Kirchheim

„Wir müssen für die Patienten da sein“

Medizin Ist es ein banaler Infekt, oder vielleicht doch Corona? Für viele Eltern ist die aktuelle Schnupfensaison eine Zeit großer Unsicherheit. Zwei Kinderärztinnen erzählen, wie sie mit Infekten in ihrer Praxis umgehen. Von Antje Dörr

Dr. Katja Frankenbusch vom MVZ macht bei Kindern nur Corona-Abstriche, wenn sie unter klaren Symptomen leiden oder Kontakt zu ei
Dr. Katja Frankenbusch vom MVZ macht bei Kindern nur Corona-Abstriche, wenn sie unter klaren Symptomen leiden oder Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatten. Foto: Carsten Riedl

Das Kind hustet, die Nase läuft. Keine große Sache, eigentlich. Wenn da nicht Corona wäre. Jeder noch so banale Infekt setzt bei vielen Eltern in diesen Tagen sofort das Gedankenkarussell in Gang. So ein Mist! Gestern hat das Kind noch mit der Oma gekuschelt. Und wenn es nun Corona ist?

Für die beiden Kinderärztinnen, mit denen der Teckbote exemplarisch gesprochen hat, ist diese Unsicherheit ihr täglich Brot. Wenn sie ein hustendes Kind abhören, wissen auch sie nicht, ob das Kind sich mit dem neuartigen Virus infiziert hat, oder ob es nur ein banaler Infekt ist. „Es gibt keine typischen klinischen ­Symptome bei Kindern, an denen ich erkennen kann, ob es eine ­Coronavirusinfektion ist oder nicht“, sagt Susanne ­Luxenhofer von der Kinderarzt-Praxis ­Wernau, die als Corona-Schwerpunktpraxis ausgewiesen ist.

Welches Virus für die Schnupfnase verantwortlich ist, ist für sie aber auch nicht so entscheidend. „Am Anfang haben viele Praxen gesagt: Wir lassen nur Gesunde rein“, erinnert sich Susanne Luxenhofer. Sie findet das nicht in Ordnung. „Wir als Kinderärzte sollten für unsere Patienten da sein“, sagt sie. Es könne doch nicht sein, dass ein Kind mit 40 Grad Fieber ins Abstrichzentrum gefahren werden müsse und keiner es anschaue.

Wenn Corona-App rot anzeigt, kann getestet werden

„Wenn jemand hustet, darf er kommen“, sagt auch Dr. Katja ­Frankenbusch, die mit Kollegin Susanne Weis im MVZ in Kirchheim die Praxis für Kinder- und Jugendmedizin betreibt. Auch ­Frankenbusch findet es problematisch, dass manche Praxen zögerlich seien, Patienten mit Atemwegsinfekt zu sehen. „Atemwegsinfekt bedeutet nicht immer Corona“, sagt sie. Seit Frühjahr hätten ihre Kollegin und sie in ihrer Praxis „noch keine 20 positiven Fälle gesehen, dafür aber jede Woche hundert Kinder mit Husten. Und wir haben ganz viel abgestrichen“. Allerdings testen die beiden Ärztinnen schwerpunktmäßig symptomatische Patienten und zudem Kinder, bei denen beispielsweise eine Operation ansteht. „Wenn das Kind keine Kontakte zu positiv getesteten Personen hatte und es keine Fälle in der Schule oder Einrichtung gab, machen wir auch keinen Abstrich“, sagt Frankenbusch. Kontaktpersonen ohne Symptome oder Reiserückkehrer erhalten beziehungsweise erhielten einen Code fürs Abstrichzentrum.

Als Corona-Schwerpunktpraxis testen die Wernauer Kinderärztinnen natürlich mehr als ihre Kirchheimer Kolleginnen, sowohl eigene Patienten mit Symptomen als auch augenscheinlich ­gesunde Kinder, die Kontakt zu ­infizierten Menschen hatten, und auf Wunsch auch deren Eltern, wenn sie im medizinischen oder im Pflegebereich arbeiten. Auch wenn die ­Corona-Warn-App Rot anzeigt, kann getestet werden. Ob PCR- oder Antigen-Tests eingesetzt werden, wird im Einzelfall entschieden. „Es dürfen auch Patienten aus anderen Praxen zu uns kommen, aber das sind gar nicht so viele“, sagt Susanne Luxenhofer. Die Praxis sei „nicht völlig überlastet“. Entlastend sei, dass Eltern, anders als Anfang Oktober, nun wieder telefonisch eine Krankmeldung für ihre Kinder erhalten dürfen. „Das hat Dampf rausgenommen. Eine Zeit lang standen jeden Morgen zehn vor der Tür.“

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