Kirchheim

Täuflinge gehen durch die Hölle

Brauchtum Die Kirchheimer Kloster-Deifel haben zum 18. Mal ihre Narrentaufe auf dem Marktplatz veranstaltet – mit jeder Menge Publikum, Guggenmusik und hohem Ekel-Faktor. Von Bianca Lütz-Holoch

Geteert und gefedert die Robbe machen - das war nur eine der Herausforderungen für die angehenden Deifel.Fotos: Markus Brändli
Geteert und gefedert die Robbe machen - das war nur eine der Herausforderungen für die angehenden Deifel.Fotos: Markus Brändli

Wer ein echter Kloster-Deifel werden will, muss durch die Hölle gehen. Das haben acht angehende Hästräger gestern am eigenen Leib erfahren: Bei der 18. öffentlichen Narrentaufe der Kirchheimer Kloster-Deifel auf dem Marktplatz mussten die Teufelsanwärter Dinge über sich ergehen lassen, die mal an die Lynchjustiz vergangener Tage und mal an Ekel-Prüfungen im Dschungelcamp erinnerten. Entsprechend groß war das öffentliche Interesse. Jede Menge Schaulustige fanden sich ein, um das zeitweise recht unappetitliche Spektakel zu verfolgen.

Aber von Anfang an: Es ist 14.14 Uhr, als ein lauter Schuss ertönt und die teuflische Karbatsche knallt. Ein Kloster-Deifel steigt - untermalt von schauriger Musik - aus einer Truhe: „Der Teufel war jetzt fast ein Jahr lang in der Hölle. Er muss raus!“, ruft Zunftmeister Holger Böhm. Traditionell beginnt am 6. Januar die schwäbisch-alemannische Fasnet. An diesem Tag heißt es für die Narren: Häs abstauben. Das tun die Kloster-Deifel ausführlich - mit Staubwedeln, Klobürsten und Handfegern. Das ein oder andere hat Häswartin Alex anschließend aber doch noch zu beanstanden: den Einhorn-Haarreif auf dem Kopf einer kleinen Deifelin etwa oder den neongelben Matchsack auf dem Rücken eines großen Teufels. Für Stimmung sorgen die Wäschenbeu­rener Guggenmusiker Nausstragger, die in ihren Kostümen unter dem Motto „Rostige Zeiten“ eine wahre Augenweide sind, sowie die Rommdreibr aus Rechberghausen.

Am 6. Januar heißt es: Häs abstauben. Foto: Markus Brändli
Am 6. Januar heißt es: Häs abstauben. Foto: Markus Brändli

Dann aber wird es ernst für die acht Täuflinge, die zu vollwertigen Mitgliedern der Kloster-Deifel werden wollen. Nach einer Aufwärmübung bekommen sie ihr Ekel-Menü präsentiert. Los geht es mit einem orange-braunen Gebräu, das es in einer Kinder- und einer Erwachsenenvariante gibt. „Igitt, das ist ja widerlich“, kommentiert Zunftmeister Holger Böhm, nachdem er dran geschnuppert hat. Die drei Kinder kommen noch glimpflich davon. Den Erwachsenen aber wird der Biergalgen umgelegt, ein Holzgerüst mit Schnüren, über die ein voller Becher zum Mund manövriert werden muss. Weil das nicht jedem gelingt, greifen einige „Vollstrecker“ ein: Sie befördern den Inhalt mit Schwung in Richtung Mund. Dass da einiges daneben geht, versteht sich von selbst. Die bräunliche Pampe, die den Teufelsanwärtern über Gesichter und Jacken läuft, scheint übrigens nicht nur beim Publikum Assoziationen mit Erbrochenem zu wecken: So mancher Täufling kann sich das Würgen nicht verkneifen.

Der Biergalgen - ein Folterinstrument. Foto: Markus Brändli
Der Biergalgen - ein "Folterinstrument". Foto: Markus Brändli

Aber es kommt noch dicker - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Die acht werden mit einem zähen Brei gefüttert, der keineswegs appetitlicher wirkt. Anschließend werden sie bei verbundenen Augen mit „Krötenschleim“ und „Hundedurchfall“ aus Senf- und Ketchupflaschen sowie „Maden“ geteert und gefedert. Und weil es damit noch nicht genug ist, müssen sie sich auf den Boden legen und zu einem Ballermann-Lied die „Robbe machen“.

Der Deifel ist geweckt. Foto: Markus Brändli
Der Deifel ist geweckt. Foto: Markus Brändli

 

Doch alles hat irgendwann ein Ende - auch die schlimmste Prüfung: So dürfen sich die acht Täuflinge nach den Torturen erstmal waschen und umziehen, um schließlich in Häs und Maske als echte Kloster-Deifel auf der Bühne zu stehen.

Der Fasnetsumzug der Kloster-Deifel in Kirchheim findet am Sonntag, 16. Februar, statt. Am Donnerstag, 20. Februar, ist Rathaussturm.

Schön schräg: die Wäschenbeu­rener Guggenmusiker Nausstragger. Foto: Markus Brändli
Schön schräg: die Wäschenbeu­rener Guggenmusiker Nausstragger. Foto: Markus Brändli
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