Kirchheim

Wer hat noch nicht, wer will noch mal?

Kabarett Otmar Traber präsentiert sein Programm „Burnout im Paradies“ im katholischen Gemeindehaus Sankt Ulrich in Kirchheim. Von Sabrina Kreuzer

Wer noch nie ein Burnout hatte, der hat noch nie richtig gebrannt. Denn nur wer einmal ein Feuer in sich gespürt hat, kann auch ausbrennen. So sagt es zumindest Urs Hütterli - ein Alter Ego des Kabarettisten Otmar Traber. Hütterli ist Leiter einer Burnout-Klinik in der Schweiz. Hier treffen sich seine Kunden am Armani-Frühstückstisch und teilen ihr Leid. Obwohl man es eigentlich nicht als solches beschreiben kann.

„Ohne Burnout ist man out“, so Hütterli. „Heutzutage ist es ein Qualitätskriterium für den Karrieresprung.“ Das Tüpfelchen auf dem i für den Erfolg im Arbeitsleben sei eine Ehescheidung. So verspricht Hütterli einem Kunden am Telefon: „Wenn sie sich von ihrer Frau trennen, geht es für sie steil nach oben.“

Das klingt zuerst vielleicht etwas makaber. Doch Traber weiß, wie man dieses aktuelle Thema komödiantisch verpackt und die heutige Zeit kritisch betrachtet. Die Menschen heutzutage seien erfolgsorientiert, brav angepasst und leistungsdressiert. Das weiß auch seine Figur Albert Trott, ein Gegner des Kapitalismus und ein wahrer 68er: „Ich habe genug von der Geldgeilheit und dem Konsumterror. Ich gründe jetzt die Rentner-Aktions-Front: Die RAF60plus.“ Allerdings benötige die RAF60plus keine Kalaschnikows, um sich durchzusetzen. Die Waffen von 60-Jährigen seien viel simpler: Sie machen einfach nicht mehr mit. „Wir können Stroh zu Gold spinnen“, so Trott: „Die zufriedenste Lebensphase beginnt mit 58 Jahren aufwärts.“

Er wolle nicht sein Leben lang immer wieder Neues lernen, das sei für ihn wie Gefängnis. „Ich wünsche mir einen Knopf am Kopf. Wenn man da draufdrückt, ist alles weg.“ Sein Paradies für die Rentner-Aktions-Front ist die Uckermark: „Dort richten wir einen Menschenschutzpark ein, die Bild-Zeitung benutzen wir höchstens als Klopapier und wir fällen die Sendemasten der Telekom.“

Um einiges friedlicher ist Trabers Figur Gotlob: Ein normaler Bürger, der von seiner Frau verlassen wurde. „Meine Gerta ist einfach aus der Ehe verschwunden. Zuerst habe ich das gar nicht gemerkt, weil ich vor dem Fernseher saß“, so Traber alias Gotlob. „Einmal in der Woche kommt sie noch zum Staubsaugen. Das letzte Mal hat sie Kartoffelsalat und eine Maultasche mitgebracht. Aber keine Zwiebeln. Ich hab ja nichts gesagt.“ Damit sich seine Gerta ärgern kann, nehme er nun einfach nicht mehr die Füße hoch, wenn sie mit dem Staubsauger kommt. Aber Gotlob könne das so nicht akzeptieren: „Ich habe ihr vier Wochen Bedenkzeit gegeben, um freiwillig zurückzukommen. In der Zeit drücke ich auch noch beide Augen zu. Aber danach suche ich mir Ersatz.“ So meldete dich Gotlob schließlich bei einer Single-Börse im Internet an, oder wie er es nennt ein „Secondhand-Shop“. Das Tolle daran sei, dass man sich die Frauen aussuchen könne, wie den Magerquark bei Edeka.

Otmar Traber verwandelt sich auf der Bühne innerhalb weniger Sekunden und mit wenigen Requisiten von einer Person zur anderen, unterhält sein Publikum mit Songs über Angela Merkel („Angie ratlos“), den Tapetenwechsel der Gattin und den Tatort („Beim Tatort sterben“) und zieht die Lacher auf seine Seite. Dabei wird er musikalisch von Bobby Fischer am Klavier begleitet.

Auch aktuelle Themen, wie den neuen Präsidenten der USA, Donald Trump, baut er in sein Programm mit ein: „Wir Kabarettisten leben die nächsten vier bis acht Jahre von ihm.“ Sein Schwerpunkt liegt aber nach wie vor beim Burnout. Als Urs Hütterli ist er der Meinung, dass die „Best-Ager“ im Publikum leistungsunwillig seien und sich lieber zum Fondue-Abend treffen, als ihre Freunde auf Facebook zu besuchen. Ganz unter dem Motto: „Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Burnout für den Lebensabend.“

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