Kirchheim

„Wir haben im Garten ungarischen Wein angebaut“

Hildegard und Karl Götz aus Kirchheim feiern morgen ihre diamantene Hochzeit

Am morgigen Donnerstag feiern Hildegard und Karl Götz diamantene Hochzeit. 60 Ehejahre lassen die Jubilare in die Vergangenheit blicken.

Seit 60 Jahren verheiratet: Hildegard und Karl Götz. Foto: Thomas Krytzner
Seit 60 Jahren verheiratet: Hildegard und Karl Götz. Foto: Thomas Krytzner

Kirchheim. Hildegard Götz erinnert sich noch gut an ihre Kindheit im Sudetenland. Die Eltern hatten eine Bäckerei und sie waren sieben Kinder. 1946 wurde sie aus ihrem Heimatland vertrieben. „Wie Vieh haben sie uns damals im Güterwagen vier Tage eingepfercht, bis wir in Kaufbeuren angekommen sind“, erzählt sie. Durch ihre Schwester kam sie 1952 nach Kirchheim. Ihre Schwester schwärmte so von der Stadt an der Teck, dass Hildegard Götz umzog.

Ehemann Karl Götz stammt aus dem ehemaligen Sopron – zu deutsch: Ödenburg – in Ungarn. Sein Weg führte direkt nach Kirchheim. Beide Eheleute liebten das Tanzen und gingen jeweils mit der eigenen Schwester immer zum Schwofen. Und genau da lernte sich das Jubelpaar kennen und lieben. 1956 haben die beiden in der Ulrichs-Kirche geheiratet, hatten aber damals noch getrennte Wohnungen. „Ich durfte meinen Ehemann nicht mal in seiner Wohnung besuchen“, berichtet die 83-Jährige entrüstet. „Die damalige Haushälterin hat es verboten.“ Dann grinst sie und gibt zu, dass sie während der Schichtarbeitszeit doch immer wieder bei ihm war und halt frühmorgens das Haus verlassen hat, damit die Aufpasserin nichts merkt.

1958 kauften die frisch Vermählten ein Haus in der Plochinger Straße in Kirchheim. Dort leben sie auch heute noch. Nach kurzer Zeit stellten sie fest, dass das neue Heim kein richtiges Fundament hatte und einfach so auf das Grundstück gebaut war. „Wir haben alles neu gemacht“, sagt Karl Götz, und seine Ehefrau ergänzt: „Zum Glück hatten wir Handwerker in der Bekanntschaft, so mussten wir nur den Strom vom Fachmann legen lassen.“ Dann kommt Hildegard Götz ins Schwärmen: „Wir hatten jahrelang einen kleinen Garten in der Halde. Da war immer Party. Wir haben gegrillt, gekegelt und Wein angebaut.“ Die Weinstöcke hatten sie sich von ihren unzähligen Ungarn-Reisen mitgebracht.

Die schönste Reise des Lebens war der Aufenthalt in der Puszta. Ihr Sohn war dort nämlich zu einem Reiterfestspiel eingeladen, und die Jubilare reisten mit dem Wohnmobil hin. „Die Gegend, die Wollschweine und vor allem die weißen Ochsen waren herrlich.“ Beide blicken glücklich auf die verschiedenen Reisen zurück. Mit einem Kirchheimer Omnibusunternehmen ging es auf viele Tagesausflüge, und schließlich war Familie Götz auch mit der Arbeiterwohlfahrt unterwegs. „Ich bin so froh, so viel erlebt zu haben. Im Grunde waren wir dauernd gemeinsam auf Achse.“

Karl Götz freut sich, dass er mit 88 Jahren immer noch gute Kontakte zum ehemaligen Arbeitgeber in Schlierbach hat: „Wenn die Weihnachten feiern, laden die mich immer ein und holen mich ab.“ Die Nachbarschaft spielt für beide Eheleute ein große Rolle. Vor allem mit dem alten Frik-Metzger bestand eine innige Freundschaft. „Die Männer gingen zum Fußballspielen und wir Frauen tratschten bei Kaffee und Kuchen“, lacht Hildegard Götz. Nun freuen sich beide über regelmäßigen Besuch ihrer Kinder, Enkel und Urenkel.

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