Kirchheim

Völlig aus dem Häuschen

Erziehung Die Musikschule Kirchheim musste pandemiebedingt pausieren und auf Online-Formate ausweichen. Jetzt kehren die Kleinen auch wieder zurück ins Schlössle. Von Stefanie Werner

Endlich wieder Unterricht: Lehrerinnen und Schüler freuen sich gleichermaßen.Foto: Johannes Stortz
Endlich wieder Unterricht: Lehrerinnen und Schüler freuen sich gleichermaßen. Foto: Johannes Stortz

Endlich stehen die kleinen Schuhe wieder vor der Tür. Die ­Wiedersehensfreude war groß, als die Kleinen letzte Woche erstmals wieder ins Haus stürmten: Nach mehr als einem halben Jahr durfte das Schlössle die Pforten für die Kinder der Musikalischen Früherziehung (MFE) wieder öffnen. Da ihre letzte Unterrichtsstunde Mitte Dezember stattgefunden hatte, waren sie jetzt völlig aus dem Häuschen.

„Wann geht es wieder los?“ Mit dieser Frage hatten nicht nur David und Nia ihre Eltern schon eine ganze Weile gelöchert. Victoria wollte wissen, wie oft sie bis zur ersten MFE-Stunde in diesem Jahr noch schlafen muss, und als diese Zeit vorbei war, wollte sie jeden Tag den Marsch in die Musikschule antreten, erzählt ihre Mama belustigt. Es standen auch bereits Kinder vor der Tür, als die Nachricht kam, dass die ersten Schulen wieder öffneten. Doch in der MFE mussten sich Kinder und Lehrer noch gedulden, bis die Corona-Verordnung grünes Licht verkündete.

Kursleiterin Sade Öreg beschreibt gerührt, wie sie es erlebt hat, die Kinder nach so langer Zeit im Schlössle wieder begrüßen zu dürfen. „Ich war fast sprachlos, weil ich so überwältigt war. Manche Kinder haben die Namen der anderen vergessen, so lange haben sie sich nicht gesehen“, berichtet sie. Die Lehrerin für Elementare Musikpädagogik und Klarinette konnte in der Zeit des Lockdowns nur ihre Instrumentalschüler via Zoom unterrichten. Bei den Vierjährigen entschied man sich in der Musikschule bewusst dagegen.

Musikschulleiter ­Hans-Peter Weyhmüller beschloss nach gründlicher Abwägung, den Zwei- bis Sechsjährigen der Vorstufe kein Angebot für Fernunterricht zu machen. „Die Kinder brauchen ihre Gruppe und das persönliche, unmittelbare Gegenüber. Ein Unterricht, der die Jüngsten vor den Bildschirm zwingt, entspricht nicht unseren Vorstellungen von musikalischer Frühförderung.“ Auch die Familien hatten Vorbehalte. „Für unser Kind gibt es ein tägliches Zeitlimit, was Mediengebrauch angeht“, erklärt die Mama von David. An einem Online-Angebot hätte er nicht teilgenommen.

Auch Öregs Kolleginnen, die die Musikzwerge und ­MFE-Kinder unter ihren Fittichen haben, sind voller Freude, die alte Holztür jetzt allen öffnen zu dürfen, natürlich weiterhin von der Prozedur des gründlichen Händewaschens und -desinfizierens begleitet. Im Schlössle kehrt wieder Leben ein, da fast alle Schüler seit dem 7. Juni im Präsenzunterricht zurück sind. Es tönt und singt aus jedem Raum. Und alle sehen einem Semesterabschluss mit Konzerten im ­Freien mit Begeisterung entgegen und dem Neustart im September nach den großen Ferien.

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