Kirchheim

Wandern mit Wissen: von Moor zu Maar

Neuerscheinung Reiner Enkelmann und Roland Krämer haben 38 Geotope im Landkreis Esslingen ausgewählt und sie einzeln beschrieben. Auch acht Wandertouren gehören zum neuen Werk der Geologen. Von Andreas Volz

Roland Krämer (links) und Reiner Enkelmann stellen ihr neues Geotope-Buch vor. Foto: Carsten Riedl
Roland Krämer (links) und Reiner Enkelmann stellen ihr neues Geotope-Buch vor. Foto: Carsten Riedl

Beide sind passionierte und pensionierte Lehrer, Schulleiter im Ruhestand. Deswegen freuen sie sich zwar, wenn Menschen wandern und dabei auch etwas sehen. Aber es genügt ihnen nicht; sie wollen, dass die Natur- und Wanderfreunde auch verstehen, was sie da zu sehen bekommen. Zwei Mottos haben Reiner Enkelmann und Roland Krämer ihrem neuen Buch über „Geotope im Landkreis Esslingen“ vorangestellt: „Was schön ist, wird noch schöner, wenn man es versteht“, besagt das eine. Da geht es um Ästhetik und Erkenntnisgewinn. Das zweite Motto bringt dann die Nutzanwendung für den Naturschutz ins Spiel: „Wer mehr weiß, sieht mehr, schätzt mehr, schont und schützt.“

Letzteres führte die beiden Gelogen immer wieder in ein gewisses Dilemma, wenn es darum ging, besonders schöne Geotope darzustellen und in praktischen Wandertipps zu empfehlen - weil die besonders schönen Geotope oftmals auch besonders schützenswert sind. Einerseits sollten sich also möglichst viele Leser auf den Weg machen, um die Schönheiten der heimischen Umgebung zu erkunden. Andererseits sollten möglichst viele zuhause bleiben, um die Natur nicht zu zertrampeln. Wie haben die beiden das Dilemma gelöst? „Es gibt bei den verschiedenen Landschaftsformen ja auch immer Wiederholungen“, sagt Reiner Enkelmann. „Da haben wir dann ein Beispiel herausgegriffen, um es exemplarisch vorzustellen. Die anderen Beispiele haben wir dann weniger ausführlich dazugestellt.“ Die besonders gefährdeten Stellen stehen also eher nicht im Mittelpunkt.

Was dagegen stark hervorgehoben wird - auch in der Bewerbung des neuen Buchs -, ist die geologische Besonderheit, dass an einer Stelle im Landkreis die Kompassnadeln verrückt spielen: Im einfacheren Fall zeigen sie nur in die komplett falsche Richtung, also um 180 Grad verdreht nach Süden statt nach Norden. Es geht aber auch krasser: Mitunter schöpfen die Nadeln die 360 Grad des Kreisbogens voll aus und „drehen durch“. Wo das ist? Am Konradfels bei Oberlenningen.

Nur für Trittsichere geeignet

So sehr die Autoren ihren Lesern einen Besuch des Konradfelsen ans Herz legen, so sehr gehen sie zugleich davon aus, dass sich nicht allzu viele mit ihrem Kompass auf den Weg machen, denn der Weg ist durchaus beschwerlich. Im Buch heißt es deshalb lapidar: „Die Mitnahme eines Kompasses ist empfehlenswert. Die Wanderung ist für Kinder und nicht trittsichere Personen nicht zu empfehlen.“

Ein Geotop ist „eine Stelle auf der Erdoberfläche, die Auskunft gibt über die Entwicklungsgeschichte unserer Erde“, sagen Reiner Enkelmann und Roland Krämer im Gespräch. Zugleich bedauern sie, dass „der Marktwert der Vorsilbe ,Geo‘ sehr bescheiden ist im Vergleich zur Vorsilbe ,Bio‘“. Auch in der Schule werde der Unterschied zwischen einem Moor und einem Maar nicht mehr erklärt. Und dabei liegt beides auf der Alb eng beisammen: das Schopflocher Moor und das Randecker Maar. Die Limburg im Vorfeld gehört auch noch dazu, denn „in x Millionen Jahren“ wird sie abgetragen sein. Vom Randecker Maar bleibt dann ein Randeckberg übrig, und das Schopflocher Moor wird zum Schopflocher Maar. Dachsbühl und Egelsberg bringt Reiner Enkelmann an dieser Stelle noch ins Spiel, weil sie den Weg der Limburg bis zum völligen Verschwinden aufzeigen.

Das Randecker Maar ist übrigens sehr viel bedeutender als man annehmen würde, wenn man regelmäßig dran vorbeikommt: Es gehört zu den „Nationalen Geotopen“ und stellt damit eine Besonderheit im Landkreis Esslingen dar. Dieselbe Zertifizierung hat auch der Posidonienschiefer um Holzmaden erhalten. Es gibt also gleich zwei herausragende Geotope im Kreis. Und Holzmaden hat noch einen zusätzlichen Vorteil: Das Museum Hauff ist leicht zu erreichen, die Besucher müssen nicht allzu trittsicher sein, und sie bringen dieses Geotop auch bei einem größeren Besucheransturm nicht so schnell in Gefahr.

Für Geotope in freier Natur dagegen haben die Autoren noch einen besonderen Tipp: „Am besten macht man die Touren im Winter, wenn die Bäume noch kein Laub haben. Dann sieht man mehr von der Landschaft. Ein schöner Tag im März ist perfekt.“

„Zeugen der Erdgeschichte“

Das Buch „Geotope im Landkreis Esslingen - Zeugen der Erdgeschichte“ ist im Kirchheimer GO Verlag erschienen. Auf 220 Seiten beschreibt es 38 ausgewählte Geotope sowie acht Halb- oder Ganztagstouren. Zum Preis von 14,90 Euro ist es am Schalter des Teckboten sowie im Buchhandel und an weiteren ausgewählten Verkaufsstellen erhältlich. vol

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