Kirchheim

Was wirklich zählt, ist die Freundschaft

Musical Theater Liberi bringt das „Dschungelbuch“ in die Kirchheimer Stadthalle. Perfekte Inszenierung des Klassikers von Rudyard Kipling. Von Günter Kahlert

Das Musical „Dschungelbuch“ in der Kirchheimer Stadthalle: Happy End - am Schluss waren dann doch alle Freunde.Foto: Günter Kahl
Das Musical „Dschungelbuch“ in der Kirchheimer Stadthalle: Happy End - am Schluss waren dann doch alle Freunde.Foto: Günter Kahlert

Mogli, Balu, Baghira, Kaa – klingelt da was? Klar: „Dschungelbuch“! Die Charaktere sind spätestens seit der Disney-Verfilmung in allen Altersgruppen präsent und populär. Doch eine Disney-Kopie will das Theater Liberi nicht auf die Bühne der Stadthalle bringen, die Originalgeschichte von Rud­yard Kipling schon. Es fehlen zwar die Hits aus der Verfilmung wie zum Beispiel „Versuch‘s mal mit Gemütlichkeit“, was aber ehrlich gesagt keine Rolle spielt und auch niemanden enttäuscht. Die Macher haben alles selbst geschrieben und produziert. Die Musik von Hans Christian Becker und Christoph Kloppenburg ist modern – Jazz und Swing, Rock und Hip-Hop –, Regisseur und Autor Helge Fedder hat das Ganze als stimmige Inszenierung auf die Bühne gebracht.

Wie heiß Kinder auf das „Dschungelbuch“ sind, zeigt sich schon bei der Saalöffnung. Wie ein Wirbelwind stürmen sie in die Stadthalle, die besonders begehrte erste Reihe ist in gefühlten 10 Sekunden besetzt. Bis zum Start des Musicals herrscht ein Geräuschpegel, der einem Düsenjet nicht unähnlich ist – Kinder eben. Die mitgekommenen Mamas, Papas, Omas und Opas kennen das schon und bleiben gelassen. Dann hebt sich der Vorhang, Stille im Saal, gebannt verfolgen die Kleinen das Geschehen auf der Bühne.

Sieben Schauspieler bringen das Musical auf die Bühne, allesamt überzeugend. Ali Marcel Yildiz als menschliches Wolfskind Mogli, Sarah Kornfeld als katzenhaft geschmeidiger Panther Baghira oder Sabine Hennig als Schlange Kaa. Und natürlich Balu, dargestellt von Okan Sen mit Vollbart, Häkelmütze, flauschiger Fellhose und dickem Bauch. Vier der Schauspieler haben Mehrfachrollen, da ist auch hinter der Bühne ganz schön Action angesagt. „Ausziehen, anziehen – da hilft jeder mit“, erzählt Sabine Hennig. Außer der Schlange Kaa ist sie noch als Affe, Geier und Wolf auf der Bühne. „Wir haben für das ständige selbstständige Umschminken mit Visagisten zwei Wochen geübt“, schildert sie die akribischen Vorbereitungen auf die Tour.

Das Ensemble hat die Geschichte des „Dschungelbuches“ perfekt umgesetzt. Da stimmt alles: Kostüme, Bühnenbild, Dialoge und Choreografie. Dazu wundervolle Lichtstimmungen und Musik, jeweils passend zu den emotionalen Situationen von Fröhlichkeit, Nachdenklichkeit, Angst oder Erleichterung. Die Botschaft des Dschungelbuches, das bereits 1894 geschrieben wurde, ist unverändert aktuell: Freundschaft gehört zum Wichtigsten im Leben, überwindet alle Grenzen. Ebenso wichtig ist die Akzeptanz des Andersseins. Das durchzieht auch immer wieder die Dialoge, wenn etwa Baghira zu Mogli sagt: „Ich bin, wie ich bin. Du bist, wie du bist, und das ist richtig gut.“ Also quasi: Du bist okay, ich bin okay. Freundschaft ist wichtiger als Rasse und Herkunft.

Die Besucher der Stadthalle –ob alt oder jung – sind durchweg begeistert von der Aufführung des Theaters Liberi. Als die Schauspieler direkt nach der Schlussszene in ihren Kostümen von der Bühne an den Autogrammtisch im Foyer gehen, herrscht dort bereits dichtes Gedränge. Vor allem Kinder lassen sich Eintrittskarten, Poster und Programmhefte signieren. Meistgehörtes Urteil bei den Kleinen: „Es war cool!“.

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