Kirchheim

Virtuell über Probleme austauschen

Familie Die Coronakrise hat die ohnehin schon schwierige Situation von Alleinerziehenden verschärft. Jetzt soll es in Kirchheim zumindest online wieder einen Treffpunkt für Gleichgesinnte geben. Von Andrea Rothfuß

Laut Statistischem Bundesamt waren in Deutschland im Jahr 2018 rund 2,17 Millionen Mütter und etwa 407¿000 Väter alleinerziehend
Laut Statistischem Bundesamt waren in Deutschland im Jahr 2018 rund 2,17 Millionen Mütter und etwa 407¿000 Väter alleinerziehend. In Kirchheim gibt es für sie Angebote der diakonischen Bezirksstelle und der FBS. Foto: Andrea Rothfuß

Kinder, Familie, Harmonie - der Traum vom ganz großen, dauerhaften Glück ist oftmals nicht realistisch. Gerade Alleinerziehende stehen vor vielen Herausforderungen und dem täglichen Kampf, den umfassenden Aufgaben gerecht werden zu müssen. Das wird in der Coronakrise noch einmal erschwert.

„Tram“, der wöchentliche Treffpunkt für alleinerziehende Menschen, findet wegen der Coronakrise nicht mehr statt. Und das wird auch noch bis Ende der Sommerferien so sein. Den Treffpunkt in Kirchheim gibt es bereits seit zwei Jahrzehnten. Im Gemeindehaus der evangelisch-methodistischen Kirche in der Armbruststraße 23 werden neben Sprechstunde und Beratung auch eine Wochenendfreizeit und ein Alleinerziehenden-Tag angeboten.

Die diakonische Bezirksstelle sowie die Familienbildungsstätte FBS haben die Geschäftsführung des Treffs inne, Andrea Bürker von der FBS kümmert sich um Organisation und Finanzierung des Angebots. Sie beurteilt die aktuelle Lage kritisch: „Durch die Coronakrise sind Alleinerziehende noch mehr auf sich zurückgeworfen, das verschärft die Situation. Es macht so schon einen Unterschied, ob man die Verantwortung für ein Kind auf mehrere Schultern verteilen kann oder nicht. Deswegen sind für Alleinerziehende Austausch mit Gleichgesinnten, Auszeiten und ein Netzwerk ja so wichtig. Und dies alles fällt seit Wochen weg.“

Treffen per Zoom

Um die Lage ein wenig zu erleichtern, wird der Treff für Alleinerziehende ab Mitte Juni wieder wöchentlich zumindest online über die Online-Videosoftware Zoom durchgeführt. Interessierte können sich dafür anmelden und auf diesem Wege miteinander austauschen. „Leider ist es für uns nicht möglich, das Angebot wie früher unter Einhaltung der aktuell notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln durchzuführen, denn es sind ja immer auch die Kinder beim Treffen dabei“, bedauert Andrea Bürker.

Dass es Alleinerziehende deutlich schwieriger haben als Eltern, die zusammen ihr Kind erziehen, liegt für Andrea Bürker an verschiedenen Ursachen. Besonders schwierig sei es für Mütter, die gleich mit mehreren Problemlagen zu kämpfen haben. Etwa, wenn man selbst mit einer Krankheit zu tun hat, keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen kann, der Umgang mit dem leiblichen Vater der Kinder problematisch ist und es Streitigkeiten in Sachen Unterhalt gibt. Ganz schwierig sei es, Arbeitszeiten und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bekommen. „Viele Frauen leben deswegen leider von Hartz IV. Armut hat auch etwas mit Ausgrenzung zu tun, Netzwerke können nicht alles auffangen. Es ist für viele Alleinerziehende schwer zu verkraften, dass man seinem Kind wenig bieten kann, Urlaube oft nicht möglich sind. Deswegen wäre es wichtig, den Müttern eine Berufsausbildung in Teilzeit zu ermöglichen, sodass die Mutter auf eigenen Beinen stehen kann und das Kind bei einer Tagesmutter oder im Kindergarten gut betreut ist.“

 

Info: Erst nach den Sommerferien wird der wöchentliche, kostenlose Treff mit persönlicher Beratung wieder stattfinden. Anmeldungen für den Online-Treffpunkt, der stattdessen übergangsweise ab Mitte Juni angeboten wird, sind bei Sozialpädagogin Gabi Schäfer möglich. Sie ist per Mail unter trm@fbs-kirchheim.de zu erreichen oder telefonisch unter der Nummer 01 77/6 44 04 90

Andrea Bürker von der FBS Kirchheim.
Andrea Bürker von der FBS Kirchheim.
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