Kirchheim

Zur besten Marktzeit gab es ein „Hoch“ auf das neue Waldhorn

Neubau Nach altem Handwerksbrauch hat Bauherr Robert Ruthenberg mit den Kirchheimer Zimmerleuten am Samstag auf dem Marktplatz Richtfest gefeiert. Von Andreas Volz

Passend  zum Namen „Waldhorn“ hatten sich die Kirchheimer Jagdhornbläser beim Richtfest eingefunden.Foto: Markus Brändli
Passend zum Namen „Waldhorn“ hatten sich die Kirchheimer Jagdhornbläser beim Richtfest eingefunden. Foto: Markus Brändli

Das neue Waldhorn steht: Sichtbar ist es schon seit einigen Tagen, dass Giebel, Dachstuhl und First des Restaurantgebäudes auf dem Kirchheimer Marktplatz ihre künftigen Ausmaße eingenommen haben. Am Samstag aber kam noch der entscheidende symbolische Akt hinzu: Bauherr Robert Ruthen­berg hatte zum Richtfest geladen, und das zur besten Marktzeit - samstags um 11 Uhr.

Das Richtfest ist Teil einer langen und ehrwürdigen Handwerkstradition. Dazu gehört der Richtspruch des Zimmermanns ebenso wie dessen dreifacher Trunk. An gleicher Stelle dürfte eben auch vor rund 325 Jahren nach gleichem Brauch das Richtfest für den Vorgängerbau gefeiert worden sein.

Zur Tradition gehört auch, dass der Zimmermeister seinen Richtspruch in gereimter Form vorträgt. Andreas Banzhaf hat das in vorzüglicher Weise zelebriert und dabei auch die Geschichte des Neubaus in Versform gebracht - eine Geschichte, die alles andere als einfach war. Zunächst war ja überhaupt nicht an einen Neubau gedacht gewesen, sondern lediglich an eine umfassende Sanierung.

„Wer ein Haus erst reparieren lassen muss, erlebt gar öfter manch‘ Verdruss“, reimte Andreas Banzhaf und fasste somit zusammen, was sich tatsächlich erst nach langer Zeit herausstellen sollte - vor über drei Jahren: Das alte Waldhorn war nicht mehr zu retten - zumindest nicht mehr mit einem Kostenaufwand, der für einen privaten Bauherrn vertretbar gewesen wäre. Keine Denkmalschutzauflage konnte noch eine Sanierung verlangen.

Fazit des Zimmermanns: Bei einem „geflickten Haus“ ist es klüger, „es einzureißen ganz und gar - damit es neu erstehe bald, in einer besseren Gestalt“. Eine wesentlich andere Gestalt hat es zwar nicht bekommen, denn an der Form und an den äußeren Maßen orientiert sich der Neubau nahezu komplett am Vorgängerbau. Nur steht er statisch eben weitaus besser da, und darauf bezog sich Andreas Banzhaf wohl auch mit dem Hinweis auf die „bessere Gestalt“.

Die Detailtreue bei der Form geht ja schließlich so weit, dass Planer und Zimmerleute sogar einen windschiefen Dachstuhl entstehen ließen, der die alte Form komplett nachahmt. Insofern ist das „rechte Lot“, auf das der Zimmermann einging, nicht immer automatisch mit „rechtwinklig“ gleichzusetzen. Und auch die Balken drohen sich nicht so schnell zu biegen. Alles, was an Bie­gungen vorhanden ist, war von vornherein so geplant, um eben den alten Bau möglichst gut zu imitieren.

Bei der Fassadengestaltung war eine solche Imitation allerdings nicht geplant. Gespannt waren deshalb die zahlreichen neugierigen Richtfestgäste auf die weitere Gestaltung des Marktplatzgiebels. Was sich abzeichnet, ist modernes Fachwerk - ein Kompromiss aus Moderne einerseits und Fachwerk andererseits. Die Balken sind vertikal und horizontal angebracht, vertikale Verstrebungen fehlen. Aber es sind Balken, und sie sollen auch sichtbar bleiben.

Gut gelungen ist auch die Verbindung von breiter Fensterfront und Fachwerk im Obergeschoss. So ungewöhnlich hoch und breit das Fenster auch sein mag, es ist immerhin in fünf Segmente unterteilt, die vier senkrechte Balken klar voneinander trennen. Das Fachwerkelement bleibt also auch im Fenster erhalten. Dass dieses große Fenster nötig ist, zeigt der Blick auf den rückwärtigen Giebel. Aus Brandschutzgründen war dort eine geschlossene Betonwand ohne Öffnung vorgeschrieben.

Vom Beton zurück zur Tradition, die beim Richtfest am Samstag nicht nur in der Zimmermannskunst zum Ausdruck kam: Passend zum Namen „Waldhorn“ hatten sich die Kirchheimer Jagdhornbläser eingefunden - um unter anderem den Kirchheimer Jägermarsch zu blasen, den einstens Stadtmusikdirektor Hermann Weber für die Kirchheimer Jägervereinigung komponiert hatte.

„Horn hoch!“

Die Kommandos von Bläserobmann Patrick Schwarz hätten nicht besser zum Anlass passen können, auch wenn er sie in umgekehrter Reihenfolge aussprechen musste: „Horn hoch!“ und „Horn ab!“ hieß es bei den Bläsern. Beim Bau dagegen hatte es im November geheißen: „Waldhorn ab“ - und seither: „Waldhorn hoch“. Nun ist also das Gebäude hochgezogen, und zum Richtfest hatten sich viele Kirchheimer „eingefunden, um ihre Freude zu bekunden“.

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