Kirchheim

Vier Hände am Klavier spielen im Einklang

Kammermusik Mit Brahms, Schubert und Ravel spielt das Klavierduo Jost Costa Publikumsrenner.

Kirchheim. Yseult Jost aus Frankreich und Domingos Costa aus Portugal verlieren kein Wort, als sie die Bühne der Stadthalle betreten und sich an den Flügel setzen – sie lassen lieber ihre Musik sprechen. Ein Blick auf das Programm genügt Klassik-Fans, um sich auf das Abschlusskonzert der Kammermusikreihe des vhs-Kulturring Kirchheim zu freuen: Mit Klavierwerken von Brahms, Schubert und Ravel kann man einfach nichts falsch machen. Wird dieses Programm von so virtuosen und feinfühligen Musikern interpretiert wie dem Klavierduo Jost Costa, steht dem Hörvergnügen nichts im Weg.

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Gleich das erste Werk, 16 Walzer opus 39 von Johannes Brahms, präsentiert den roten Faden, der sich durch den Abend zieht: Vielfalt in Charakter und Ausdruck prägen sowohl Brahms hochromantischen Walzer als auch Ravels impressionistischen Zyklus „Ma Mère l‘Oye“ und seine Suite „Rapsodie espagnole“. Auch in Schuberts „Variations sur un thème original“ steht Abwechslung im Zentrum.

Im Opus 39 fing Brahms alle Facetten des Walzers ein, vom Bauerntanz bis zum ungarischen Walzer. Obwohl die Walzer derselben Form folgen, drücken sie immer neue Emotionen aus, sind heiter, nachdenklich, fröhlich oder stürmisch. Nach dem Stück überlegt Domingos Costa, warum der eigentlich biedere norddeutsche Brahms dieses ungewöhnliche Werk komponierte, aus dem deutlich das lebenslustige, gesellige Wien herausklingt. „Vielleicht zeigte er damit eine versteckte Seite von sich als jemandem, der gern isst, trinkt und feiert.“

Auch über den Frühromantiker Schubert weiß Costa Interessantes zu erzählen: „Das Thema seiner Variationen ist gar nicht so original, wie der Titel verspricht!“ Im Lauf des Stücks entwickelt sich nämlich das Thema aus der 7. Symphonie von Beethoven heraus. Die Variationen schrieb Schubert für die Töchter des Grafen Esterházy, die er am Klavier unterrichtete und mit denen er offensichtlich auch gerne vierhändig spielte. „Wie kommt man einer schönen Frau näher, als mit ihr vierhändig Klavier zu spielen?“ kommentiert Costa.

Nach diesem virtuos und technisch perfekt gespielten Stück folgten zwei Werke von Maurice Ravel. Sehr gefühlvoll fangen die beiden Musiker die bezaubernden Miniaturen aus der Märchen- und Kinderwelt von „Ma Mère l‘Oye“ ein, die auf Charles Perraults Märchensammlung basieren. Deutlich hört man in der Musik die bedrohte Schönheit des schlafenden Mädchens im Wald (in der Grimmschen Version das Dornröschen), die magische Verwandlung des Biests in einen Prinzen nach dem Kuss seiner „belle“ und die fantasievolle, kindliche Welt des Feengartens.

Nach diesem Highlight führten die Pianisten das Publikum zurück in die Erwachsenenwelt des französisch- und spanischstämmigen Komponisten. In seiner „Rapsodie espagnole“ entwirft Ravel mit französischer Eleganz spanische Bilder einer Sommernacht in der Alhambra, lässt feurige Blicke hin- und hertanzen und brennt im letzten Satz ein Feuerwerk der Klangfarben ab.

Das talentierte und mit Preisen ausgezeichnete Duo, das für seine außergewöhnlichen Veranstaltungen mit Musik, Tanz, Dichtung und Malerei bekannt ist, vermochte das Publikum zu begeistern. Eine Besucherin fasste das Konzert in Worte: „Fantastisch! Wie die Hände über die Tasten fliegen!“ Elisabeth Kanski