Kirchheim

Viele Hürden verhindern das Busfahren

ÖPNV  Omnibusse in Kirchheim sollen schneller, behindertengerechter und möglichst auch noch günstiger werden.

Kirchheim. Die Stadt Kirchheim will den öffentlichen Nahverkehr weiterentwickeln und dadurch attraktiver machen: Knapp 36 000 Euro nimmt sie vorab in die Hand. Für dieses Geld soll ein Fachbüro Verlustzeiten analysieren und Vorschläge erarbeiten, um die veraltete Busbeschleunigung zu modernisieren. Zusätzlich geht es darum, die Haltestellen unter die Lupe zu nehmen - um sie nach und nach so umzugestalten, dass die Busse barrierefrei zugänglich werden.

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Im Gemeinderat konstatierte Ordnungsamtsleiter Marcus Deger: „Die Busbeschleunigung durch die Ampelbevorrechtigung ist notwendig. Sonst lässt sich der Takt der Busse nicht halten. Wir brauchen dazu aber noch weitere Analysen. Fest steht bislang nur, dass es ohne neue Technik nicht funktionieren wird.“ Als Zieltermin für die behindertengerechte Umgestaltung der Bushaltestellen, die erhebliche Investitionen mit sich bringen werde, nannte er den 1. Januar 2022.

Ein weiteres Projekt, das sich - zunächst - ebenfalls nur durch einen großen städtischen Zuschuss umsetzen lässt, ist das „Stadtticket“. Um die Kirchheimer innerhalb der Stadt zum Umsteigen vom eigenen Auto auf den Bus zu bewegen, sollen die Tickets für kurze Strecken günstiger werden. Wenn die Stadt das erreichen möchte, muss sie dem VVS einen jährlichen Zuschuss von 44 000 Euro zahlen. Marcus Deger nannte auch ein Argument für diese Ausgabe: „Das ist eine Investition in den Klimaschutz.“

Andreas Kenner (SPD) wollte beim Umbau zu barrierefreien Haltestellen an ältere Menschen erinnern, für die das immer wichtiger werde. Auch der Busbahnhof sei deshalb umzugestalten: „Wer mit dem Rollator unterwegs ist, sieht den Bus viel zu oft nur noch von hinten.“ Einen eigenen Antrag zum Stadtticket werde seine Fraktion spätestens für das Haushaltsjahr 2018 einbringen.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Thilo Rose erkennt ein Problem des ÖPNV: „Busfahren stellt eine Hürde dar, auch finanziell - gerade bei kürzeren Strecken.“ Trotzdem ist er dagegen, dass die Stadt in Vorleistung geht. Ein Stadtticket befürwortet er nur, „wenn das der VVS macht“. Die Busbeschleunigung jedoch brauche dringend eine neue Technik, denn derzeit sei sie eher eine Ausbremsung des mobilisierten Individualverkehrs - also der Autofahrer.

Ötlingens Ortsvorsteher Hermann Kik wiederum sieht den ÖPNV selbst ausgebremst - durch etwas ganz anderes: ausgerechnet durch Tempo 30 auf der Stuttgarter Straße. „Seit wir das haben, kommen die Busse nur noch ganz schwer raus aus der Warth.“ Bliebe noch zu ergänzen, dass Tempo  30 auch die Busse nicht wirklich beschleunigt.Andreas Volz