Kirchheim

Unternehmen im Tauschrausch

Der Kirchheimer „Marktplatz für gute Geschäfte“ startet im November eine zweite Runde

Erfolgreiche Unternehmen haben oft, an was es sozialen Einrichtungen mangelt – und andersrum. Der „Marktplatz für gute Geschäfte“ will beide verknüpfen.

Unternehmen und Einrichtungen tauschen sich beim Marktplatz für gute Geschäfte aus. Archiv-Foto: Deniz Calagan
Unternehmen und Einrichtungen tauschen sich beim Marktplatz für gute Geschäfte aus. Archiv-Foto: Deniz Calagan

Kirchheim. Dem Aktionskreis für Menschen mit und ohne Behinderung (AKB) fehlt ein Auto. Sie wollen gemeinsam eine Ferienfreizeit machen, doch die Kosten, einen Bus zu mieten oder gar zu kaufen, übersteigen das Budget bei Weitem. Ein klassisches Problem sozialer Einrichtungen, denen es nicht selten an Geld mangelt. Wenn Firmen als die gute Fee einspringen und spenden, enden die sozialen Einrichtungen oft als Bittsteller. Martin Haible, einer der drei Hauptverantwortlichen des Marktplatzes, glaubt daran, dass das nicht sein muss. Er und seine Mitstreiter wollen mit dem „Marktplatz für gute Geschäfte“ einen Austausch auf Augenhöhe schaffen, zeigen, dass auch Unternehmen von der Zusammenarbeit profitieren können.

Dass das Konzept funktioniert, hat bereits der erste Marktplatz für gute Geschäfte gezeigt: Das gesuchte Auto hat sich der AKB dort ergattern können – vom Kirchheimer Autohaus Ramsperger, auf dessen Firmengelände sich Fahrzeuge häufen wie Sand am Meer. Einen VW-Bus für einen Tag auszuleihen, schadet dem Unternehmen nicht – im Gegenteil: Es profitiert davon. Das Geschäft mit dem AKB ist keine einseitige Spende von Ramsperger, sondern ein Tauschgeschäft. Im Gegenzug betreut der Arbeitskreis einen Tag lang die Kinder im Autohaus – mit Kinderschminken, Kuchen und allem Drum und Dran. Die Kooperation ist ein Paradebeispiel dafür, was Haible mit dem „Marktplatz für gute Geschäfte“ erreichen will.

Die Aktion hatte 2013 ihre Premiere in der Kirchheimer Kreissparkasse. Damals trafen sich Interessierte von beiden Seiten im Gebäude der Kirchheimer Kreissparkasse. Die Ecken wurden zu bestimmten Themenbereichen deklariert. Jeder, der etwas suchte oder anzubieten hatte, konnte sich den passenden Tauschpartner suchen – ein Speed Dating für Unternehmer. Die einzige Regel lautete: Es darf kein Geld im Spiel sein. So kamen 2013 rund 90 Vereinbarungen zustande. Eine davon war der Deal zwischen AKB und Ramsperger.

„Die Unternehmen gewinnen dabei in zweierlei Hinsicht“, erklärt Martin Haible. Das soziale Engagement eigne sich auch bestens für die Öffentlichkeitsarbeit, und die sozialen Einrichtungen sind sowieso scharf auf die Unterstützung. Außerdem hätten viele beim Feilschen nicht nur Kontakte zu Firmen, sondern auch zu anderen sozialen Einrichtungen geknüpft. Ein zweiter „Marktplatz für gute Geschäfte“ soll im November dieses Jahres folgen. Auch für 2016 rechnet Haible wieder mit großem Zuspruch.

Anzeige