Kirchheim

Vater, Mutter, Kind - trotz Trennung

Scheidung Sie wollen es allen recht machen und versuchen sich anzupassen: Kinder, deren Eltern getrennte Wege gehen, haben es schwer. Doch es gibt Möglichkeiten, ihnen zu helfen. Von Alicia Kaiser

Bei Trennung lassen sich Teenager oft seltener zuhause blicken. Sie sind lieber unterwegs oder suchen Rat bei Freunden.Foto: Car
Bei Trennung lassen sich Teenager oft seltener zuhause blicken. Sie sind lieber unterwegs oder suchen Rat bei Freunden. Foto: Carsten Riedl

Wenn eine Ehe oder eine Beziehung in die Brüche geht, ist das für die Kinder besonders bitter. Sie lieben Mutter und Vater und haben Angst, einen zu verlieren. Wie den Mädchen und Jungen geholfen werden kann, erklärte die Jugend-Psychotherapeutin Monika Mayer-Beck in einem Seminar. Es fand anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Kirchheimer Kinderschutzbundes bei der Familien-Bildungsstätte statt. Die Idee: Eine Veranstaltung, bei der ohne Scham über das Thema aufgeklärt und diskutiert werden kann - natürlich zum Wohl der Kinder.

Eine Scheidung belastet jedes Kind, ob Säugling oder rebellischer Teenager. Eine Scheidung katapultiert die Kids in eine Extremsituation. Das gewohnte Umfeld bricht zusammen. Doch nicht jedes Kind reagiert gleich. Der Umgang mit dem Thema hängt stark vom Alter ab. Babys und Kleinkinder sind oft weinerlich und unruhig. Kindergartenkinder erfinden mitunter Geschichten und machen plötzlich wieder in die Hose. Jugendliche lassen sich dafür selten zu Hause blicken.

„Kinder in den Auf- und Umbauphasen des Lebens sind besonders gefährdet“, warnt die Therapeutin. Damit meint sie das Kleinkindalter und die Pubertät. Sie erklärte anschaulich, was hinter dem Verhalten steckt. Auch konkrete Tipps, was Eltern nach einer Trennung unbedingt tun sollten und was absolute Tabus sind, gab Monika Mayer-Beck den Anwesenden an die Hand. „Bewusstseinsschärfung“ sei in einer extremen Situation wie einer Trennung das Wichtigste: „Was braucht mein Kind jetzt und was kann ich dafür tun?“ - Das müssen sich Eltern in Trennung fragen.

Ziel: entspannter Umgang

Der Kinderschutzbund bezeichnet sich als „Die Lobby für Kinder“. Seit dem Jahr 1994 ist er mit einer Ortsgruppe in Kirchheim vertreten. Er bietet unter anderem Beratung für Eltern und Kinder in Trennungssituationen an. Der Kinderschutzbund schafft dabei auch einen Rahmen, um Kindern einen entspannten Umgang mit dem Elternteil zu schaffen, bei dem sie nicht leben. Aber auch verschiedene Gruppen ausschließlich für Kinder gibt es bei der Organisation.

Die Scheidung der Eltern ist für Kinder immer ein sehr belastendes und oft auch prägendes Ereignis. Doch mit viel Liebe und Empathie sei es möglich, dem Kind viel Leiden zu ersparen, zeigte der Vortrag von Monika Mayer-Beck. Auch wenn eine Ehe zerbricht: „Die Elternbeziehung hört nicht auf“ - das gibt die Kindertherapeutin ihren Zuhörern mit auf den Weg.

Tipps für eine erträgliche Trennung

Geregelter Kontakt: Das Kind sollte dabei unterstützt werden, den Kontakt zum anderen Elternteil zu halten. Regelmäßigkeit hilft.

An einem Strang ziehen: Auch wenn Eltern geschieden sind, sie sind trotzdem die Eltern ihres Kindes. Ein gemeinsames „Wir haben dich lieb“ oder „Wir sind für dich da“ ist wichtig.

Konkurrenz vermeiden: Fragen wie „Hast du mich oder den Papa lieber?“ sind ein absolutes No-Go. Sie stürzen die Kinder in Loyalitätskonflikte.

Loslassen: Wenn ein Kind mehr Zeit mit dem anderen Elternteil verbringen oder sogar fest dort leben möchte, muss diese Entscheidung akzeptiert werden. Sonst kommt es zum Streit. Trotzdem den Kontakt zum Kind zu halten, ist hier die Lösung.

Hilfe von außen: Der Kinderschutzbund steht bei Fragen zum Thema Trennung zur Seite. Ansprechpartner finden sich im Internet unter der Adresse: www.kinderschutzbund-kirchheim-teck.de. ak

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