Kirchheim

Wenn helfende Hände selbst Hilfe brauchen

Unterstützung Der Arbeitskreis Leben (AKL) richtet sich mit einem neuen Angebot an Beschäftigte in der Altenpflege.

Der AKL hat ein spezielles Beratungsangebot entwickelt. Foto: pr
Der AKL hat ein spezielles Beratungsangebot entwickelt. Foto: pr

Isolation und Einsamkeit bei alten Menschen erfahren durch Corona besondere Aufmerksamkeit. Ebenso rücken Menschen, die in der Pflege arbeiten, in den Fokus der Öffentlichkeit. Suizidgefahr im Alter ist nicht nur während der Pandemie ein großes Thema. Der Arbeitskreis Leben (AKL) hat deshalb ein spezielles Beratungsangebot entwickelt.

Fachkräfte in der Pflege tragen eine besondere Verantwortung. Durch die Besuchsbeschränkungen tritt dies klar zutage, da sie oft die einzigen Ansprechpartner in Heimen sind. Zudem beobachten sie meist seelische und körperliche Probleme zuerst und leiten entsprechende Schritte ein.

Auch ohne Pandemie sind ältere Menschen vor eine Vielzahl von Herausforderungen gestellt: Körperliche und geistige Veränderungen sowie die Umstellungen der eigenen Lebenssituation wecken Sorgen und Ängste. Bei manchen Menschen können diese belastenden Faktoren zu einer ernsthaften Krise oder gar zu Selbstmordgedanken führen. Suizidgefahr im Alter ist in der Öffentlichkeit ein Tabuthema, obwohl in Deutschland das Risiko mit jedem Lebensjahr steigt, besonders bei älteren Männern.

Hier setzt das Angebot des AKL an: Pflegekräfte erleben mit, wenn sich Krisen zuspitzen und die emotionale Belastung von Bewohnern so groß wird, dass sie Suizidgedanken äußern. Dann ist es wichtig, kurzfristig auf Unterstützung zurückgreifen zu können. Der AKL will mit spezieller Fachberatung für diese Fälle einen wichtigen Impuls in der Suizidprävention für alte Menschen setzen. Er bietet unbürokratisch und schnell Unterstützung und Beratung für Pflegekräfte an, die mit Krisensituationen konfrontiert sind. Zusätzlich kann der AKL Fortbildungen mit dem Schwerpunkt Suizidprävention in den Einrichtungen vor Ort auf die Beine stellen und steht den Pflegekräften bei besonderer Belastung für Einzelgespräche zur Verfügung. „Wir vom AKL sehen es als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und gemeinsame Verpflichtung an, sowohl mit unseren älteren Mitbürgern als auch den Pflegekräften gut und aufmerksam umzugehen. Nicht nur während einer Pandemie“, sagt AKL-Geschäftsführerin Dr. Sina Müller. Wichtige Ziele des Angebots sind daher bei der Einschätzung der Gefahr einer akuten Krisen­situation zu unterstützen. Außerdem gilt es die Pflegekräfte emotional zu begleiten.

Entlastung ist AKL-Beraterin Gabriele Alberth ein besonderes Anliegen: „Die Pflegekräfte sind in einer solchen Situation enor­mem Druck ausgesetzt. Wir möchten ihnen eine konkrete und sinnvolle Hilfe zur Seite stellen.“ Schließlich soll das Projekt auch zu einer besseren Zusammenarbeit zwischen Fachkräften in der Pflege führen. Ermöglicht wird das Angebot dank finanzieller Unterstützung der in Kirchheim ansässigen Werner-und-Elisabeth-Hummel-Stiftung, deren besonderes Anliegen die Unterstützung von alten und psychisch belasteten Menschen ist. pm

Ansprechpartner in Krisensituationen

Der Arbeitskreis Leben (AKL) arbeitet bereits seit dem Jahr 1983 in der Krisenhilfe und Suizidprävention. Er ist kompetenter Ansprechpartner für Fachkräfte anderer psychosozialer Einrichtungen und Schulen zu den Themen Krise und Suizidgefahr. Die Beratungsstellen in Kirchheim und Nürtingen sind als Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen des Landkreises Esslingen anerkannt. Der Verein ist weltanschaulich nicht gebunden und arbeitet vertraulich.

Betroffene können Kontakt aufnehmen unter den Telefonnummern 0 70 22/1 92 98 oder 0 70 21/7 50 02.

Weitere Informationen über den Arbeitskreis Leben gibt es zudem im Internet auf der Homepage unter www.ak-leben.de. pm

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