste durch die Nacht.

 

Gespenstische Atmosphäre

 

Am Ort des Geschehens herrschte eine gespenstische Atmosphäre. Überall erhellte Blaulicht flackernd die Dunkelheit. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an, Fahrzeuge der Rettungsdienste und Notärzte aus Nürtingen und Kirchheim fuhren im Eiltempo nach Reudern. Die Stimmung in der Nähe des Friedhofs war angespannt: Überall standen neugierige Anwohner zum Teil so im Weg, dass die Polizei das Gebiet um den Tatort kurzerhand großräumig absperren musste. Keiner der herbeigeeilten Bürger wusste, was genau passiert war. Eine Zeugin erzählte auf Anfrage: „Ich hörte, wie die Frau lange um Hilfe schrie.“ Ein anderer besorgter Bürger berichtete, dass er durch die vielen Schüsse aufgeschreckt worden sei. Schnell kursierten daher Vermutungen unter den Beobachtern, was denn passiert sein könnte. Zu der Zeit konnte die Polizei jedoch noch keine Angaben machen.

 

Mit der Zeit rückten immer mehr Einsatzwagen - auch zivile der Kriminalpolizei - an, die Mitarbeiter der Notfallnachsorge waren schnell vor Ort. Die Polizei musste die Anwohner mehrere Male bitten, die Straßen zu räumen und in ihre Häuser zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt war wohl niemandem so richtig klar, dass da ein Mann im beschaulichen Reudern gerade zwei Menschen erschossen hatte, und wie gefährlich die Situation noch hätte werden können. Immer wieder zog es Anwohner zum Ort der Tat, die wissen wollten, was passiert war. Erst viel später sickerten nach und nach die ersten Informationen aus Polizeikreisen durch, und der ganze Umfang des tödlichen Familienstreits wurde bekannt.

Großräumig abgesperrt werden musste am Samstagabend das Gebiet um das Wohnhaus in Reudern, in dem sich das blutige Familiendrama
Großräumig abgesperrt werden musste am Samstagabend das Gebiet um das Wohnhaus in Reudern, in dem sich das blutige Familiendrama abgespielt hat. Foto: SDMG Woelfl
Im Nütinger Stadtteil Reudern wurden am Samstagabend eine Frau und ein Mann erschossen. Der Tatverdächtigte wurde am Tatort verhaftet. Foto: SDMG/Krytzner