Kirchheim

Umsteigen in die Zukunft?

Stuttgart 21 Die Gegner des Großprojekts hoffen noch immer auf einen Umstieg. Ein Grund sind auch die Kosten.

Kirchheim. Das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 birgt immense Kosten, das ist kein Geheimnis mehr. Laut Bundesrechnungshof liegen die geschätzten Kosten für das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 jetzt schon bei 10 Milliarden Euro. Kann man daraus noch aussteigen? Kann man die Baustelle noch in ein anderes Konzept umwandern? Diese Fragen stellte sich das „Bündnis gegen Stuttgart 21“.

Im Kirchheimer Spitalkeller erläuterte Diplomingenieur Klaus Gebhard die Möglichkeiten. Er erinnert daran, dass bei dem Bürgerbegehren von 4,5 Milliarden Euro die Rede war. Die Befürworter versicherten, dass es nicht teurer werden würde. Stuttgart 21 binde laut Gebhard auf Jahre hinaus alle Gelder, sodass für Verbesserungen im Nahverkehr nichts mehr übrig bleiben werde.

Ein Umstieg würde nach Schätzungen des Bündnisses etwa vier Milliarden Euro kosten. Das wären sechs Milliarden Euro weniger als bei dem jetzigen Plan. Darüber hinaus können, so das Bündnis, Baurisiken wie die Beeinträchtigung des Mineralwassers oder der Bau durch den Gipskeuper südlich von Degerloch vermieden werden. Gipskeuper quillt bei Berührung mit Wasser auf.

Ökologische Alternative

Bisher wurden bereits 1,8 Milliarden Euro in das Projekt Stuttgart 21 investiert. Die Autoren des Umstiegs haben die bisherigen Baumaßnahmen in ihr Projekt integriert. Würde das Konzept bei den Regierungsparteien Gehör finden, so Gebhard, dann könnten alle, die den Stuttgarter Kopfbahnhof künftig nutzen, einen modernen, lichtdurchfluteten Bahnhof erleben. Das Ganze findet nicht mehr 28 Meter unter Tage statt, sondern oberirdisch mit Tageslicht. Um einen Eindruck der ökologischen Möglichkeiten des Konzepts zu erhalten, erläuterte Klaus Gebhard, dass die lichtdurchlässige und mit Solarzellen versehene Überdachung der Bahnsteige rund zwölf Prozent des Stromverbrauchs der Stuttgarter Stadtbahnen generieren könnte.

Auch sieht das Konzept den Ringschluss der S-Bahnstrecke ab Bernhausen bis hinunter nach Wendlingen vor. Statt einer Busverbindung wäre dann eine direkte Bahnverbindung von Kirchheim auf die Fildern und zum Flughafen möglich. Das Fazit des Ingenieurs: „Wird Stuttgart 21 wie bisher weitergebaut, wird es zu jahrelangen Bauverzögerungen und Mehrkosten kommen.“ Die Chance auf eine nachhaltige Mobilität würde über Jahrzehnte verspielt. pm

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