Kirchheim
Volksbank stößt mit neuem Konzept in Ötlingen auf Widerstand

Filialen Die Volksbank Mittlerer Neckar passt sich dem veränderten Kundenverhalten an und schafft mehr „Beraterfilialen“. Von Irene Strifler

Kirchheim. „Es geht um Ihre/unsere Filiale“ lautete die Überschrift einer Anzeige, mit der Hermann Kik in seiner Rolle als gewählter Vertreter der Volksbank nebst einigen Mitstreitern für Montag, 18. Juli, zu einem Treffen aufgerufen hatte. Die engagierten Bürger drückte der Schuh vor allem im Hinblick auf folgende Punkte: Schon zum 1. August, also ohne großen zeitlichen Spielraum, sollen die Ötlinger und einige weitere Filialen zur „Beraterfiliale“ werden. Damit gibt es kein Servicepersonal mehr, auch nicht für übliche Schaltervorgänge. Selbst der Briefkasten wird abgebaut. „Der Kunde steht nur noch in der Werbung im Vordergrund, ansonsten im Weg“, lautete ein Satz im Aufruf zum Meinungsaustausch, dem dann auch etwa 50 Interessierte folgten.

Unterdessen hat die Bank per Pressemitteilung ihr Konzept bekannt gemacht. „Die fortschreitende Digitalisierung und somit auch die Unabhängigkeit von Ort und Zeit hat das Bankgeschäft in den letzten Jahren deutlich verändert. Wie so viele Dinge erledigen immer mehr Menschen auch ihre Bankgeschäfte im Zuge der Digitalisierung online.“  Durch Corona habe dieser Trend zugenommen. In den kleineren Filialen der Volksbank Mittlerer Neckar würden Serviceleistungen, für die ein Mitarbeiter benötigt werde, immer weniger nachgefragt. Die Nutzerzahlen bei Online-Banking und Banking-App stiegen rasant. Einfache Servicetätigkeiten, wie zum Beispiel Überweisungen ausführen, Daueraufträge ändern oder Kontostandsabfragen, erledigten die Kunden häufig online oder telefonisch.

Daher wandelt die Volksbank zwölf Filialen aufgrund der schwachen Nutzung der Service-Angebote zum 1. August in Beratungsfilialen um. Im Bereich Kirchheim gehören dazu die Filialen in Bissingen, Ötlingen, Jesingen und Notzingen.

Beratungen sind in den genannten Filialen weiterhin grundsätzlich möglich, allerdings ab Montag nicht mehr spontan. „Es muss lediglich vorab ein Termin vereinbart werden“,  sagt Heinz Fohrer, Vorstandssprecher der Volksbank Mittlerer Neckar. „Mit unserem neuen Filialkonzept sind wir weiterhin vor Ort und sichern damit die Nähe zu unseren Kunden. Gleichzeitig tragen wir aber auch dem geänderten Kundenverhalten Rechnung. Je nach Nachfrage passen wir unsere Leistungen entsprechend an, um auch morgen unserer Verantwortung für den genossenschaftlichen Förderauftrag gerecht zu werden.“

Für Hermann Kik ist die Lösung unbefriedigend, vor allem im Hinblick auf viele Kunden, die aus diversen Gründen Online-Angebote nicht nutzen können. „Es kann nicht sein, dass man eine einfache Thekenberatung im Vorfeld absprechen muss – das macht doch keiner“, erläutert der ehemalige Ötlinger Ortsvorsteher seine Überlegungen. Der Wegfall des Briefkastens bedeute zeitliche Verzögerungen und Mehraufwand für Kundinnen und Kunden – auch wenn die Bank ihren Mitgliedern und Kunden frankierte Briefumschläge zur Verfügung stelle und das Porto übernehme.

Am Mittwoch hat noch ein Gespräch zwischen den gewählten Vertretern und der Bankspitze stattgefunden, das Kik als sehr positiv bezeichnet. Zwar bleibe es bei der Konzeption, zumindest aber sei ein Nachdenken über die Ötlinger Belange angeregt worden. Künftig hoffe man, vor weiteren Änderungen wieder frühzeitiger in den Dialog eingebunden zu werden.

 

Mit drei Hauptstellen ist die Volksbank Mittlerer Neckar für ihre Kunden da, nämlich in Kirchheim, Esslingen und Nürtingen. Weiter gibt es 21 Filialen mit bedientem Service und Beratung. Im Bereich Kirchheim sind dies Weilheim, Dettingen, Oberlenningen und Schlierbach.