Kirchheim

Tierheim in der Klemme

Der Tierschutzverein muss sein Domizil räumen, und der Neubau ist noch nicht fertig

Das Kirchheimer Kleintierheim in der Bohnau wird später fertig als geplant. Seinen bisherigen Standort muss der Tierschutzverein trotzdem verlassen.

Die Grundmauern stehen schon, das Richtfest ist gefeiert. Bis das neue Kleintierheim in den Kirchheimer Siechenwiesen bezugsfert
Die Grundmauern stehen schon, das Richtfest ist gefeiert. Bis das neue Kleintierheim in den Kirchheimer Siechenwiesen bezugsfertig ist, dauert es aber noch. Fotos: Carsten Riedl

Kirchheim. „Das neue Haus, das hier entsteht, so manche Müh‘ und Sorg‘ beschert“. Was im Richtspruch für das neue Kleintierheim in den Kirchheimer Siechenwiesen schon mitschwingt, ist beim anschließenden Fest deutlich zu spüren: Der Tierschutzverein Kirchheim hat derzeit große Sorgen. „Es hat so viele Verzögerungen gegeben, dass der Tierheim-Neubau erst im März oder April bezugsfertig ist statt wie geplant zum Jahreswechsel“, sagt Gabriele Holder, Vorsitzende des Tierschutzvereins Kirchheim. Ein Problem ist der Termin deshalb, weil der Verein samt Tieren aus seinen bisherigen Räumen in der Boschstraße ausziehen muss – und zwar schon bis Ende Oktober. „Am 1. November beginnt der Abriss des alten Tierheims“, berichtet Gabriele Holder.

Das bestätigt der Kirchheimer Bürgermeister Günter Riemer. „Wir müssen das Grundstück bis Ende des Jahres an den Eigentümer Recaro übergeben“, erläutert er die Zwänge der Stadt. „Mit dem Verein war schon lange vereinbart, dass er sein bisheriges Domizil Mitte Oktober räumen muss“, so Riemer. Im Regen habe die Stadt die Tierschützer auf keinen Fall stehen lassen wollen: „Wir haben mehrere Ersatzräume angeboten.“ Der Verein allerdings habe sie abgelehnt und die Stadt wissen lassen, dass er sich selbst um eine Lösung kümmere.

Der Vereinsvorstand dagegen spricht von untragbaren Zuständen in den angebotenen Alternativen. „Ein Haus war schon seit Jahren unbewohnt und hatte Schimmel in den Räumen“, sagt Gabriele Holder. Brigitte Wurster, Zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins, nennt ein anderes Problem: „Unsere Quarantäneboxen haben nicht durch die Türen gepasst.“

Am Freitag hat die Stadt nun ein Schreiben des Vereins erreicht, dass er sich wegen einer Übergangslösung an die Nachbarkommunen gewandt habe. „Das hat mich überrascht“, sagt Günter Riemer. „Ich habe daraufhin sofort meine Mitarbeiter beauftragt, noch einmal nach geeigneten Räumen in Kirchheim zu schauen“, betont er. Selbst eine Containerlösung schließt er nicht aus. „Ohnehin ist vereinbart, dass die Stadt bis zum Jahreswechsel die Kosten für eine Übergangslösung trägt.“ Gewundert hat den Bürgermeister aber auch noch etwas anderes: Dass der Verein lediglich einen Brief geschickt hat, statt das persönliche Gespräch zu suchen – und dass die Stadt nicht zum Richtfest eingeladen wurde. „Ich habe den Verein immer heftig unterstützt“, betont er.

