Kirchheim

Zu früh für einen Corona-Blues

Pandemie Die Kinobetriebe Frech verzeichnen derzeit heftige Umsatzeinbrüche. Trotzdem hofft das Betreiber-Ehepaar auf eine Belebung im Herbst. Von Helga Single

Nicht nur für das Publikum, auch für die Servicekräfte und wie hier für die Filmvorführerin stehen im Central und im Tyroler Des
Nicht nur für das Publikum, auch für die Servicekräfte und wie hier für die Filmvorführerin stehen im Central und im Tyroler Desinfektionsmittel zur Verfügung. Foto: Markus Brändli

Seit Juni haben die Kinobetriebe Frech ihre Pforten wieder geöffnet. „Wir sind gleich, nachdem es wieder erlaubt war, durchgestartet“, erzählen Eberhard und Ulrike Frech, die Betreiber des Central in der Dreikönigstraße und des Tyroler am Postplatz in Kirchheim.

Hygieneverordnungen vom Land blieben zunächst Fehlanzeige, sodass sich die Kino- branche an der Gastronomie orientierte. Inzwischen gibt es sie, und so bleibt im Central jede zweite Reihe unbesetzt und im Tyroler gewähren drei Sitze dazwischen den Mindestabstand. Durch Online-Buchungen lässt sich die Anordnung der Besucher besser planen, was auch schon vor Corona so gemacht wurde.

Der Verband der Kinobetreiber, HDF, hat eine Studie bei der TU Berlin in Auftrag gegeben, wonach die Aerosolbelastung im Kinosaal gleich null sei. „Keiner spricht, alle sitzen still, und wenn es im Film nicht heiß her geht, ist auch der Puls unten“, bestätigt Eberhard Frech. Die Verunsicherung der Besucher bleibt aber groß. Eine Auslastung von 20 Prozent wäre gut möglich, aber die Besucher bleiben weg. In jedem Sommer sei ein „Sommerloch“ normal, denn da zieht es die Leute lieber in Biergärten oder Open-Air-Kinos oder, wie zuletzt, ins Autokino. „Das ist keine Konkurrenz für uns, das ist zunächst ein Hype, der schnell verfliegt, wenn die Zahlen runter gehen“, sagt Eberhard Frech.

Das Problem sei, dass wenig neue Filme bundesweit starteten, meint seine Ehefrau. So ganz schlüssig ließe sich das nicht erklären. Das „Kaiserschmarrndrama“, aus der erfolgreichen Reihe der Eberhofer Krimis, stehe am Start, werde aber zurück gehalten. „Das versteht man nicht, würde doch eine Sommerkomödie perfekt zum Sommer passen“, findet Ulrike Frech, die alle Filme auswählt. Seit Jahren laufen die Eberhofer-Krimis sehr erfolgreich und haben zuletzt mit „Leberkäsjunkie“ oder „Grießnockerlaffäre“ Kultstatus erreicht. Der Drei-Stunden-Film „Berlin Alexanderplatz“ hingegen sei angelaufen.

Die Kinos sind gut etabliert

Bei den Kinobetrieben Frech ist der Umsatzeinbruch um die 80 Prozent. Im bundesweiten Vergleich seien die Besucherzahlen ebenfalls „unterirdisch“. Die Traumpaläste in den größeren Städten wollen noch abwarten und planen erst Ende August einen Neustart. „Wenn die Branche nicht spielen kann, kommen die Produzenten und Verleiher in Schieflage, denn ewig lasse sich das nicht aussitzen“, meinen sie.

Durch Vermietung der Räumlichkeiten für private Feste stocken sie ihre Einnahmen auf. Doch eine 60er-Feier im September ist schon abgesagt. Sie bleiben dennoch optimistisch. Im Herbst ziehe das Geschäft wieder an, da sind sie sich sicher, wenn nicht eine zweite Welle durchs Land schwappt. Ihre Programmkinos sind seit Jahren gut etabliert und treffen mit einer guten Mischung aus Drama, Komödie, Blockbuster und Langläufern den Geschmack des Publikums. „In Kirchheim gehen Komödien gut“, verrät Eberhard Frech. Die französische Komödie der „Sch‘tis“ war so ein Beispiel.

Durch die Zusammenarbeit mit der Bastion, die auf Filme mit sozialkritischem Hintergrund setzt, erreichen sie ein noch größeres Publikum. „Da werden die Filme in Mund-zu-Mund-Propaganda empfohlen“. Während des Sommers werde das Tyroler in die Sommerpause geschickt. Danach sieht man weiter. Das Personal müsse man danach leider auch neu suchen. Vielleicht kann sich bis dahin jemand als Filmvorführer vorstellen?

Info Seit 6. August ist das Tyroler am Postplatz geschlossen. Die Sommerpause geht noch bis 17. September.

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