Kirchheim

Wer kommt, wer geht?

Gemeinderat Die Linke will in Kirchheim antreten. Die Frauenliste hat bereits angekündigt, sich nicht mehr zur Wahl zu stellen. Alle außer den Grünen tun sich mit der Kandidatensuche schwer. Von Andreas Volz

Im Kirchheimer Rathauses gibt es im Sommer neue Konstellationen.Foto: Carsten Riedl
Zum Tag des Deutschen Fachwerks am Sonntag, 26. Mai, können die Teilnehmer die Aussicht vom Rathausturm zu besonderen Zeiten erleben. Foto: Carsten Riedl

Sieben auf einen Streich: Das gilt seit 2004 für die Stimmzettel der Kirchheimer Gemeinderatswahl. Sieben Gruppierungen bewerben sich seither um die drei Dutzend Sitze am Ratstisch. Für die Wahl am 26. Mai hat nun zwar die Frauenliste ihren Rückzug angekündigt. Es dürfte aber trotzdem bei sieben Listen bleiben: Neben den sechs verbliebenen Fraktionen und Gruppierungen, die allesamt wieder antreten werden, will nun auch die Linke um die Gunst der Kirchheimer Wählerschaft buhlen.

„Wir sind dabei“, sagt Heinrich Brinker. Die Liste der Linken sei zwar noch nicht ganz voll, „aber wir haben Kandidaten“. Einer dieser Kandidaten ist er selbst. Am Bewerbermangel dürfte der Plan der Linken, erstmals zur Kirchheimer Gemeinderatswahl anzutreten, also nicht scheitern - und wohl auch nicht am einzigen Vorbehalt, den Heinrich Brinker noch als Halbsatz anführt: „... sofern die Mitglieder zustimmen.“

Die Kandidatensuche ist auch für die meisten anderen Parteien und Gruppierungen nicht ganz so einfach. „Wir haben unsere Liste voll“, verkündet Dr. Christoph Miller, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, und fügt hinzu: „Es war ein bisschen zäh.“ Immerhin stellen sich alle sieben derzeitigen Stadträte seiner Fraktion der Wiederwahl. Die Freien Wähler haben versucht, mehr Frauen zur Kandidatur zu bewegen. Das sei durchaus erfolgreich gewesen - „auch wenn wir nicht ganz beim gewünschten Ergebnis sind.“

Nahezu dasselbe Bild ergibt sich bei der CDU. „Bei uns treten alle wieder an, bei auf den Kollegen Gölz“, sagt der Fraktionsvorsitzende Dr. Thilo Rose. Zur Suche nach Bewerbern meint er: „Bei den ersten 20 geht es, danach wird es dann schon schwieriger.“ Generell werde es nicht leichter, genügend Leute zu finden, die bereit sind, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren. „Unter anderem deshalb werden wir uns im Gemeinderat auch mit der Verkleinerung des Gremiums befassen müssen“, benennt er bereits ein wichtiges Thema für die kommenden fünf Jahre in Kirchheim.

„Respekt vor der Aufgabe“

Die SPD setzt ebenfalls auf Kontinuität, wie der Fraktionsvorsitzende Marc Eisenmann mitteilt. Alle ihre amtierenden Stadträte stehen wieder auf den Stimmzetteln, mit einer großen Ausnahme: „Walter Aeugle will jetzt altershalber nicht mehr antreten. Ich hätte gerne mit ihm weitergemacht. Aber er wird uns sicher mit Rat und Tat zur Seite stehen.“ Auch Marc Eisenmann spricht von der großen Herausforderung, Kandidaten zu finden: „Die Leute haben Respekt vor der Aufgabe, und auch vor einer Verpflichtung auf fünf Jahre. Außerdem fragt man sowieso erst einmal diejenigen, die auch sonst sehr engagiert sind.“

