Kirchheim

Voll auf die Zwölf in Teufels Küche

Konzert Brillant rühren Sascha Bendiks und Simon Höness Hardrock und Klassik zu einem satirischen Musikbrei.

Witzig, satirisch, böse: Simon Höness (links) und Sascha Bendiks. Foto: Sabine Ackermann
Witzig, satirisch, böse: Simon Höness (links) und Sascha Bendiks. Foto: Sabine Ackermann

Kirchheim. Ob die Verantwortlichen das Gemäuer am Tag danach auf Risse untersucht haben? Nein. Die Bastion hält ja doch seit Jahren Musiker-Beben aus – selbst, wenn zwei avantgardistische Köche das alte Bollwerk kurzweilig in „In Teufels Küche“ umbenennen. „The place to be“, stellt Wortführer Sascha Bendiks fest und hebt den Schädel von Ozzy Osbournes Großvater grinsend wie eine Trophäe ins Publikum. 1969 sei dieser hier gewesen, kommentiert er den Tonklumpen, der maskiert den Mauervorsprung hinter der Bühne ziert.

Wunderbar fließend dann der Eröffnungssong, mit dem das Duo die Zuschauer vor dem „Teufel“ in Sicherheit wiegt. Einschmeichelnd und gefühlvoll interpretiert der Mann mit der Mütze „I love Rock ’n’ Roll“, verarbeitet den Arrow-Klassiker zu einer einfühlsamen Ballade. „Schöne Musik ohne Stromgitarre, die direkt in den Bauch geht und durch unsere Darstellung intellektuell greifbar wird“, verspricht Bendiks und läutet mit Simon Höness energetisch „Hells Bells“ ein.

Es ist alles Kalkül, wenn der Klaviervirtuose mit Schauspieltalent im Gegensatz zum obercoolen Sänger vor, während und nach seinen Tastenorgien herrlich einfältig in die Runde blickt, als wisse Sascha Höness nicht, was sein Partner da gerade erzählt. Kleine aber feine Einlagen, die dem Abend das gewisse Etwas verleihen.

Laut und leise, wild und gefühlvoll, aufbrausend und lethargisch, hoch und tief, ernst und lustig, mit geschlossenen und offenen Augen, Kopf in Nacken oder nah an den Tasten, aber immer brillant mischt das Duo mit ihrer Mutation alter Klassiker die Musikszene auf. Ob „Europe“ zum finalen Countdown bläst, Led Zeppelin satanische Botschaften ausposaunt oder „Sascha-Simon Nirvana“ mit „Smells like Feen Spirit“ das Gemäuer zum Beben bringen. Diese und andere Titel bekommen die etwa 50 Zuschauer mit neuem Text, außergewöhnlichem Klangbild und rauchiger Stimme um die Ohren gehauen. Ihnen gefällt’s. Der 48-jährige Sänger gibt alles, stöhnt und ächzt, schreit sich die Seele aus dem Leib, verwüstet die Bühne und findet trotzdem die Zeit, eine Dame ungeachtet ihrer Begleitung anzubaggern: „Wie heißt du, Süße“?

Obendrein erklärt der Schwerenöter die unterschiedlichen Musikstile der Metall-Szene, erzählt von der Gruppe Slayer, bekannt durch deren Hardcore-Punk namens Grindcore, wogegen Metallicas unfassbar tief gesungenes „Nothing else matters“ angeblich zur Kategorie Kinder-Schlaflieder gehöre. Aua! Viel zu schnell, trotz mehrerer Zugaben, gingen die Hard-Rock-Heavy-Metall-Variationen in Teufels Küche zu Ende. Wer nicht da war, hat echt was verpasst. Sabine Ackermann

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