Kirchheim

„Viele ziehen den Unterricht richtig gut durch“

Porträt Johannes Hopf staunt darüber, wie fit die Lehrer seiner Musikschule im Improvisieren sind.

Johannes Hopf
Johannes Hopf. Foto: pr

Kirchheim/Bissingen. „Erst mal haben wir alles ruhiggestellt“, sagt Johannes Hopf über seine private Musikschule, die er in Kirchheim und Bissingen betreibt. Doch die Ruhe dauerte wie bei den Musikschulen, die als Vereine organisiert sind, nicht lange. Dann wurde via Video geflötet, gesungen und in die Tasten gehauen. Die Lehrer verschicken Akkorde von Songs per E-Mail, und die Schüler präsentieren auf kleinen Filmen, was sie auf dem Instrument geübt haben. „Manche Lehrer ziehen es richtig gut durch“, so Johannes Hopf. Die Lehrkräfte, die er an seiner Musikschule beschäftigt, sind alle unter 40. „Die laden Apps runter und sind richtig gut im Umgang mit den digitalen Medien“, sagt er. Mit knapp 50 tut er sich selbst etwas schwerer damit, den Unterricht für seine rund 70 Schüler umzustellen. „Da muss man sich komplett neu erfinden.“ Die Vorbereitung sei sehr aufwendig, und es fehle die Dynamik, die im direkten Kontakt ent­stehe. Im Percussionunterricht beispielsweise trommelt er normalerweise eine halbe Stunde mit dem Schüler synchron. Das funktioniert so jetzt nicht.

Vor den Osterferien fielen jeweils drei Einheiten aus, zwei davon sollen nachgeholt werden, wenn es wieder möglich ist - notfalls auch in den Ferien. Anfang des Monats wurden wie üblich die Gebühren eingezogen. „Es kann sein, dass deshalb die eine oder andere Frage kommt“, sagt Johannes Hopf. Er macht sich Gedanken darüber, was passiert, wenn die Zahler selbst vor dem Nichts stehen. Froh ist er deshalb, dass der Vermieter in Kirchheim und die Gemeinde Bissingen, die der Musikschule Räume im alten Rathaus zur Verfügung stellt, kulant sind und vorerst auf 20 Prozent des Betrags verzichten. Auch für die Abgaben an die Künstlersozialkasse hat Johannes Hopf einen Aufschub bekommen.

Die meisten der 15 Lehrer, die die insgesamt 350 Schüler unterrichten, sind Berufsmusiker. „Die fallen in ein Loch, weil sie derzeit keine Konzerte spielen können“, so Johannes Hopf. Auch ihm persönlich brechen Einnahmen weg, da er mit seiner Band „Swingology“ keine Auftritte hat. Zum eigenen Lebensunterhalt kommt die Unterstützung für zwei Kinder, die derzeit studieren. „Die zehn Euro extra sind momentan nicht drin“, sagt er. Wo möglich, hat er Zahlungen storniert, die beispielsweise für die Rente vorgesehen waren. „Es darf nicht schlimmer werden“, so Johannes Hopf, der hofft, dass die derzeitige Situation nicht zu lange anhält. Doch er baut auf die Solidarität der Eltern. Alles andere würde einen Rattenschwanz nach sich ziehen. „Ich hoffe, dass es nach der Coronakrise weitergeht.“ Die Alternative wäre, dass die Musikschullehrer auf der Straße stünden und es keinen Unterricht mehr gäbe. Anke Kirsammer

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