Kirchheim
„Vorschule“ für Kinder von Geflüchteten

Integration Die Stiftung Tragwerk organisiert in Kooperation mit anderen Einrichtungen in Kirchheim altersgerechte Sprachkurse, die Kinder aus der Türkei, Syrien und der Ukraine auf die Schule vorbereiten soll. Von Sarah Polzer

Alles ist neu: der Tagesablauf, die Lehrer, die Räume, wirklich alles. Wenn dann auch noch eine neue Sprache und eine ganz fremde Kultur dazukommen, bringt das ganz ungewohnte Herausforderungen mit sich.

 

Manchmal geht es nur mit Händen und Füßen
Sabrina Hohmann 
Mitarbeiterin im Projekt
 

Kindern aus Kriegsgebieten soll der Einstieg ins deutsche Bildungssystem erleichtert werden. Deshalb hat sich die „Kirchheimer Hilfslandschaft“ zusammengesetzt, um ein gemeinsames Projekt zu starten: „Die Summerschool“. 

Damit möchte die Stiftung Tragwerk „einen Beitrag zur Integration neu angekommener Familien in Kirchheim leisten“, sagt der Vorstandsvorsitzende Jürgen Knodel. Durch Ausschreibungen konnte ein buntes Team mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den unterschiedlichsten Fachbereichen gewonnen werden. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert das Pilotprojekt im Rahmen des Programmes „Demokratie leben“. Das Programm soll „Vielfalt gestalten und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken“. 

Die „Summerschool“ startet jeden Morgen um acht Uhr in den Räumen der Evangelisch-methodistischen Kirche. Die Gruppe trifft sich im Kreis. „Das ist unser Begrüßungsritual, es zeigt den Kindern, dass es jetzt losgeht“, erklärt die Teamleiterin Nora Reim. Die Betreuerinnen und Betreuer gehen viel nach draußen mit den Kindern. Dort wird gemeinsam gespielt, die Kinder kommen miteinander in Kontakt und lernen, eine Gruppendynamik zu entwickeln. 

Die Gruppeneinteilung der Jungen und Mädchen erfolgte durch die Kinder selbst. „Die Kinder haben selbst entschieden, wem sie sich anvertrauen möchten“, sagt die Teamleiterin. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sprechen teilweise auch die Muttersprache der Kinder. „Wir versuchen, so viel wie möglich mit ihnen auf Deutsch zu sprechen und nur in Ausnahmefällen auf Ukrainisch oder Arabisch“, erzählt Evgenija Lazareva. Die gebürtige Ukrainerin übernimmt die Sprachförderung. In ihrem Heimatland hat sie Deutsch und Kunst auf Lehramt studiert. Über die Familienbildungsstätte (FBS) hat sie sie von der „Summerschool“ erfahren und zögerte nicht lange mit ihrer Zusage. Von den Kindern erzählt sie begeistert: „Sie sind sehr kommunikativ, und manche sprechen teilweise auch schon zwischendurch auf Deutsch“. Die 19-jährige Betreuerin Vanessa Biskupek ergänzt: „Ich war überrascht, dass manche Kinder schon so gut Deutsch konnten.“

Mohammed Al Ali kennt das Gefühl, in einer fremden Umgebung von Null zu starten. Der 19-Jährige kam im Dezember 2016 mit seiner Familie nach Deutschland. „Ich habe damals am meisten Deutsch beim Spielen mit Gleichaltrigen gelernt“, erinnert er sich. Das Schulsystem war für ihn am Anfang schwierig zu verstehen, deshalb hilft er gerne mit aus.

Die Sprachvermittlung erfolgt häufig über Symbole und Bilder. Die Kinder lernen beim Malen spielerisch neue Worte und Sätze. „Manchmal geht es nur mit Händen und Füßen“, sagt die 16-jährige Mitarbeiterin Sabrina Hohmann. „Viele Kinder haben noch nie zuvor einen Kindergarten besucht. Deshalb ist es uns wichtig, den Kindern Struktur zu geben, bevor sie in die erste Klasse kommen“, fügt die Mitarbeiterin hinzu. Das Betreuungsangebot folgt dem Leitsatz, Tagesstruktur, Ruhe und Stabilität für die Kinder zu schaffen. „Wir wollen die Kinder in einem geschützten Rahmen für die Schule vorbereiten und Ängste nehmen“, führt die Projektleiterin Anne Weber weiter aus.

Das Helferinnen- und Helferteam zieht ein positives Resümee. „Alles in Allem war es ein Gewinn für die Familien und Kinder. Aus unseren Erfahrungen haben wir fürs nächste Mal gelernt“, fasst Anne Weber die vergangenen Wochen zusammen.