Die Grünen bilden eine Ausnahme, in mehrerlei Hinsicht: „Schwierig war es nicht. Wir haben die Liste schon frühzeitig voll gehabt. Wir haben sogar mehr Kandidaten als Plätze auf der Liste“, plaudert die Fraktionsvorsitzende Sabine Bur am Orde-Käß aus dem Nähkästchen. Viele Bewerber hätten sich von selbst gemeldet, auch Jüngere. „Und wir haben mehr Frauen als Männer auf der Liste.“ Bei den Grünen wollen alle weitermachen, bis auf Renate Hirsch: „Sie hat ja eine Vielzahl weiterer Ehrenämter.“ Dafür wechselt Sabine Lauterwasser von der Frauenliste zu den Grünen, die dadurch doch wieder mit sechs aktuellen Stadträten antreten.

Ganz anders sieht es bei der FDP/KiBü aus. Albrecht Ellwanger, der FDP-Ortsverbandsvorsitzende, meint: „So schwierig war es nach meinem Empfinden noch nie.“ Trotzdem wird sich die Verbindung von Liberalen und Kirchheimer Bürgerliste wieder auf einem Stimmzettel präsentieren, notfalls mit einer Liste, die nicht komplett gefüllt ist. Sowohl Renata Alt als auch Ulrich Kreyscher wollen weitermachen.

Bei der Christlichen Initiative Kirchheim (CIK) ist noch nicht ganz entschieden, wer weitermacht. Hans Kiefer sagt dazu: „Gerd Mogler tritt zu 100 Prozent wieder an. Bei mir selbst kann ich es nicht genau sagen. Ich bin noch am Überlegen.“ Aber auch bei der CIK ist es fraglich, ob sie ihre Liste vollbekommt: „Vielleicht stehen auch nur 15 oder 20 Namen drauf.“

Stühlerücken dürfte im Kirchheimer Gemeinderat nach der Wahl am 26. Mai angesagt sein - auch wenn die meisten Mitglieder wieder
Stühlerücken dürfte im Kirchheimer Gemeinderat nach der Wahl am 26. Mai angesagt sein - auch wenn die meisten Mitglieder wieder antreten.Foto: Jean-Luc Jacques

Wenn es nicht genügend Bewerber auf der Liste gibt

Die Liste ist nicht voll: Das ist zunächst kein Problem. Es besteht dann nur die Gefahr, Stimmen zu verschenken. Viele Wähler geben nur einen einzigen Stimmzettel ab. Stehen auf diesem Zettel keine zusätzlichen Vermerke, erhält jeder der Kandidaten auf der Liste genau eine Stimme. Bei 32 Namen gibt es also die volle Stimmzahl von 32. Stehen nur 16 Namen auf der Liste, gibt es in diesem Fall auch nur 16 Stimmen. Die Hälfte ist also verschenkt.

Zahlen eintragen: Die Wähler müssten bei einer verkleinerten Liste - wenn sie nichts verschenken wollen - zum Stift greifen und hinter den jeweiligen Namen eine „2“ oder eine „3“ schreiben, weil man jedem einzelnen Bewerber bis zu drei Stimmen geben kann. Zusätzlich kommt es noch aufs Kopfrechnen an: Kämen unterm Strich mehr als 32 Stimmen zusammen, wäre der gesamte Stimmzettel ungültig.

Für Stammwähler: Das ist einer der Gründe, warum die Parteien versuchen, ihre Listen komplett zu füllen. Stammwählern, die sich nur von einer bestimmten Gruppierung im Gemeinderat vertreten lassen wollen, haben es dann möglichst einfach.

Einzelne Namen von Bewerbern für den Kirchheimer Gemeinderat lassen sich jetzt noch nicht angeben. Wenn auch die Listen mitunter schon voll sind, handelt es sich noch nicht um die offiziellen Listen, die später auf dem Stimmzettel erscheinen. In den nächsten Tagen und Wochen finden die Nominierungsversammlungen statt. Erst danach geben Parteien und Gruppierungen die Namen aller ihrer Kandidaten bekannt.vol

Anzeige