Kirchheim

Unbändige Spielfreude und gute Laune

Bastion Karl-Hermann Geiger spielt mit seinen „Greyhound Jazzmen“ ein Benefizkonzert zugunsten der Aktion „Starkes Kirchheim“. Von Günter Kahlert

Mach mir den „Satchmo“: Ein besonderes Highlight der „Greyhound Jazzmen“ in der Bastion waren die Louis-Armstrong-Nummern von Tr
Mach mir den „Satchmo“: Ein besonderes Highlight der „Greyhound Jazzmen“ in der Bastion waren die Louis-Armstrong-Nummern von Trompeter Eric Biank - inklusive Schweißtuch und Strahlelächeln.Foto: Günter Kahlert

Die „Greyhound Jazzmen“ in der Bastion, das ist wie ein Treffen mit alten Bekannten. Lange nicht gesehen und gehört, trotzdem stellt sich gleich ein Gefühl der Vertrautheit ein. Die Truppe um das Kirchheimer Musiker-Urgestein „Karle“ Geiger lieferte genau das, auf was die Besucher sich freuten: Oldtime-Jazz vom Feinsten (und in allen Facetten), mit Klassikern von den 20er-Jahren bis in die 50er.

Neben Karl-Hermann Geiger am Schlagzeug gehören Manfred Schütt (Klarinette, Saxofon) und Martin Schempp (Banjo) zur Urbesetzung der „Greyhound Jazzmen“. Sie spielen schon seit den frühen 70ern zusammen, damals bei den heute noch legendären „Di-Di-Dixie-Wuslern“. Später stießen Eric Biank (Trompete), Nik­las Deeg (Kontrabass) und Stefan Veit (Piano) dazu. Die Posaune spielte Martin Kehrer - er nahm den Platz von Rudolf Abele ein, der im vergangenen Spätherbst verstorben war.

Die Greyhound Jazzmen stilistisch einzuordnen, ist müßig. Es ist klassischer Jazz mit einer Instrumentierung, wie sie schon Louis Armstrong 1928 mit seiner „Hot Five“ praktiziert hat. Das lässt eine große Bandbreite zu, viele der Titel stammen auch aus den späten 20er-Jahren: „Basin Street Blues“ von Duke Ellington, „Lady Be Good“ von George Gershwin oder „I Can‘t Give You Anything But Love“ von Louis Armstrong. Das ist wie ein „Best of“ aus längst vergangenen Zeiten, Jazz-Standards würde man wohl korrekt dazu sagen. Alles irgendwie irgendwo schon mal gehört, auf jeden Fall gut. Zur Einordnung im Kopf hilft Martin Kehrer den Bastions-Besuchern auf die Sprünge. Zu jedem Titel hat er kurze Infos über Entstehungsjahr und Hintergrund parat.

Ansonsten ist die Band bestens aufgelegt, die Bläser werfen sich bei ihren Improvisationen quasi die Bälle zu, die Rhythmus-Abteilung Schlagzeug-Bass-Banjo legt ein solides und doch filigranes Bett für die Solisten und kommt auch selber immer wieder mit einem Solo zum Zug. Aber genug der Musik-Analyse, viel wichtiger: Vom ersten Titel an verbreiten die Musik und die Musiker durch ihre unbändige Spielfreude einfach nur gute Laune, ein gutes Gefühl. Was will man mehr?

Ein besonderes Highlight sind die gesungenen Titel von Louis Armstrong „C‘est si bon“, „What A Wonderful World“ und „Hello Dolly“: Trompeter Eric Biank hat die rauchige, leicht kratzige Stimme der Jazz-Legende voll drauf, er würde akustisch glatt als Double von „Satchmo“ durchgehen - inklusive des gelegentlichen Abtupfens der lichten Stirn und des „Bleckens“ der makellosen Zahnreihen, alles natürlich mit Augenzwinkern. Der Applaus ist da noch eine Spur frenetischer, als ohnehin während des gesamten Abends.

Ein anrührender (bewegender) Moment im zweiten Teil nach der Pause. Karl-Hermann Geiger erinnert an den verstorbenen Kollegen Rudolf Abele, er soll posthum noch mal dabei sein. Beim Einstieg ins folgende Stück „Rosetta“ kommt sein Posaunenintro vom Band, Schweigen in der Bastion, bis die „Greyhound Jazzmen“ in den Titel einsteigen und wieder live übernehmen.

Dass die Truppe um „Karle“ Geiger so locker und doch unglaublich professionell rüberkommt, ist kein Wunder. Alle spielen sie seit ewigen Zeiten in unterschiedlichsten Formationen ihre Musik, leben darin, kennen sich schon lange. Wenn man alle addiert, würden in der Summe mindestens 250 Jahre Musikerleben zusammenkommen. Ein Beispiel: „Karle“ Geiger erinnert in der Bastion an das erste Zusammentreffen mit dem Klarinettisten und Saxofonisten Manfred „Manne“ Schütt. Der spielte damals bei „United Sound“ Tanzmusik in den Gemeindehallen rund um Kirchheim. Vor 45 Jahren kam Manfred bei Proben der „Di-Di-Dixie-Wuslers“ die Treppe der Bastion herunter und sagte einfach „Derf i mitspiela?“ Er durfte und blieb auch.

Angelegt war der Abend als Benefizkonzert für „Starkes Kirchheim“, eine tatkräftige Initiative für sozial benachteiligte Kinder, nicht die erste wohltätige Aktion von Karl-Hermann Geiger und seinen Musikern in Kirchheim. Ulla Schreiner-Eckert und Christine Marin konnten sich jedenfalls stellvertretend für den ganzen Verein über eine rappelvolle Bastion und eine ebenso gefüllte Spendenkasse freuen. „Win-win-Situation“ nennt man so was wohl neudeutsch - toller Abend, klasse Stimmung, tolles Ergebnis.

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