Kirchheim

Syrischer Künstler warnt, nicht die Augen zu verschließen

Kunst Kalligrafien und Fotografien: Der Syrer Imad Alkhaldi zeigt im Kornhaus in Kirchheim seine Werke.

foto: roberto bulgrin04. 09. 2016Koengen: Syrischer Fotograf Imad Alkhaldi stellt in Koengen aus
foto: roberto bulgrin04. 09. 2016Koengen: Syrischer Fotograf Imad Alkhaldi stellt in Koengen aus

Kirchheim. Mit einem Fotostudio in Kirchheim hat sich der syrische Künstler und Fotojournalist Imad Alkhaldi eine Existenz aufgebaut. Sein künstlerisches Schaffen pflegt der syrische Flüchtling, der 2013 sein Land verlassen musste, auch in seiner neuen Heimat. Mit Tinte und Wasserfarben kreiert er seine Kalligrafien.

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„Ich will mit den Besuchern ins Gespräch kommen“, sagt der Künstler, der die Menschen in seiner neuen Heimat mit Traditionen der arabischen Kultur vertraut machen will. Im arabischen Raum sind die schön gestalteten Schriftzeichen eine uralte Tradition. Betrachter sollen sich in die Zeichen vertiefen, die meist einen religiösen Hintergrund haben. Das hat viel mit Meditation zu tun. „Die Weisheit des Herzens“ - so lautet der Titel eines farbenfrohen Aquarells, das in den Fachwerkräumen zu sehen ist.

Kurator Florian Stegmaier hat den syrischen Künstler nicht wegen seines biografischen Hintergrunds ausgewählt. „Mich hat die ästhetische Qualität seiner Arbeiten überzeugt“, schwärmt der Kunstkenner, der das Kunstprogramm für den Kulturring leitet. „Flüchtlingskunst ist das nicht“, wehrt sich Stegmaier gegen „Schubladendenken“. Er hofft, dass die renommierte Galerie im Kornhaus für den geflohenen Syrer zu einem Sprungbrett wird.

Über die Möglichkeit, in Kirchheim auszustellen, freut sich Imad Alkhaldi sehr. „Viele der Kalligrafien, die ich hier zeige, sind in Deutschland entstanden.“ An der Universität in Damaskus studierte er von 1997 bis 2001 Bildende Kunst und Journalismus. Die kunstvolle Schönschrift ist für den Journalisten und Künstler eine Möglichkeit, seine starken Gefühle auszudrücken. „Da ich die deutsche Sprache noch nicht gut verstehe und spreche, habe ich keine Möglichkeit, als Journalist zu arbeiten.“ Die Sprache der Kunst könnten alle verstehen. In Kirchheim fühlt sich Imad Alkhaldi wohl. Sein engster Freund ist der Wernauer Bernd Steyer. „Ich will Imad helfen, sich in der Kunstszene zu etablieren.“ Dass es der Syrer geschafft hat, in der Kirchheimer Galerie ausstellen zu dürfen, freut ihn. „Alleine würde ich das nicht schaffen“, sagt Imad Alkhaldi. Dabei lächelt er schüchtern. Sein Ziel ist es, sich mit Kunst eine Existenz in Deutschland aufzubauen. „Ich möchte die Menschen hier mit meiner Kunst und mit meinem Können überzeugen.“ Das Fotogeschäft sichert seine Existenz. Zwischen Aufträgen schaufelt er sich Zeit fürs künstlerische Schaffen frei.

Es mache ihn glücklich, dass er hier so viele Menschen gefunden habe, die ihn unterstützen. Der Künstler wünscht sich, bei den Deutschen Vorurteile gegenüber dem Islam abzubauen. Auf seinen Fotografien, die in Kirchheim zu sehen sind, zeigt er die Schrecken des Krieges, Kulturdenkmäler vor der Zerstörung, Kinder, die auf einem Panzer spielen. „Das ist die schreckliche Wirklichkeit“, erinnert Imad Alkhaldi. Davor dürften die Menschen die Augen nie verschließen.Elisabeth Maier

Info Die Werke sind ab Sonntag, 30. April, in der Kirchheimer Kornhaus zu sehen sind. Die Vernissage beginnt um 17 Uhr. Die Werke sind noch bis zum 28. Mai im Kornhaus ausgestellt.