Kirchheim

Unterste Schublade

Randnotiz von Antje Dörr über den modischen Verfall im Homeoffice.

Symbolbild
Symbolbild

Im Lockdown geht es nicht nur mit den Innenstädten bergab. Auch die Art und Weise, wie wir uns im heimischen Büro kleiden, ist wirklich allerunterste Schublade. Wenn die Haare schon machen, was sie wollen, warum sich mit dem Outfit Mühe geben? Es gibt auch eine gute Nachricht: Obenrum ist noch alles beim Alten, von der Frisur einmal abgesehen. Da werden Hemden und Blusen zugeknöpft, Krawatten geknotet und Bärte ordentlich gestutzt. Den Spott der Kollegen möchte schließlich niemand auf sich ziehen. Doch die Etikette endet an der Schreibtischkante, darunter haarige Männerbeine und löchrige Socken. Zum weißen Hemd wird neuerdings die wollene Unterhose getragen. Sieht ja keiner, was untenrum so vor sich geht. Doch wehe, die Schwägerin schaut unangekündigt auf einen Besuch herein, während man gedankenverloren vor der Kaffeemaschine steht und sich das Hemd in den Bund der Wollenen stopft. Die Geschichte wird man noch zu hören bekommen, wenn Corona längst wieder ein Bier ist.


Anzeige