Kirchheim

Von Schottland zur Copacabana

Musik Das Bläserteam des Evangelischen Jugendwerks war auf Einladung des Posaunenchors Jesingen zu Gast in der Petruskirche. Das Ensemble zeigte bei dem Konzertgottesdienst eine enorme Bandbreite. Von Helmut Feuchter

Der Höhepunkt des Jubiläumsjahres: Das Bläserteam des Jugendwerks zu Gast in der Petruskirche.Foto: Eberhard Bandle
Der Höhepunkt des Jubiläumsjahres: Das Bläserteam des Jugendwerks zu Gast in der Petruskirche. Foto: Eberhard Bandle

Der Posaunenchor Jesingen feiert in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen. Grund genug, diesen runden Geburtstag ausgiebig zu feiern, beispielsweise mit einer Bläserserenade im Gemeindehausgarten und mit Festgottesdiensten. Ein besonderes Highlight des Festjahres und gleichzeitig der Schlusspunkt: Das Bläserteam des Evangelischen Jugendwerks (EJW) war zu einem Konzertgottesdienst in die Petruskirche angereist. Es war ein Publikumsmagnet, schließlich handelt es sich beim Bläserteam unter Leitung von Michael Püngel, Landesreferent für die Posaunenarbeit, um eines der Vorzeigeensembles.

Atemberaubende Läufe

Bereits der Beginn des Konzerts war vielversprechend. Fünf Trompeter, zwei Hornisten, vier Posaunisten, eine Tubistin und ein Schlagzeuger eröffneten das geistliche Konzert mit der „Fanfare for Brass“ für elfstimmigen Bläserchor von Traugott Fünfgeld. Beim zweiten Stück setzten die Musiker noch eins drauf. In „Ruslan and Ludmilla“, komponiert von Michail Iwanowitsch Glinka und arrangiert von Peter Lawrence, überzeugten die Trompeten und Hörner mit atemberaubenden Läufen, und mit einem Euphonium wurde melodisch die Geschichte von Entführung und Rettung musikalisch erzählt. Zudem setzte Jonas Kolb an den Pauken passende Akzente.

Anschließend spielte das Bläserteam ein Arrangement von Julian Mack, das „Concerto d-Moll“ mit Motiven von Bach und Vivaldi. Darauf folgte ein kleine Überraschung: „Bohemian Rapsody“ von Freddy Mercury, gespielt auf vier Posaunen, mit herausragender Stimmung und einfühlsamer Tongestaltung.

Bei der „Hymn of the Highlands“ von Philip Sparke begannen eindrücklich die Pauken und ein Flügelhorn. Nacheinander kamen Euphonium und gedämpfte Trompeten dazu, danach leise das Becken, die Hörner und Posaunen bis zum Forte mit Tuba und ungedämpften Trompeten plus Piccolotrompete. Den Abzug aus dem Ardross Castle in den schottischen Highlands bildete ein Decrescendo, das in einem Pianissimo der gedämpften Trompeten endete.

Von schottischen Höhen ging es musikalisch an die Strände der Copacabana: Samba war angesagt, mit „Tico Tico“, einem Tanzlied, das einen Mais klauenden Vogel beschreibt, der immer wieder vertrieben wird. Diese Geschichte erzählte das Bläserteam zunächst beginnend mit einer Tuba, die das Thema an die Trompeten, Hörner und Posaunen weitergab - aber nicht nur das. Zum Finale des Stücks wurde eine Verfremdung des Sounds eingesetzt. Ein Trompeter hielt sein Instrument in den Tubatrichter, während die Tubistin ihre Ventile so betätigte, dass der Trompetenton nicht nur leiser und dunkler, sondern auch verzerrt wurde - ein eindrucksvoller Hörgenuss.

Mit „Cornet Chop Suey“ von Louis Armstrong, „Radio-City“ von Jim Parker, „König Jesus“ von Hans-Joachim Eißler und „Oregon“ von Jacob de Haan endete das offizielle Konzert. Der anhaltende Applaus forderte den Musiker jedoch noch Zugaben ab. Mit „Müde bin ich geh zur Ruh“ von Mendelssohn Bartholdy und „Nun danket alle Gott“ wurde der Schlusspunkt des 90-minütigen, kurzweiligen Konzertgottesdienstes gesetzt.

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