Kirchheim

Zu Besuch beim Osterhasen

Dekoration In Albershausen kann man derzeit ein Osterhaus bewundern: Brigitte und Rudolf Wohlrab teilen die Leidenschaft fürs Basteln und verwandeln ihr Haus je nach Jahreszeit in ein wahres Kunstwerk. Von Katja Eisenhardt

Nicht nur die Wohlrabs haben Spaß am Dekorieren. Auch ihr Enkel Lukas freut sich an der Osterdeko von Oma und Opa.Fotos: Katja E
Nicht nur die Wohlrabs haben Spaß am Dekorieren. Auch ihr Enkel Lukas freut sich an der Osterdeko von Oma und Opa.Fotos: Katja Eisenhardt

Am Eingang sitzt Meister Lampe mit grüner Trachtenwolljacke gemütlich auf seiner Holzbank. Der braune Hut hat für die langen Ohren seitlich extra zwei Löcher bekommen. In einem Puppenwagen vor ihm liegt ein kleines Häslein. „Der große Osterhase ist unser Lieblingsstück bei der Osterdeko“, erklärt Brigitte Wohlrab, „in seinem ersten Leben war er eine Schaufensterpuppe.“

Das Ehepaar Wohlrab hat in der Sparwieser Straße in Albershausen aus ihrem Haus ein wahres Osterparadies geschaffen. Neben dem Hasen-Duo gibt es vor, am und im Haus noch so einiges zu entdecken: Nebst zahlreichen weiteren Hasen, die in mit Stroh und knallorangen Mohrrüben ausgelegten Holzkisten und auf den Fenstersimsen hocken, haben Schafe, Gänse und bunte Ostereier ihren Platz bekommen. Von den Fenstersimsen im ersten Stock blicken weiße Holzhühner neben großen roten Eiern entgegen, an Zweigen baumeln farblich passend kleine gelbe Ostereier. „Würde man sie zählen, käme man insgesamt in und ums Haus auf 1 500 Eier - alle einzeln aufgehängt oder aufgestellt“, beschreibt Brigitte Wohlrab die Dimensionen. Das Dekorieren ist ihr Part, das Handwerkliche übernimmt Ehemann Rudolf Wohlrab.

Alles fein säuberlich sortiert

In der Werkstatt des passionierten Tüftlers entstehen auf Bestellung der Gattin immer wieder neue Figuren oder sonstige Dekoelemente. „Ich habe genau im Kopf, wie das Ganze aussehen soll, da fällt mir immer wieder was Neues ein“, sagt Brigitte Wohlrab und fügt lachend hinzu: „Ja, da braucht man schon einen Vogel, um so etwas zu machen und den haben wir.“ Innerhalb eines Wochenendes steht die Osterdeko. „Wir haben da mittlerweile Routine. Unser Fundus ist in vielen Kisten sortiert, die auf der Bühne oder in der Werkstatt auf ihren Einsatz warten.“

Braucht es für den Besucher schon vor dem Haus eine ganze Weile, so kommt er auch beim Gang ins Hausinnere nicht mehr aus dem Schauen und Staunen heraus. In jedem Winkel gibt es etwas zu entdecken. Direkt ins Auge sticht ein wahres Unikat im Erdgeschoss: Wer bei Wohlrabs durch die Haustür geht, steht vor einem waschechten Apfelbaum am Treppenaufgang, dessen Zweige über Ostern mit unzähligen gold-schimmernden Eiern behängt sind. Daneben begrüßt ein frech dreinblickender Osterhase mit roter Fliege und grün karierter Latzhose die Gäste.

Über eine Holztreppe geht es nach oben zu den Wohnräumen. Auch hier ist das nahende Osterfest dank Hasen und unzähliger individuell bemalter Ostereier unübersehbar. Abgesehen davon findet sich in den heimeligen Räumen mit ihren niedrigen Holzdecken und knarzenden Holzdielen auch ansonsten kaum ein freies Plätzchen.

Jedes Stück hat eine Geschichte

Was für den ein oder anderen überladen wirken mag, passt hier hinein und gehört einfach zum Stil des kreativen Ehepaars. „Für uns sind das nicht irgendwelche Dinge, die über viele Jahre nach und nach dazugekommen sind. Jedes einzelne Stück hat seine Geschichte. Bei den immer wieder wechselnden Sträußen sind zum Beispiel immer Rosen dabei, die mir mein Mann zum Hochzeitstag schenkt“, erzählt Brigitte Wohlrab. Die Ostereier über dem Esstisch wurden teils von den mittlerweile erwachsenen Kindern bemalt. „Ein kahles Haus kommt für uns nicht in Frage. Wir haben es 1982 gekauft und Schritt für Schritt renoviert. Als es noch leer war, hat sich das nie wie ein Zuhause angefühlt, heute schon.“ Noch bis Ende April bleibt das Wohlrab‘sche „Osterhaus“ geschmückt.

Alles begann mit einer Weihnachtskrippe

Das Deko-Fieber in der Sparwieser Straße in Albershausen hat nicht mit dem Osterschmuck, sondern mit einer selbst gebauten Weihnachtskrippe angefangen. 1 500 Figuren, davon allein 300 Schafe gehören zum Krippenfundus der Wohlrabs. Jährlich wechselt die Krippenlandschaft, die ebenso selbst gebaut und gestaltet wird.

Während die Osterdeko innerhalb von ein bis zwei Tagen aufgebaut wird, stecken in der Krippendekoration mit Fertigung und Aufbau jedes Jahr gut 300 Arbeitsstunden. Für ein rundum weihnachtlich beleuchtetes Haus sorgt Rudolf Wohlrab als gelernter Elektrikermeister.

Im Ort ist das alte Bauernhaus mit seinem freigelegten Fachwerk schon längst als „Weihnachtshaus“ bekannt. In der Weihnachtszeit öffnen Brigitte und Rudolf Wohlrab ihre Türen, da wird dann mit vielen Gästen in der voll besetzten Stube gemeinsam zünftig musiziert und gesungen: Sie spielt Harfe, er das Hackbrett und ein Freund die Steirische Harmonika.

So entstand die Idee des dekorierten Hauses: „Wir haben überlegt, was wir nach Weihnachten machen könnten, denn so ganz undekoriert, das geht nicht“, erzählt Brigitte Wohlrab.

Die einzelnen Elemente werden entweder selbst gefertigt, zufällig bei Einkäufen entdeckt oder auch bei Spaziergängen in der freien Natur gesammelt. eis

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