Kirchheim

„Was dieser heute baut ...“

Modeerscheinungen ­haben die Angewohnheit, sich nach kurzer Zeit wieder zu verabschieden. Da Buskaps - als Gegenstück zur Busbucht - ebenfalls eine Modeerscheinung sind, werden auch sie über kurz oder lang wieder verschwinden. Besser wäre es freilich, sie gar nicht erst anzulegen.

Der Rückstau, der sich hinter einem Bus am Buskap bildet, sorgt dafür, dass sich auch der Ärger der Autofahrer anstaut. Er behindert zudem den Verkehrsfluss, im Fall der Ötlinger Ortsmitte sogar den in einer ganz anderen Richtung: Staut es sich auf der Stuttgarter Straße in die Kreuzung hinein, kommen auch die Autos zwischen Ötlinger Halde und Lindorf nicht mehr weiter. Und auch der Umwelt ist es nicht zuträglich, wenn Autos bei laufendem Motor hinter einem Bus am Kap stehen. Bei weitem sinnvoller ist es, wenn diese Fahrzeuge am Bus in der Busbucht vorbeifahren können.

Wie heißt es im Prediger Salomo? „Ein jegliches hat seine Zeit“. Der alttestamentarischen Aufzählung der Dinge, die da ihre Zeit haben, lässt sich nunmehr hinzufügen: „Buskaps haben ihre Zeit, Busbuchten haben ihre Zeit.“ Die Zeit der Busbuchten scheint gerade abgelaufen zu sein. Jetzt werden Kaps gebaut.

Aber auch hier rät die ältere Literatur zur Geduld. Andreas Gryphius, der sich während des 30-Jährigen Kriegs explizit auf den Prediger Salomo bezieht, schreibt: „Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein.“ So wird es auch den Buskaps in einiger Zeit gehen: Dieses Jahr werden sie in Ötlingen gebaut. Keine dreißig Jahre wird es dauern, bis man sie wieder einreißt. Das Schönste daran: Man wird sie dann als „unzeitgemäß“ abtun.

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