Kirchheim

Wo ist das Kinn?

Beruf - Traum Job - Ausbildung Friseur - Friseuse - Friseurin
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Froh und glücklich sind gerade all die Menschen, die einen heiß begehrten Termin beim Friseur ergattert haben. Schluss mit Zottel­pony, Wuschelkopf und grauem Ansatz.

Die Friseure selbst scharrten schon lange mit den Hufen in freudiger Erwartung auf ihre Kunden. Tagelang vor der Öffnung waren sie intensiv mit der neuen Organisation beschäftigt: Informationsblätter ans Schaufenster hängen, die jedem klarmachen, dass die Haare im Salon gewaschen werden müssen, die Hände auch. Telefonische Voranmeldung ist Pflicht, Maske für Kunde und Scherenkünstler ebenfalls. Die Bürokratie darf selbstverständlich auch nicht vergessen werden. Jeder Haar-Erleichterte muss sich in ein Formular eintragen, derweil der Coiffeur die Sitzgelegenheit desinfiziert, damit sich der Nächste dort beruhigt niederlassen kann.

Der erste Kunde am Montag wurde also freudig und bestens vorbereitet erwartet und schließlich begrüßt. Ihm wurde ordentlich der Kopf gewaschen - doch dann kam das böse Erwachen aufseiten des Friseurs. Wo ist die Nase? Wo ist das Kinn? Die ganze Linie ist wunderschön wahlweise hinter einem schnöden Papierlappen oder einer trendigen Stoffmaske versteckt. Wer sein Handwerk mit Herzblut macht, sah sich vor eine ungeahnte Herausforderung gestellt: die Suche nach Harmonie von Gesicht und Haartracht. Doch wie machen, wenn aus dem Spiegel gleich zwei Vermummte fragend dreinblicken? Jetzt ist Vorstellungskraft gefragt, der Blick auf Kinn- und Nasenpartie intensiv, um beides sicher unter der Maske verorten zu können. Dementsprechend gilt es, den Haarschnitt umzusetzen. Wohl dem, der einen Stammfriseur hat, der das Antlitz noch aus den glorreichen maskenfreien Zeiten kennt.

Kreativität ist nicht nur beim Schnitt gefragt. Auch das Handling der Masken will geübt sein. Vor allem die Ohren-Gummis stellen die Coiffeure bei Kurzhaarfrisuren vor gewisse Probleme: Sie sind gerne dem Schneidwerkzeug im Weg. Aber auch dafür gibt‘s eine pragmatische Lösung. Einfach mit Zuhilfenahme eines Fingers das Ohr vom Bendel befreien, die Maske dicht am Gesicht halten - und schon hat der Friseur freie Fahrt mit seinem Haarschneider.

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