Kirchheim

Unverständnis wegen Absage

Obst- und Gemüsehändler bewirbt sich seit Jahren erfolglos für die Wochenmarkt

Nicht nachvollziehbar sind für Renato Letizia die Kriterien, nach denen die Verwaltung Plätze auf dem Kirchheimer Wochenmarkt vergibt.

Der Händler Renato Letizia darf auf dem Kirchheimer Wochenmarkt seine Waren nicht anbieten. Foto: Margit Haas
Der Händler Renato Letizia darf auf dem Kirchheimer Wochenmarkt seine Waren nicht anbieten. Foto: Margit Haas

Kirchheim. Melonen und Pfirsiche, Tomaten und Auberginen – dies ist nur eine kleine Auswahl, die Kunden der Wochenmärkte in Göppingen, Wendlingen, Plochingen und Weilheim jede Woche bei Renato Letizia einkauft. Der Italiener bezieht sie nicht vom Großmarkt in Stuttgart, er fährt vielmehr jede Woche nach Mailand, kauft dort auf dem Großmarkt qualitätvolle Produkte, die frisch sind und zahlreichen Stammkunden auch einen höheren Preis wert sind. Gerne würde der Händler diese italienischen Produkte auch in Kirchheim auf dem Markt anbieten.

„In den vergangenen zehn Jahren habe ich mich immer wieder beworben. Teilweise habe ich keine Antwort erhalten“, beklagt Letizia. Kunden seines Ladens in der Metzgerstraße, den er schließen musste, weil er sich nicht mehr trug, können nach Aussage von Letizia nicht verstehen, dass ausgerechnet einem Kirchheimer Einzelhändler der Stand auf dem Markt verwehrt wird. „Auch andere Einzelhändler und Marktbeschicker drängen mich immer wieder, mich zu bewerben, und haben sich bei Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker für mich eingesetzt“, erzählt er und fügt an: „Auch ich habe mit ihr gesprochen.“ Sie habe ihm für den Montag- und Donnerstag-Markt einen Stand zugesagt, verkaufen habe er aber lediglich an einem einzigen Markttag dürfen.

Andrea Edelmaier vom Sachgebiet Öffentlichkeitsarbeit teilt mit, dass auf dem Kirchheimer Wochenmarkt bereits „ein Überangebot an Obst und Gemüse vorhanden ist“. Ein Platz, der frei geworden war, nachdem ein Obsthändler auf dem Markt aufgehört hatte, sei an einen Händler vergeben worden, der einen Artikel anbietet, der auf dem Markt noch nicht vertreten war und somit eine Bereicherung des Warenangebotes darstellt.

Dies lässt Letizia nicht gelten. Er habe sich nicht für 20, sondern nur für sechs Meter beworben. Und seine Waren ließen sich nicht mit dem üblichen Angebot vergleichen. „Ich biete eine andere Qualität an und bin kein gewöhnlicher Obsthändler“, betont er. Deshalb sei er „auf allen Märkten eine Bereicherung“, sagt er selbstbewusst und verweist etwa auf den Göppinger Markt, wo er in bestem Einverständnis mit anderen Händlern seit Jahren verkauft.

Edelmaier betont, dass die Verwaltung erst dann auf die Bewerbung des Händlers zurückgreifen wird, wenn Bedarf nach einem Obst- und Gemüsestand besteht. „Dies wurde dem Händler mehrfach – auch schriftlich – mitgeteilt“.

Vielfältigkeit ist entscheidendNachgefragt

Gibt es eine Warteliste für den Kirchheimer Wochenmarkt? Wenn ja, wie umfangreich ist sie?

ANDREA EDELMAIER: Die Stadtverwaltung führt seit Jahren eine Warteliste mit bereits über 100 Bewerbungen verschiedenster Marktartikel beziehungsweise Produkte.

Wie ist überhaupt die Entwicklung des Kirchheimer Wochenmarktes?

EDELMAIER: Der Kirchheimer Wochenmarkt ist äußerst attraktiv und bei der Bevölkerung aus nah und fern sehr beliebt. Dies ist auf die Vielfalt des Warenangebots und die Attraktivität der Verkaufseinrichtungen zurückzuführen. Die Anzahl der Stände ist seit Jahren in etwa gleich; verändert wurden lediglich die Flächen aufgrund neuer Vorgaben von Sicherheitsmaßnahmen.

Wie sind die Vergabekriterien für Standplätze?

EDELMAIER: Die Stadt berücksichtigt bei der Zuweisung der Standplätze die marktspezifischen Erfordernisse. Zur Erhaltung und Erhöhung der Attraktivität des jeweiligen Marktes wird darauf geachtet, durch die verschiedenen Marktstände ein vielfältiges, aufeinander abgestimmtes Warenangebot zu ermöglichen und die verfügbaren Standflächen bestmöglich auszunutzen.

Sind sie schriftlich fixiert?

EDELMAIER: Es gibt eine Marksatzung der Stadt Kirchheim unter Teck.

Wer entscheidet letztendlich über die Standvergabe?

EDELMAIER: Das zuständige Sachgebiet Märkte in der Abteilung Ordnung.

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