Kirchheim

„Wir wollen nur spielen“

Konzert Die Talking Horns gastierten im Club Bastion. Die vier Bläser zeigten sich von ihrer humorvollen Seite.

Foto: Bernhard Fischer

Kirchheim. Vier Männer auf der Bühne, dazu eine Vielzahl von „Hörnern“ und anderen Instrumenten, erzählten in der Kirchheimer Bastion mitreißende Geschichten aus aller Welt. Talking Horns nennen sich die Ausnahmemusiker Achim Fink, Bernd Winterschladen, Stephan Schulze und Andreas Gilgenberg, die an diesem Abend das Publikum auf eine musikalische Welt- und Zeitreise entführten.

Blech satt war in der Bastion zu hören. Das riesige Sousafon, unterstützt von Posaune und Saxofonen, hatte zumeist die Aufgabe, ein packendes, rhythmisches und harmonisches Fundament für das jeweilige Soloinstrument zu liefern. Aber auch die tiefen Blechinstrumente waren im Wechsel mit den anderen Instrumenten immer wieder gefordert, sich auf unerwartet leichtfüßig-tänzerische Solopfade zu begeben. Achim Fink und Stephan Schulze wechselten sich an Sousafon, Eufonium, Posaunen und Trompete ab, Bernd Winterschladen und Andreas Gilgenberg glänzten an Saxofonen und an Bassklarinette.

Die Musik weckt Erinnerungen an Balkanorchester, an eine New-Orleans-Band ohne Schlagzeuge, an das ehemalige World-Saxofon-Quartett, ja sogar an ein Streichquartett. Spielfreude und musikalische Meisterschaft ließen den Abend zu einem Erlebnis werden, aufgelockert durch die humorvolle Moderation von Achim Fink.

„Wir wollen nur spielen“, so Fink. Anders als bei den Hunden im Stadtpark muss man aber nicht mit zerrissenen Hosen rechnen, es besteht allenfalls die Gefahr, nein die Chance, dass alte Hörgewohnheiten gelockert werden.

Noten sind verwandt mit der Not

Noten, so Fink, wären sprachlich ja eng verwandt mit der Not, mit der Not, bei Musikstücken auf Aufgeschriebenes zurückgreifen zu müssen, weil das Stück nicht ausreichend im Kopf gespeichert ist. Für die Besucher wäre es jedoch nicht möglich gewesen, Komposition und Improvisation zu unterscheiden, hätte nicht Fink mehrmals darauf hingewiesen und spontan auch noch Titel kreiert wie etwa „in den Kasematten von Kirchheim“.

Die durchgehend humorvollen Titel spiegeln die weltweite Tourerfahrung der seit 1993 bestehenden Gruppe, so „Malicon“ die Schwüle der kubanischen Nacht und „Desert Airline“ das abenteuerlich schöne Reisevergnügen im Orient. Andererseits kommt in den Titeln immer wieder die rheinische Lebensfreude der Künstler zur Geltung, so in „neun Kölsch vier Korn“ oder in der „Schaschlikpolka“. Das Stück „noch ein Sliwowitz“ hätte die Gruppe nach Fink sogar im Orient ohne Verhaftung überstanden.

Blasmusik in der Bastion? Offensichtlich sprach diese Beschreibung nur Insider und besonders neugierige Menschen an. Doch die wurden mit einem äußerst intensiven und unterhaltsamen Musikerlebnis belohnt. Trotz anstehender Nachtfahrt für die Band konnte das begeisterte Publikum noch zwei packende Zugaben „erklatschen“.Bernhard Fischer

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