Kirchheim

Wertanlage oder Groschengrab?

Oldtimer: Nicht jede Anschaffung entwickelt sich zum Garagengold

Für einige alte Autos werden Millionenbeträge geboten. Doch nicht jeder Oldtimer ist eine sichere Wertanlage, und bis eine gute Rendite erzielt wird, vergehen Jahre.

Herbert Hummel ist bekennender Oldtimer-Liebhaber. Fotos: Daniela Haußmann
Herbert Hummel ist bekennender Oldtimer-Liebhaber. Fotos: Daniela Haußmann

Region. In Zeiten von Niedrigzinsen scheint der Oldtimer als Geldanlage verlockend. Aber das hat seine Tücken. Längst winken nicht immer hohe Renditen. „Im Mittel haben Oldies eine Wertsteigerung von rund zehn Prozent“, sagt Harry Kellner, Leiter der Abteilung Kraftfahrzeugtechnik des ADAC Württemberg. Bis ein Auto an Wert gewinnt, müssen dem Experten zufolge viele Jahre vergehen. In den ersten Monaten und Jahren zeigen die Preise der rollenden Wertanlage erst einmal nach unten.

Wer sich trotzdem einen Wagen in der Hoffnung anschaffen will, dass er einen großen Wertzuwachs erzielt, sollte Kellner zufolge einen Youngtimer kaufen, bei dem noch keine 100 000 Kilometer auf der Anzeige stehen und von dem keine hohen Stückzahlen produziert wurden. Interessant seien vor allem jüngere Fahrzeuge aus den 90er-Jahren. „Bei älteren Autos ist die Wertentwicklung überwiegend schon gelaufen“, erklärt der ADAC-Experte.

Als Hoffnungsträger nennt Harry Kellner beispielsweise den Opel Manta GT/E 1,9, die von Audi auf Basis des Audi 80 hergestellten Coupés und Cabrios sowie den Porsche 944. Diese Modelle seien derzeit zu überschaubaren Preisen zu haben und könnten mit Blick auf die Zukunft gute Renditen erzielen.

Seit den Anfängen der Motorisierung sind unzählige Modelle von den Bändern und aus den Hallen der Manufakturen gerollt. Was es alles gab, was mehr und was weniger zu empfehlen ist, wie viel Kapital investiert werden muss und wie das Angebot aussieht, lässt sich laut ADAC in einschlägigen Oldtimer-Fachzeitschriften, aber auch im Internet in Erfahrung bringen. „Tipps und Ratschläge erteilen auch Markenclubs, und der direkte Kontakt zu Oldtimer-Besitzern ist nie verkehrt“, verrät Herbert Hummel. „Außerdem ist es hilfreich, sich einen Überblick über das durchschnittliche Preisniveau zu verschaffen, um beurteilen zu können, ob es sich beim Fahrzeug um ein Schnäppchen oder ein überteuertes Angebot handelt.“

Vor dem Kauf sollte sichergestellt werden, dass das gefundene Exemplar durch hohe Restaurierungskosten nicht zum Zuschussobjekt wird, wie der Vorsitzende der Oldtimer-Veteranen-Gemeinschaft Bissingen (OVG) betont. Wer ein bestimmtes Modell ins Auge gefasst hat, sollte sich Herbert Hummel zufolge über Typenhandbücher Kenntnisse, wie etwa über Schwachstellen, aneignen. Um keinem Blender auf den Leim zu gehen, empfiehlt Harry Kellner, einen Fachmann zurate zu ziehen und im Zweifel Geld für ein Gutachten in die Hand zu nehmen. Eine entsprechende Bewertung nehmen neben dem ADAC zum Beispiel Classic Data oder die DEKRA vor.

Um böse Überraschungen weitestgehend auszuschließen, rät Harry Kellner Personen, die technisch nicht wirklich versiert sind, zum Autokauf beim Händler. Schlecht beraten ist laut Herbert Hummel, wer Fahrzeuge auf Messen oder bei Versteigerungen abgreift. „Bei solchen Veranstaltungen besteht kaum die Chance, das Auto genau unter Lupe zu nehmen“, so der Oldtimer-Enthusiast. „Ein Wagen, der optisch Eindruck macht, ist technisch noch lange nicht einwandfrei, und was der Laie als einwandfreie Lackierung bewertet, stuft ein Fachmann unter Umständen ganz anders ein.“

Wer ein Fahrzeug kauft, sollte Rainer Bohner zufolge darauf achten, dass es sich im Originalzustand befindet und nicht verbastelt wurde. „Wenn ein Auto mit Seitenschürzen ausgestattet ist, dann muss die Modellreihe beim Hersteller auch so vom Band gelaufen sein“, sagt der stellvertretende OVG-Vorsitzende. Darüber hinaus gibt es zu bedenken, dass auch die Instandhaltung Kosten verursacht. „Selbst wenn ein Auto nicht oder kaum gefahren wird, kommt es zum Verschleiß“, berichtet Bohner. „Ölwechsel, der Austausch poröser Gummis – ein Oldtimer hat Fixkosten, und die Investition in eine vermeintliche Wertanlage kann sich zum Nullsummenspiel oder Draufzahlgeschäft entwickeln.“

Das hat Herbert Hummel am eigenen Leib erlebt. Vor Jahren stieß er auf ein Fahrzeug mit Getriebeschaden, von dem allerdings wenig zu merken war, weil das Maschinenelement mit Sägemehl aufgefüllt worden war. „Eine Kaufentscheidung sollte deshalb nie übereilt getroffen werden und am besten mit einem Fachmann an der Seite“, bilanziert Hummel. „Und eines muss klar sein: Es gibt keine Garantie, dass die Anschaffung beim Erreichen einer bestimmten Altersgrenze preislich tatsächlich durch die Decke geht.“

Allerhand Wissenswertes rund um Oldtimer hat der ADAC in einer Broschüre zusammengefasst. Sie hilft beim Einstieg ins Thema und bietet darüber hinaus wertvolle Tipps und nützliche Kontaktadressen, die Interessierten weiterhelfen: www.adac.de/infotestrat

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