Kirchheim

Wie 264 Menschen Kirchheim ein bisschen sauberer machen

Markungsputz 264 fleißige Helferinnen und Helfer sammeln am Samstag trotz Nieselregens im Stadtgebiet gut 20 Kubikmeter Müll – etwas weniger als die Hälfte der Vorjahresmenge. Von Thomas Krytzner  

Die Kinder waren mit Begeisterung bei der Markungsputzete dabei. Jeder Fund wurde gefeiert und per Müllzange in die blauen Säcke befördert. Foto: Thomas Krytzner

Samstagmorgen, 9 Uhr, Rathaus Ötlingen, Regenwetter. Trotz der widrigen Bedingungen versammeln sich über 40 junge und alte Fleißige, um bei der jährlichen Markungsputzete der Stadt Kirchheim mitzuhelfen. Baubetriebsleiter Michael Thiehoff ist begeistert: „Mit 1146 Anmeldungen insgesamt sind es gut 100 Helferinnen und Helfer mehr als im Vorjahr.“ Für fünf Schulen und fünf Kindergarten im Stadtgebiet war die Markungsputzete bereits in den ersten beiden Oktoberwochen über die Bühne gegangen. Wie in der Stadt, in Nabern und Lindorf bewaffnen sich Kinder und Erwachsene auch in Ötlingen mit dutzenden Müllsäcken und Zangen, um dem Unrat auf den Straßen und Grünflächen zu Leibe zu rücken.

 

Die deutlich niedrigere Menge an Müll lässt hoffen.
Baubetriebsleiter Michael Thiehoff spekuliert auf höhere Sensibilität in der Bevölkerung

 

Auf den ausgeteilten Karten sind die verschiedenen Sammelgebiete bereits eingezeichnet, und gut gelaunt machen sich die Sammelteams auf den Weg. Allen voran jeweils die Kinder, die ein besonderes Auge für den Unrat zu besitzen scheinen. Rasch sind bereits auf den ersten Metern erste Papierschnitzel und leere Flaschen ausgemacht, die umgehend per Zange in die Müllsäcke befördert werden. Moritz, der seinen Papa, Kirchheims Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader, begleitet, hat Glück: Er findet auf der Straße eine goldene Sammelkarte. Auch wenn der Wert der Karte noch unbestimmt ist, entschädigt ihn der Fund für das mehr oder weniger freiwillige frühe Aufstehen am Samstagmorgen.

Beflügelt durch das erste Erfolgserlebnis geht die Suche nach Müll weiter und der nächste Hotspot lässt nicht lange auf sich warten. Auf einem Firmenparkplatz an der Straße werden die Kinder rasch fündig und sammeln mit den Zangen fleißig einigen Müll zusammen. In einem Gebüsch versteckt liegt sogar ein vergammelter alter Schlafsack. Während einige Kinder noch auf der Grünfläche des Parkplatzes mit Aufsammeln beschäftigt sind, hören sie einen Jungen rufen: „Hier im Bach liegen leere Flaschen!“ Neugierig und voller Tatendrang eilt die Gruppe zum neuen Fundort, dem Nebenkanal der Lauter. Es bleibt nicht bei den leeren Flaschen. Denn: Um eine benachbarte Sitzbank herum liegt weiterer Unrat im Gras, der sofort aufgesammelt wird. Kurze Zeit später, stellt sich heraus, dass der Kanal wohl ein beliebter Ablageort für Müll ist. Mitten im Wasser liegen zwei entsorgte Autoreifen. Enttäuscht müssen die jungen und alten Müllsammler jedoch feststellen, dass man die Reifen nicht trockenen Fußes aus dem Wasser holen kann. Oberbürgermeister Pascal Bader hat die patente Lösung parat und meldet den Fundort via Handy an die Mitarbeiter des Baubetriebshofs.

Unbeirrt vom ersten kleinen Misserfolg suchen die fleißigen Helferinnen und Helfer entlang des Radwegs zwischen Ötlingen und Kirchheim weiteren Müll. Es dauert nicht lange, bis sie im Dickicht weitere Hinterlassenschaften ausmachen. An einem Ort liegen vernietete Holzteile und Stoffreste herum und an anderen Orten leere Whiskyflaschen. Während die Kinder und Erwachsenen noch über einige undefinierbare Fundstücke spekulieren, entdeckt Moritz plötzlich Gitter, die unter den Bäumen am Radweg liegen. Bei näherer Erkundung stellt der Mülltrupp einerseits fest, dass die Gitterteile schon so mit dem Waldboden verwachsen sind, dass sie sich nicht lösen lassen, und andererseits liegen in unmittelbarer Nachbarschaft sieben entsorgte und stark müffelnde Lederkissen. Da diese für den händischen Transport zur vereinbarten Sammelstelle zu schwer wären, lässt sie die Gruppe am Wegrand zur späteren Abholung durch die Mitarbeiter des Betriebshofs liegen. Auf dem Rückweg zum Ötlinger Rathaus treffen die Müllsucher immer wieder auf andere Teams, und es wird begeistert ausgetauscht, was man beim Sammeln gefunden hat. So berichtet ein Helfer von einem vermutlich verschmähten Liebesbrief eines Schülers an seine Angebetete, den er auf der Straße fand. Andere freiwillige Müllsammler erzählen, dass sie eine Matratze im Gebüsch entdeckten und am Lauterufer verlassene Campingstühle.

Während die Helfer in Nabern sich nach der Markungsputzete im Feuerwehrmagazin zum gemeinsamen Essen treffen, gibt es für die Teilnehmer der Kernstadt und der Stadteile Lindorf und Ötlingen ein Vesper beim Baubetriebshof. Oberbürgermeister Pascal Bader lobt dabei die beachtliche Zahl der Teilnehmer. Baubetriebsleiter Michael Thiehoff vermutet und erhofft aufgrund des erhöhten Zuspruchs für die Markungsputzete und des deutlichen Rückgangs der gesammelten Müllmenge von über 40 Kubikmeter im vergangenen Jahr auf rund 20 in diesem Jahr eine höhere Sensibilisierung in der Bevölkerung für ein sauberes Kirchheim.     

Noch rasch ein Gruppenbild beim Ötlinger Rathaus, bevor es losgeht: Über 40 Helferinnen und Helfer beteiligten sich an der Markungsputzete. Foto: Thomas Krytzner
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