Kirchheim

Vereine setzen auf die Chance in der Krise

Engagement Aufgrund von Corona befinden sich viele Vereine im Ausnahmezustand, denn lange konnten weder gesellige Aktivitäten noch wichtige Versammlungen stattfinden. Doch es geht wieder aufwärts. Von Irene Strifler

Projekte rund um Schloss und Mauer in Kirchheim brauchen einen langen Atem, befürchten Martin Lude  und seine Mitstreiter vom Ve
Projekte rund um Schloss und Mauer in Kirchheim brauchen einen langen Atem, befürchten Martin Lude  und seine Mitstreiter vom Verschönerungsverein. Foto: Carten Riedl

In der Krise steckt die Chance. Darauf setzen viele Vereine. Denn Corona macht ihnen schwer zu schaffen: Feste und Zusammenkünfte sind monatelang ebenso ausgefallen wie Hauptversammlungen und Planungstreffen. Das Virus hat das Vereinsleben komplett lahmgelegt. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der viele Menschen ohnehin das Vereinsleben an sich infrage stellen und nicht selten die Zahl der verstorbenen Vereinsmitglieder die der Neueintritte übersteigt. Vertreter zweier renommierter Kirchheimer Vereine schildern beispielhaft die Probleme, vor denen sie plötzlich standen: der Verschönerungsverein aus Kirchheim und die hiesige Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins.

Gesundheit geht vor

Der Verschönerungsverein geht auf das Jahr 1864 zurück und ist damit einer der traditionsreichen Vereine im Ländle. 115 Mitglieder stehen heute hinter den Idealen, zur Verschönerung der Stadt und ihrer Umgebung beizutragen. Es ist lange her, dass die Zahl vierstellig war. Immerhin: Ein kostspieliges Vereinsheim muss nicht unterhalten werden. Corona ließ es jedoch vor allem an der Kommunikation hapern und hebelte so das Engagement des Vereins aus. Gesundheitliche Aspekte gingen vor, das war für alle klar. Deshalb musste der Abstimmungsbedarf der Mitglieder plötzlich via Mails gedeckt werden und ging nur schleppend voran. „Auch in unserem Handeln nach außen waren wir stark eingeschränkt“, klagt der Vorsitzende Martin Lude, denn Ämter und Firmen waren nicht erreichbar. Einzelne Projekte mussten daher auf Eis gelegt werden.

Beim Albverein kann zaghaft wieder das Wandern in Gruppen beginnen. Foto: Markus Brändli
Beim Albverein kann zaghaft wieder das Wandern in Gruppen beginnen. Foto: Markus Brändli

Derzeit ist der Verein wieder auf dem Weg in die Normalität - und hofft sogar auf Zuwachs. Denn: „Viele Menschen haben ihre eigene Heimat erst jetzt so richtig kennen und schätzen gelernt“, hat Martin Lude beobachtet. Erfreulich viele junge Menschen und Familien waren während der Coronakrise in Feld und Flur unterwegs. Den Vereinsvorsitzenden veranlasst dies zu der Hoffnung, dass sich diese Menschen künftig in ihrer Heimat gemeinnützig engagieren wollen. Und da sei man im Verschönerungsverein gut aufgehoben. Mit aktuellen Themen wie dem Kampf gegen die Vermüllung will man auch die Jüngeren ansprechen.

Gut aufgehoben sind Heimatverbundene zweifellos auch beim Schwäbischen Albverein. Ihn traf der Shutdown heftiger, denn schließlich ist der Zweck der 1889 gegründeten Ortsgruppe das Wandern in geselliger Runde. Knapp 300 Mitglieder weist der Verein derzeit auf - nach langem Ab-wärtstrend war es endlich wieder aufwärts gegangen.

Tolle Planungen lagen für das laufende Jahr vor, doch von April bis Juni fand keine einzige Wanderung statt. Das führte zwar nicht zu einer Austrittswelle, verhinderte aber wohl Neueintritte. Speziell die junge Zielgruppe konnte so kaum mehr erreicht werden. Der Vorsitzende Dr. Dieter Klein ist daher froh, dass seit Juli wieder die Wanderstiefel geschnürt werden dürfen - allerdings nur in kleinen Gruppen und die Teilnehmer müssen sich zuvor anmelden. Waren Unternehmungen früher für alle offen, genießen jetzt Mitglieder Vorrang. Bislang verpflegten sich die Wandersleute komplett aus dem eigenen Rucksack, seit August ist wieder eine Einkehr ge-plant, ebenso die Anreise per Bus oder Zug zu entfernteren Zielen.

Finanzielle Nachteile sind auch diesem Verein kaum entstanden, da ja alle Aktiven ehrenamtlich arbeiten. Im Gegenteil: Für die Renovierung der Teck spendeten die Mitglieder eifrig. Insgesamt gab es großes Lob für die umfassenden Informationen durch die Hauptgeschäftsstelle. Diese Transparenz machte es den Mitgliedern leicht, die unumgänglichen Einschränkungen zu akzeptieren. Dieter Klein weiß von Mitgliedern, die sich während des Lockdowns in Kleingruppen von zwei bis fünf Personen zusammengefunden hatten, um gemeinsam auf Schusters Rappen die Welt zu erkunden. Sie seien aber sehr froh, jetzt wieder in größeren Gruppen losziehen zu dürfen.

Personalentscheidungen warten

Froh sind auch die beiden Vereinsrepräsentanten. Beiden ist die Erleichterung darüber anzusehen, dass das Vereinsleben so langsam wieder seinen gewohnten Gang gehen kann. Dabei stehen sie für die Vielzahl an Vereinen rund um die Teck, die nicht nur wie gewohnt ihren Vereins- zwecken nicht nachkommen konnten, sondern zum Teil auch personelle Entscheidungen auf die lange Bank schieben mussten, um niemanden durch große Zusammenkünfte zu gefährden.

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