Kirchheim

Wilde Gäste sind hier willkommen

Naturgarten Jeder Gartenbesitzer hat ein kleines Naturschutzgebiet hinterm Haus. Mit einigen Tricks lassen sich heimische Arten gezielt fördern. Von Daniela Haußmann

Naturgärten haben für Mensch und Tier allerhand zu bieten. Mit überschaubarem Aufwand lässt sich rund ums Haus viel für die heim
Naturgärten haben für Mensch und Tier allerhand zu bieten. Mit überschaubarem Aufwand lässt sich rund ums Haus viel für die heimische Flora und Fauna tun. Foto: Daniela Haußmann

Zirpende Grillen, Schmetterlinge, die mit ihren bunten Flügeln über der duftenden Blumenwiese gaukeln, blühende Obstbäume und schmatzende Igel, die im Kompost auf Jagd gehen - ein Garten ist nicht nur ein Erholungs- und Erlebnisraum für Menschen, sondern auch ein Refugium für etliche Pflanzen und Tiere, die sich rings ums eigene Grundstück tummeln. Für sie sind Stauden, Sträucher, Totholz, Hecken und gängige Kräuter wie Thymian, Rosmarin oder Salbei eine willkommene Einladung in eine ökologische Oase.

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Bundesweit gibt es nach Angaben des Nabu Hamburg rund 17 Millionen Gärten, die es zusammen auf eine stolze Größe von etwa 6 800 Quadratkilometern bringen. Das entspricht einem Anteil von 1,9 Prozent an der Gesamtfläche aller Naturschutzgebiete in Deutschland, wie die Umweltorganisation mitteilt. Aus Sicht von Wolf Rühle, dem Umwelt- und Naturschutzbeauftragten der Stadt Kirchheim, ist damit genügend Potenzial vorhanden, um die heimische Flora und Fauna direkt im Siedlungsgebiet zu fördern. Wegen der Bodenversiegelung, des Ausbaus von Nutzpflanzen in Monokulturen und des Rückgangs artenreicher Blumenwiesen ist die Zahl intakter Lebensräume für viele Pflanzen und Tierarten zurückgegangen. Gerade deshalb gewinnen für Wolf Rühle Naturgärten an Bedeutung.

Mit ein bisschen Mut zur Wildnis lassen sich selbst auf überschaubaren Grünflächen verschiedenste Nischen anlegen, die dafür sorgen, dass es rund ums Haus blüht und brummt. „Vielfältige Strukturen schaffen“, lautet Wolf Rühle zufolge die Maxime bei der naturnahen Gartengestaltung. Das gilt nicht nur für die Pflanzenauswahl, sondern auch für ein variantenreiches Standortangebot innerhalb der Zaungrenzen. Rohbodenflächen, Magerwiesenabschnitte, Teiche, Obstbäume, Laub-, Reisig- oder Totholzhaufen - mit etwas weniger Perfektionismus und einem Quäntchen Kreativität lassen sich nach Meinung des Kirchheimer Umweltexperten diverse Lebensräume schaffen, die sich im Optimalfall sogar miteinander vernetzen lassen.

„Ein ideal angelegter Naturgarten ist einerseits auf die Bedürfnisse der Arten ausgelegt, die rund um den Gartenstandort tatsächlich vorkommen“, betont Wolf Rühle. Das seien in der Regel nicht die ausgesprochenen Raritäten. Trotzdem sei es wichtig, wertvolle Nahrungsangebote, Schutz- und Rückzugsorte für die vorhandenen Lebewesen zu schaffen.“

Andererseits sollte nicht vergessen werden, dass manche Tierarten im Verlauf ihrer Entwicklung verschiedene Lebensräume benötigen, so der Fachmann. „Im Mittelpunkt steht die Frage, ob und wie es gelingt, natürliche Nistmöglichkeiten anzubieten, um die Arten langfristig an den Garten zu binden.“ Jeder, der Vögel und Co. unterstützen will, sollte auf heimische Pflanzen setzen, da viele Arten auf diese spezialisiert oder angewiesen sind. „Das gilt auch für Insekten wie zum Beispiel Schmetterlinge“, berichtet Wolf Rühle. „Sie legen ihre Eier an heimischen Pflanzen ab, die die Raupen später als Futterquelle nutzen, und nach Abschluss der Metamorphose braucht der Schmetterling dann Blütennektar als Nahrungslieferant.“

Wer seinen Garten auf wilde Besucher ausrichten möchte, sollte das große Ganze nie aus dem Auge verlieren. Sprich: Die Nahrungskette, in der die einzelnen Tierarten stehen, sollte bei allen Bemühungen Berücksichtigung finden. „Manche Vögel sind reine Insektenfresser. Gehölze zu pflanzen, bringt diesen Arten nichts.“ Ihre Bedürfnisse lassen sich nur decken, wenn Pflanzen im Garten stehen, die gezielt Insekten anlocken. Vom zeitigen Frühjahr bis zum späten Herbst sollte es rund ums Haus deshalb immer blühen.

Dazu gehört für den Fachmann auch, dass der Rasen schon höher stehen und sich zur Blumenwiese entwickeln darf. Mit Sense oder Balkenmäher lässt sich ihm zufolge die Biodiversität im Garten weiter fördern. „Darüber hinaus bieten immergrüne Gewächse wie Eibe oder Kirschlorbeer für gefiederte Gäste hervorragende Nistmöglichkeiten“, führt Wolf Rühle aus. Außerdem sei der Haselnussbaum zum Beispiel ein Nahrungslieferant für Vögel, Eichhörnchen oder Siebenschläfer, die auch Insekten fressen.“

Kein Unkraut dank Gegenspielern

Wer glaubt, dass in einem Naturgarten nur Unkraut gedeiht und automatisch Schädlinge angezogen werden, irrt. „In einem strukturreichen Garten gibt es immer genügend Nützlinge, die als Gegenspieler fungieren“, erklärt Wolf Rühle, der darauf hinweist, dass es im Fachhandel auch Nützlinge zu kaufen gebe, die sich gezielt auf der eigenen Grünfläche aussetzen lassen. Der Naturschutzexperte ist überzeugt, dass ein Naturgarten nicht nur für Tiere eine tolle Sache ist, sondern auch dem Besitzer allerhand zu bieten hat.