Dass es zu Verzögerungen beim Bau gekommen ist, dafür haben beide Seiten ihre eigenen Erklärungen: „Die Umwidmung des städtischen Erbbaupachtvertrags hat sich hingezogen“, sagt Gabriele Holder. Zuvor war der benachbarte Kleintierschutzverein Pächter der Fläche gewesen, auf der der Tierschutzverein nun baut. „Wir hatten schon im März die Baugenehmigung für das neue Tierheim vorliegen, aber der Notarvertrag ist erst vor Kurzem zustande gekommen“, berichtet Gabriele Holder. Um überhaupt mit dem Bau beginnen zu können, habe man erst das Einverständnis des Vorpächters einholen müssen. Zu allem Übel ist dann auch noch Bauschutt aufgetaucht. „Den mussten wir entsorgen“, so Holder. Probleme habe der Verein außerdem mit den Rechten an einer Abwasserleitung gehabt, die über das Grundstück läuft.

Die Verantwortung für die Verzögerung möchte Günter Riemer nicht übernehmen: „Wir waren es nicht, die sich da verzettelt haben“, betont er. Zwar musste die Stadt die Fläche aus dem bestehenden Vertrag mit dem Kleintierzüchterverein herauslösen. „Aber das war alles zeitlich ordentlich getaktet.“ Vielmehr habe der Tierschutzverein kurz vorm ersten anberaumten Notartermin einen Rückzieher gemacht: „Der Vorstand hat damals überlegt, ob er das Grundstück vielleicht doch lieber kaufen möchte“, erzählt Günter Riemer. Prob­lematisch sei auch gewesen, dass der Verein zunächst ohne Roten Punkt, also ohne Baufreigabe, mit dem Bau begonnen habe.

„Am besten wäre es, wir würden ein geeignetes Gebäude finden, in das der Tierschutzverein übergangsweise einziehen kann“, betont Brigitte Wurster. Sollte es nicht gelingen, etwas zu finden, dann greift Plan B: „Dann müssen wir Pflegestellen für die Übergangszeit suchen, vor allem für Katzen und Vögel“, sagt Gabriele Holder. Auch Kooperationen mit anderen Tierschutzvereinen sind für die Übergangszeit geplant.

Tierheim Richtfest Siechwiesen
Tierheim Richtfest Siechwiesen

Der Tierschutzverein Kirchheim und seine Tierheime

Entstehung: Über 25 Jahre lang hat der Tierschutzverein Kirchheim sein Domizil auf dem Gelände des städtischen Bauhofs in Kirchheim gehabt. Wegen Eigenbedarfs des Grundstückseigentümers Recaro muss der Verein nun ausziehen. Entwicklung: Seit etwa zehn Jahren sucht der Tierschutzverein nach einem neuen geeigneten Standort. Die Schwierigkeit dabei war, einen Kompromiss zwischen den gesetzlichen Anforderungen und den Wünschen des Vereins zu finden. Aus Lärmschutzgründen müssen Tierheime im Außenbereich gebaut werden. Der Tierschutzverein Kirchheim hat aber Interesse daran, sein Kleintierheim so nah wie möglich an einem Wohngebiet zu haben, um dem Sicherheitsbedürfnis seiner Mitarbeiter zu entsprechen: Vor allem junge Mädchen kümmern sich ehrenamtlich um die Tiere und könnten sonst insbesondere abends nicht mehr alleine ins Tierheim kommen. Kirchheim hat ein Kleintierheim, das vor allem Katzen, aber auch Vögel, Nager und andere Kleintiere aufnimmt. Für Hunde ist am alten wie am neuen Standort nur ein Platz für kurzfristige Aufenthalte vorgesehen. An einer Vergrößerung hatte der Verein kein Interesse, da das sowohl auf den Standort Auswirkungen gehabt hätte als auch auf die personelle und finanzielle Struktur. Zukunft: Der Verein ist in Verhandlung mit anderen Tierschutzvereinen wegen einer Kooperation bei der Aufnahme von Hunden. Verhandelt wird auch ein neuer Abrechnungsmodus. Bisher wurden den Gemeinden Einzelabrechnungen für Fundtiere in Rechnung gestellt. Der Tierschutz auf Bundes- und Landesebene empfiehlt aber eine Pro-Kopf-Pauschale, die die Kommunen im Raum zahlen müssen. Das strebt auch der Tierschutzverein Kirchheim an, um seine Zukunft auf sichere Beine zu stellen. bil

Anzeige