Kirchheim

Tanzen geht immer

Konzert Seit 14 Jahren lockt der „Sturm auf die Bastion“ mit regionalen Nachwuchsbands junge Menschen in den Kult-Keller. Genres spielen dabei keine Rolle, Hauptsache es ist Bewegung drin. Von Elisabeth Selch

Kabelsalat bei „Lachs und Lehmke“: Die Musiker setzen auf Elektronik. Den Zuschauern gefällt‘s. Foto: Carsten Riedl
Kabelsalat bei „Lachs und Lehmke“: Die Musiker setzen auf Elektronik. Den Zuschauern gefällt‘s. Foto: Carsten Riedl

Soft, kantig, elektronisch: Den „Sturm auf die Bastion“ feierten die Zuschauer mit drei Bands, wie sie musikalisch kaum unterschiedlicher sein könnten. Den Anfang machten die vier sympathischen Musiker von „The Scouts“. Letztes Jahr schon spielte die Kirchheimer Band beim „Sturm auf die Bastion“ - und fand dort dieses Jahr ihr schon lange vermisstes Tomtom und ihr Megafon wieder. Neben Akustik-Coverversionen von bekannten Pop- und Rock-Hits wie Coldplays „Viva la vida“, „Pompeii“ von Bastille oder „Feel Good Inc.“ von The Gorillaz waren auch ein paar eigene Songs dabei, die das Wohlfühl-Klangbild der Band aus soften Gitarrenklängen, Cajón und der mal weichen, mal rauchigeren Stimme von Frontsänger Tobias Haußmann wunderbar transportierten. Obwohl am Anfang leider nicht so viele Zuhörer da waren, wie man es sich bei einem solchen Event wünschen würde, waren die, die da waren, von den eingängigen Gute-Laune-Songs begeistert und forderten „Das Kompliment“ von Sportfreunde Stiller als Zugabe ein.

Etwas kantiger ging es bei „Way to Emptiness“ zu. Mit E-Gitarren, E-Bass, einem vollständigen Drumset und ehrlichem, gut gemachtem Pop-Punk drehten die drei Musiker der Göppinger Band die Lautstärke im Gewölbekeller um einiges hoch. Abgesehen von „All the Small Things“ von blink-182 spielte „Way to Emptiness“ nur eigene, von britischem und amerikanischem Punkrock und Oldschool Pop-Punk inspirierte Songs, zum größten Teil komponiert von Sänger und Gitarrist Noah Sonnen.

„Way to Emptiness“ löst sich auf

Zwischen ruhigeren Balladen brachten energievolle Songs die Stimmung langsam zum Kochen. Kein Wunder, dass die drei noch einmal richtig aufdrehen wollten: Der „Sturm auf die Bastion“ war der vorletzte Auftritt in dieser Besetzung. Weil der Bassist wegzieht, löst sich die Band nach einem letzten Auftritt nächstes Wochenende im Alten E-Werk Göppingen auf. Fans können dennoch auf eine Fortsetzung hoffen: Die verbliebenen Mitglieder wollen eine neue Band gründen.

Ganz andere Klänge brachten die fünf Bandmitglieder von „Lachs und Lehmke“ mit und überschritten sowohl die Beschränkungen traditioneller Instrumente als auch herkömmliche Vorstellungen vom Begriff „Livemusik“. Neben beachtlichem Kabelsalat, einem E-Bass und einem Saxofon bauten sie Keyboards, Synthesizer und Drum Machine auf. Es ist faszinierend, live die teils wohl auch improvisierte Entstehung dieser Mischung aus Synthpop, House, Funk und Disco zu verfolgen - kennt man solche Musik doch meistens eher als fertige Studioproduktionen aus dröhnenden Disko-Boxen ohne jegliche improvisatorische Freiheit. Mit den repetitiven Melodie-Fetzen und Rhythmus-Pattern lässt sich eine Verwandtschaft zu Minimal Music erahnen. Auf jeden Fall spielen Experimentierfreude und verträumt-tanzbare Beats die Hauptrollen bei „Lachs und Lehmke“, die ebenfalls keine Unbekannten in der Bastion sind.

Leider ließ ihr Auftritt auch einen Nachteil der elektronischen Livemusik erkennen. Ein technischer Defekt, etwas brenzliger Geruch, der Strom war weg und ein Teil des Instrumentariums auch. Nach einer kurzen Zwangspause aber kamen die fünf Musiker von „Lachs und Lehmke“ zurück auf die Bühne. Die Leute tanzten wieder, die Party ging weiter. Ende gut, alles gut.

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