Kirchheim

Viele Firmen warten nach wie vor vergeblich auf Azubis

Lehre Die Arbeitsagentur Göppingen zieht erste Bilanz zum Ausbildungsmarkt. Bewerber haben gute Chancen aufgrund gestiegener Stellenzahl. Von Katja Eisenhardt

Mehr Stellen und weniger Bewerber: Wer im Bereich der Arbeitsagentur Göppingen derzeit einen Ausbildungsplatz sucht, hat gute Karten. Allerdings ist Flexibilität geforderte. Denn Trendberufe wie Mechaniker und Kaufmann sind begehrt wie eh und je, während in anderen Bereichen händeringend nach Azubis gesucht wird.

Zum Stichtag 30. September ist die Zahl der Ausbildungsstellen im Vergleich zum Vorjahr um 10,4 Prozent auf insgesamt 5 802 Stellen gestiegen – das bedeutet ein Plus von 548 Stellen, erklärt Bettina Münz, Geschäftsführerin und stellvertretende Leiterin der Agentur für Arbeit Göppingen. 415 Ausbildungsstellen blieben bis zum Stichtag unbesetzt. Zu wenige Bewerber gab es bis zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich in den Bereichen Einzelhandel, Gastronomie und Lebensmittelhandwerk. Nach wie vor passen die angebotenen Berufe nicht immer zu den Interessen der Bewerber und die Anforderungen der Ausbildungsbetriebe nicht zu deren Kompetenzen.

Beworben haben sich insgesamt 4 983 potenzielle Azubis, das waren 55 weniger als im Vorjahr. Eine Ausbildung angetreten haben bis Ende September 2 566 Bewerber, 1 050 besuchen weiter die Schule oder haben sich für ein Studium oder Praktikum entschieden. 225  haben, statt eine Ausbildung zu beginnen, direkt eine Arbeitsstelle angenommen, den Freiwilligendienst oder den Dienst bei der Bundeswehr haben 151 junge Leute angetreten. Nur 21 Jugendliche (Vorjahr: 181) waren bei ihrer Bewerbung bis Ende September nicht erfolgreich, haben zwischenzeitlich aber ein Angebot erhalten.

Aktuell gibt es nach wie vor mehr Stellen als Bewerber, der Fachkräftebedarf zeige sich deutlich auch auf dem Ausbildungsmarkt: „Momentan kommen auf jeden Bewerber 1,2 Ausbildungsstellen“, erklärt Bettina Münz. Das Durchschnittsalter der Bewerber liege bei 19,3 Jahren, „die Schwelle vom Übergang Schule in den Beruf verschiebt sich nach hinten. Das hänge nicht zuletzt mit dem Wandel in der Schullandschaft zusammen. So seien beispielsweise die G8-Abiturienten oft noch zu jung und ohne konkrete Idee, wie es nach der Schule weitergeht. „Sie zögern diese Entscheidung dann häufig um ein weiteres Jahr hi­naus“, beobachtet Kati Schwenck, Teamleiterin in der Berufsberatung für unter 25-Jährige. 268 Jugendliche, die bis zum aktuellen Ausbildungsbeginn nicht erfolgreich waren, haben unmittelbar mit weiteren Qualifizierungsmaßnahmen begonnen.

Im Landkreis Esslingen wurden 3 733 Ausbildungsstellen gemeldet, das sind 487 mehr als im Vorjahr, Die Bewerberzahl ist dagegen um 104 Personen im Vergleich zum Vorjahr auf 3 038 Bewerber gesunken. Was die Kirchheimer Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit angeht, so wurden 755 Ausbildungsstellen gemeldet und damit 108 mehr als im Vorjahr. Bewerber waren es 627 und so 95 weniger als 2014/15. „In Kirchheim spielt dabei die Entwicklung in der Schullandschaft – die schwindenden Haupt- und Werkrealschulabschlussklassen – eine nicht unerhebliche Rolle“, erläutert Bettina Münz.

Bessere Chancen habe man immer, wenn man sich nicht auf einen Trendberuf konzentriere. Die Top Ten der beliebtesten und daher auch teils überlaufenen Ausbildungsberufe habe sich im aktuellen Bewerbungsdurchgang nicht verändert. Nimmt man die Interessen der männlichen und weiblichen Bewerber zusammen, so stehen auf den ersten drei Plätzen nach wie vor der Industriemechaniker, der Industriekaufmann und der Kaufmann Büromanagement. Positiv sei es, so Münz, dass auch leistungsschwächere Jugendliche vermehrt Chancen auf einen Ausbildungsplatz erhielten.

5 Jugendliche erhalten einen Termin bei der Berufsberatung unter der Nummer 08 00/4 55 55 00. Arbeitgeber erreichen den Arbeitgeberservice unter der Nummer 08 00/4 55 55 20.

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