Kirchheim

Unsexy, aber grundehrlich

Randnotiz von Irene Strifler zum Namen für die neue Mörike-Halle.

Kirchheim. Rundum locken das „Uditorium“, das Neckarforum, das „K3N“ - alles „Eventlocations“ neueren Datums mit teils reichlich gekünstelten Namen. Da muss man nicht mitmachen, und Ötlingen hält jetzt dagegen. Natürlich verdient der funkelnagelneue Ersatz der maroden Eduard-Mörike-Halle einen wohlüberlegten Namen. Im Bewusstsein dieser Verantwortung hatte die CDU-Fraktion einen Wettbewerb angeregt. Ganz basisdemokratisch sollte unter Einbeziehung aller pfiffigen Köpfe - nicht nur derjenigen im Ratsrund - die beste aller guten Ideen ermittelt werden. „Kirchheim sucht den Super-Namen“ titelte der Teckbote im Dezember hoffnungsfroh. Man durfte gespannt sein.

Jetzt liegt ein Ergebnis vor, das einem den Atem verschlägt: „Eduard-Mörike-Mehrzweckhalle“ heißt der neue Freizeittempel. Da muss man erst mal draufkommen! Mehrzweckhalle - das zergeht auf der Zunge, das verheißt Spaß und Freude, sportliche Rekorde, durchtanzte Nächte, schäumenden Schampus . . . Da hat es sich wahrhaftig gelohnt, dass Verwaltungsangestellte und eine Jury aus Ehrenamtlichen aus 113 Vorschlägen liebevoll eine Vorauswahl getroffen haben. Siegläufer „Eduard-Mörike-Mehrzweckhalle“ setzte sich knapp mit 24 Stimmen durch, gefolgt von der altbewährten „Eduard-Mörike-Halle“.

Der Gemeinderat fügte sich Volkes Stimme. - Schließlich muss einem ja auch erst einmal etwas Besseres einfallen! Selbst Ötlingens Ortsvorsteher Hermann Kik, sonst nicht gerade um verbale Pointen verlegen, pocht zurückhaltend auf „Neutralität“. - Dahinter mag schwäbische Bescheidenheit stecken, ging doch gleich zweimal der Vorschlag „Hermann-Kik-Halle“ ein. Das jedoch wäre das erste Mal, dass eine noch lebende Persönlichkeit als Namensgeber fungiert. Auch „Rotgockel-Halle“ in Anspielung auf den Ötlinger Spitznamen schied aus, weil sich wohl die Lindorfer darin nicht wiederfinden. Bliebe noch der Vorschlag des Kindergartens: „Berghalle“. Doch auch dafür konnten sich nur wenige erwärmen.

Die Abstimmung fand corona-bedingt online statt. Gerade mal 118 Stimmen bilden nun Volkes vermeintlichen Willen ab. Das ist bald vergessen. Auch der Trend zu Kunstnamen für Gebäude mag vergehen. Was bleibt, ist die Bezeichnung „Eduard-Mörike-Mehrzweckhalle“ - komplett unsexy, aber sympathisch ehrlich.

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