Kirchheim

„Wer die Moral hat, hat die Qual!“

Kabarett Das Ensemble „Volksdampf“ sendet „Schöne Grüße aus dem Hinterhalt“. Bei seinem Auftritt in Lindorf hat sich das Trio amüsante Gedanken übers Lebensende gemacht. Von Stefanie Klink

Die „Volksdampf“-Komiker gewannen 2012 den baden-württembergischen Kleinkunstpreis - und sorgten in Lindorf für Lacher.Foto: Mir
Die „Volksdampf“-Komiker gewannen 2012 den baden-württembergischen Kleinkunstpreis - und sorgten in Lindorf für Lacher.Foto: Mirko Lehnen

Die Kabarettisten Lisa Greiner, Suso Engelhart und Reiner Muffler eröffnen den Abend mit der Ankündigung, man wolle den Abend „langsam anfangen, damit es noch Steigerungspotenzial gibt“. Sie fangen sozusagen klein an mit dem Thema Minderheiten: „Wer hat sein Smartphone begriffen ohne die Hilfe der Enkel?“ Wenige Hände heben sich zögerlich im Publikum - „Minderheit!“

Seit zehn Jahren tritt das Trio in dieser Besetzung auf. Gegründet wurde das Musikkabarett „Volksdampf“ aber bereits 1982, als es aus politischer Straßenmusik heraus entstand. Greiner, Engelhart und Muffler sind Autodidakten und verfolgen ihre Kabarettleidenschaft nebenberuflich. Trotz Amateurstatus haben sie es geschafft, 2012 den baden-württembergischen Kleinkunstpreis zu gewinnen. Rund 40 Mal treten sie jährlich auf.

Das erklärte Ziel des Abends in Lindorf: „Sie sollten hinterher besser drauf sein als vorher!“ Das mutet erstmal seltsam an, denn das Trio fragt sich: „Was soll später mal auf meinem Grabstein stehen?“ Es werden verschiedene Möglichkeiten in Erwägung gezogen: „Name, Geburtsdatum, Todesdatum und E-Mail-Adresse.“ Generell wünscht man sich aussagekräftige Grabinschriften, wie etwa: „Er war ein guter Mensch, ein guter Vater, aber ein schlechter Elektriker.“ Betont wird die Notwendigkeit, wirklich jede Beerdigung zu besuchen, denn „wenn du zu einem Bekannten nicht auf die Beerdigung gehst, musst du damit rechnen, dass er auch nicht auf deine kommt!“ Auch die Arten, wie verschiedene Berufsgruppen zu Tode kommen, werden durchdacht: Die Putzfrau kehrt nie wieder, der Spanner ist weg vom Fenster, der Turner macht einen Abgang. Seine Wortklaubereien untermalt Volksdampf mit Musik, in diesem Fall mit einem an einen Trauermarsch erinnernden Lied: „Wenn dr Dod kommt“, so meine er es nicht böse, man solle nett zu ihm sein, so lässt er einen vielleicht noch ein bisschen in Ruhe. Neben Gesang, Geige, Gitarre und Banjo fällt besonders die als Musikinstrument umfunktionierte 70-Liter-Mülltonne auf. Die wurde von Suso Engelhart im Laufe der Zeit immer weiter getunt: Hupen, Glocken und weitere, teilweise undefinierbare Geräte zur Klangerzeugung sind daran befestigt.

„Volksdampf“ sinniert über den Tod, Haben oder Sein, Kultur und schließlich Pessimismus: „Wir Mitteleuropäer haben ein Problem, wir sehen alles negativ“, versichert Lisa Greiner ihren Zuhörern. Ein Perspektivwechsel sei in diesem Falle hilfreich. So wird dem Publikum weisgemacht, die Klimaerwärmung sei eigentlich ganz gut gegen kalte Füße. „Jugendliche heutzutage sind vielleicht zu fett, aber vielleicht auch zu fett für einen Amoklauf?“, schließt man mit unverbesserlichem Optimismus. „Ja, ein Alkoholiker stirbt früher, aber dafür hat er in seinem Leben so viel doppelt gesehen!“ In unbestechlicher Logik wird weiterhin ausgeführt, warum ein bisschen weniger Moral im Alltag ganz guttun würde: „Die Moral steht dir im Weg, wenn du ein halbwegs genussvolles Leben führen willst.“

Nach der Pause wird das Publikum nach seinem Gemütszustand befragt: „Fühlen Sie sich einigermaßen unterhalten, wenn Sie zwanzig Prozent runtergehen mit der Erwartungshaltung?“ Das Ziel des Abends ist geglückt, das Publikum ist „besser gelaunt als zuvor“ und freut sich auf eine Zugabe. Und schließlich bekommt man noch gute Ratschläge mit auf den Weg: „Bleibat Se Minderheita gegaübr möglichscht tolerant.“

KuLi - Kultur in Lindorf

Der Verein KuLi organisierte die Veranstaltung. Die Initiatorin Regina Rübbert gründete 1993 zunächst das „Lindorfer Blättle“. Ab 2006 ging es in die Nachfolgeorganisation KuLi über und ist nun eine Unterabteilung des Bürgervereins. Zehn Mitarbeiter stellen zwei Veranstaltungen pro Jahr auf die Beine, die nächste ist am 19.10.2018, dann tritt die Kabarettistin Inka Meyer auf. Auch ein Kindertheater gehört zum Programm; am 20. November wird „Freunde“ von Helme Heine gegeben. Es sind zwar nur diese zwei Termine im Jahr - die jedoch werden vom eingespielten KuLi-Team liebevoll und hochwertig organisiert.

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