Kirchheim

Sturm und Nässe lassen Fichten fallen

Naturgewalt Gerade noch glimpflich ist der Kirchheimer Wald beim Tief Burglind davongekommen. Försterin Carla Hohberger verschafft sich einen Überblick über die Schäden in ihrem Revier. Von Iris Häfner

Carla Hohberger inmitten der von Tief Burglind gefällten Fichten. Fotos: Jean-Luc Jacques
Carla Hohberger inmitten der von Tief Burglind gefällten Fichten. Foto: Jean-Luc Jacques

Mit einem blauen Auge im grünen Tann davongekommen ist Kirchheim bezüglich des Sturmtiefs Burglind Anfang dieses Jahres. Hat die stürmische Braut vor allem im Norden der Republik gewütet, zeigte sie sich im Süden des Landes gemäßigt. Dem einen oder anderen Baum wurden die heftigen Böen jedoch auch rund um die Teck zum Verhängnis.

„Auf dem Schurwald war es schlimmer“, sagt Carla Hohberger, Revierförsterin in Kirchheim. Sie steht inmitten von entwurzelten Fichten in der Abteilung Mochenlau nahe der Kreuzeiche bei Ohmden. Die großen Wurzelteller ragen meterhoch in den grauen Himmel, glasklares Wasser steht in der dadurch entstandenen Vertiefung. „Hier war ein Käferloch. Der Wind ist hier reingekommen und hat eine Angriffsfläche gefunden“, erklärt Carla Hohberger. Käferloch heißt: Der Borkenkäfer hat Fichten befallen, die dann schnell umgesägt und aus dem Wald entfernt wurden. Doch der Sturm war nur die eine Komponente für das vorzeitige Ende der jetzt flach liegenden Fichten - der nasse Boden tat sein übriges, denn dadurch hatten die Wurzeln keine Festigkeit mehr.

Und schon ist die Försterin beim Thema dieses Winters: „Wir können in den Wald nicht rein.“ Das Fällen ist nicht die Schwierigkeit, der Abtransport der Stämme umso mehr. „Wir haben demnächst Submission und können keine Bäume liefern, weil wir sie nicht aus dem Wald holen können - ohne große Schäden für den Boden“, erläutert die Försterin. Bei der Submission werden Werthölzer aus mehreren Forstämtern zentral an einem Ort zum Verkauf angeboten. Dabei handelt es sich um die wertvollen Stämme wie beispielsweise starke Eichen für die Möbelindustrie. „Wir liefern aus Kirchheim so wenig Holz wie selten“, bedauert Carla Hohberger.

Sie passt sich den äußeren Gegebenheiten an, setzt ihre Prioritäten neu. „Die Buchen lass ich vorerst liegen, da kommt kein Käfer rein“, sagt sie. Anders sieht es mit den Fichten aus. Die sind prädestiniert für Borkenkäferbefall und müssen deshalb so schnell wie möglich aus dem Wald raus, um keine Brutstätte für die Krabbeltiere zu sein. Die Fläche, auf der jetzt das Nadelholz kreuz und quer liegt, kennt die Försterin gut. Kurz vor Weihnachten war hier die geplante Holzernte in vollem Gange. Das Rundholz liegt fein säuberlich aufgestapelt neben dem Weg. Jetzt kommen auf dieser Fläche nochmals einige Festmeter Holz dazu.

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Foto: Jean-Luc Jacques

Sturmholz aufzuarbeiten ist selbst für die Profis eine Herausforderung. Der Stamm steht unter Spannung, weil ein Teil der Wurzeln noch im Erdreich steckt. Dadurch kann der Teller mitsamt dem Baum zurückschnellen. Dies ist jüngst bei einer Brennholzbuche geschehen. Da der Stamm minderwertiger Qualität war, rückten die Waldarbeiter von der Krone dem Holz mit der Motorsäge zu Leibe. Als das Gegengewicht fehlte, stand der Stamm wieder senkrecht - zur Freude von Carla Hohberger, denn auf dem Stamm waren Schilder angebracht, die nun auch weiterhin sichtbar sind.

„Mindestens so hoch wie der Wurzelteller ist, sollte der Abstand sein, um den Stamm abzusägen“, lautet die Faustregel. Carla Hohberger will in den Sturmflächen jedoch möglichst auf Handarbeit aus Sicherheitsgründen verzichten. Holzvollernter, sogenannte Harvester, sollen diese Aufgabe übernehmen. Zum einen haben diese „Eisenarme“ wesentlich mehr Power dem Stamm entgegenzusetzen als pure Manneskraft, zum anderen schaffen sie auch eine gewisse Sicherheitsdistanz.

Ist das Holz entfernt, kommen junge Pflänzchen wieder rein. Tanne, eventuell auch Eiche, sind die Favoriten für die Fläche. „Beide gelten als klimastabil. Früher hätte man auch Esche reingesetzt - aber das hat sich mit dem Eschentriebsterben erledigt“, erklärt die Revierleiterin. Sie ist überzeugt, dass einzelne Bäume Resistenzen gegen den Pilz entwickeln und dann irgendwann wieder Eschen im Wald stehen. Doch das dauert seine Zeit, nicht umsonst entstand der Begriff der Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft heraus. „Die Ulme hat sich auch erholt“, ist Carla Hohberger zuversichtlich.

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