Kirchheim

Verein verhalf  1000 Leuten zur Impfung

Corona In schwierigen Zeiten hat das „Forum Altern“ in Dettingen unter anderem ein „Pop-Up-Impfzentrum“ als Modellversuch organisiert. Der Verein ist für den Ehrenamtspreis „Starke Helfer“ nominiert. Von Andreas Volz

Impfen vor Ort und ohne lange Wartezeiten: Das gab es im Frühjahr 2021 in der Dettinger Schlossberghalle.     Archiv-Foto: Markus Brändli

Seit Beginn der Pandemie sieht sich das Ehrenamt mit vielen ungeahnten Schwierigkeiten konfrontiert. Deshalb lautet das Motto des Ehrenamtspreises, den die Stiftung Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen gemeinsam mit dem Teckboten ausgeschrieben hat, „Hilfe in herausfordernden Zeiten“.

Exemplarisch dafür steht ein Angebot des Dettinger Vereins Forum Altern: Im Februar und im März 2021 hatten die Ehrenamtlichen ein „Pop-Up-Impfzentrum“ als Modellversuch aufgebaut – und damit einen durchschlagenden Erfolg erzielt. Die Situation war eine grundlegend andere als heute: Die Corona-Mutanten waren gefährlicher als Omikron. Und die ersten Impfstoffe waren noch nicht allzu lange auf dem Markt.

Anspruch hatten zunächst nur diejenigen, die mindestens 80 Jahre alt waren – abgesehen von medizinischem Personal. Aber einen Anspruch zu haben, war das eine. Einen Termin zu bekommen, war eine ganz andere Sache. Auch als sich die Altersgrenze später nach unten verschob, gab es einen munteren „Impf-Tourismus“. Die Leute reisten quer durchs Bundesland, um sich impfen zu lassen, wo sie einen Termin ergattert hatten: im Breisgau, am Bodensee, im Hohenlohischen oder in der Kurpfalz.

Die Dettinger setzten dagegen frühzeitig auf eine andere Schiene, wie Rudi Dölfel, der Erste Vorsitzende des Vereins, berichtet: „Wir haben das Glück, 
 

Es war schön, helfen zu können und die große Dankbarkeit zu spüren.
Rudi Dölfel
über das Pop-Up-Impfzentrum in der Dettinger Schlossberghalle

Dr. Rudolf Alkier in unserem Verein zu haben, einen Labormediziner, der Verbindungen zum Impfzentrum am Stuttgarter Katharinenhospital hatte. Also haben wir überlegt, ob wir nicht auch für unsere Mitglieder etwas anbieten könnten, und beim Bürgermeister haben wir damit offene Türen eingerannt.“

So entstand das Pop-Up-Zentrum in der Schlossberghalle – einerseits als Modellversuch und andererseits als Gemeinschaftsprojekt, an dem die Gemeinde Dettingen mit dem Bauhof ebenso beteiligt war wie mit der Feuerwehr. Hinzu kamen Malteser, das Rote Kreuz und das Impfteam aus Stuttgart. „Die haben gesagt, wir machen das, wenn ihr uns eine Infrastruktur zur Verfügung stellt“, berichtet Rudi Dölfel im Nachhinein und fügt mit einem gewissen Stolz hinzu: „Sie waren total begeistert von der Infrastruktur.“

Keine weiten Anfahrtswege

Ein „Pop-Up-Impfzentrum“ wird nicht über Wochen und Monate hinweg betrieben. Stattdessen wird es nur für wenige Termine aufgebaut. 1000 Menschen hat es im konkreten Fall den Vorteil geboten, dass sie keine weiten Anfahrtswege in Kauf nehmen und sich auch nicht nächtelang am Computer um einen Termin bemühen mussten.

„Der Bedarf war ja riesig“, erinnert sich Rudi Dölfel. „Und wir haben das nicht nur für Dettingen angeboten, sondern für das ganze Lenninger Tal, bis rauf nach Erkenbrechtsweiler.“ Selbst viele Kirchheimer konnten noch von der Dettinger Initiative profitieren: „Wir haben Dankschreiben erhalten, noch und nöcher – von Privatpersonen, aber auch von offizieller Stelle.“ Ein besonderer Vorteil ergab sich durch den Kalender: Die Impfwilligen erhielten vier Wochen später am selben Wochentag mit demselben Datum – nur eben im März – ihre zweite Dosis.

Rudi Dölfel freut sich darüber, dass das Dettinger Modell als Vorlage dienen konnte, um viele solcher „Pop-Up-Impfzentren“ einzurichten. Noch mehr freut er sich aber für die „Kunden“, die sein Verein im Zusammenspiel der Kräfte bedienen konnte: „Es war schön, helfen zu können und die große Dankbarkeit zu spüren.“

Dankbar sind viele Dettinger Senioren auch für andere Angebote des Forums – unter anderem für die Rikscha-Fahrten. Bis zu zwei Personen können sich durch die Gegend kutschieren lassen. Die Fahrten führen nach Owen, Bissingen oder Kirchheim. Auch Neubaugebiete sind gefragt, weil sich die Passagiere immer noch sehr für die Entwicklung ihres Orts interessieren. Die Fahrten sind kostenlos, wobei der Verein gerne eine Spende entgegennimmt. Auch Gutscheine gibt das Forum Altern aus. Wer sich dafür interessiert, erhält nähere Auskünfte unter der Telefonnummer 0 70 21/93 93 74.

Hilfe in allen Lebenslagen

Rikscha-Fahrten ließen sich auch in Pandemie-Zeiten unternehmen. Bei anderen Angeboten war das schwieriger. Die Einkaufshilfe etwa konnte nur auf Bestellung ausliefern. Gemeinsames Einkaufen war nicht mehr möglich. Aber mittlerweile gibt es wieder das volle Programm beim Forum Altern: Je nach Wochentag kommen die Gäste in die Kirchheimer Straße 27 zum Mittagstisch, zum Café oder zum Sitztanz. Hilfe in allen Lebenslagen eben – egal, wie herausfordernd die Zeiten sind.

 

Rikscha-Fahrten, die der Dettinger Verein Forum Altern anbietet, machen allen Beteiligten sichtlich Spaß.              Foto: pr
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