Kirchheim

Zur Selbstständigkeit beitragen

Der Arbeitskreis Asyl in Holzmaden ist für den Ehrenamtspreis 2016 nominiert

„Zusammen leben ohne Grenzen“ lautet das Motto des Ehrenamtspreises „Starke Helfer“. Genau das wird in Holzmaden praktiziert, unter der Federführung des Arbeitskreises Asyl.

Beim Grillfest legten die Flüchtlinge in Holzmaden selbst Hand an und genossen das gemütliche Beisammensein mit musikalischer Un
Beim Grillfest legten die Flüchtlinge in Holzmaden selbst Hand an und genossen das gemütliche Beisammensein mit musikalischer Unterhaltung am Lagerfeuer.Fotos: Jochen Wagner

Holzmaden. Wenn Ali Almohammad von seinem Wunschberuf erzählt, leuchten seine braunen Augen. Der Syrer hat gerade die achte Klasse in der Werkrealschule bestanden. Programmierer möchte er werden, sagt er in ganz gutem Deutsch. Und wenn er so erzählt, sieht man ihm die Freude darüber an, was er schon geschafft hat, seit er in Holzmaden ist. Dazu zählt, dass er bereits einige Praktika absolvieren konnte. Und: Ali ist ein gelebtes Beispiel an Integration: Als Übungsleiter in der Sportgruppe betreut er zwei Kinder- beziehungsweise Jugendgruppen und vermittelt ihnen die noch neue Sportart Parkour. Der Syrer ist eines von vielen positiven Beispielen, wie der AK Asyl seine Arbeit versteht – den Flüchtlingen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und zu ihrer erfolgreichen Integration und Selbstständigkeit beizutragen.

Als die Wogen in der annähernd 2 130 Seelen zählenden Gemeinde im Juli 2014 auf einer Informationsveranstaltung zur Unterbringung von 25 Flüchtlingen in dem ehemaligen Seniorenwohnheim hochschlugen, gab es eine Reihe von Menschen, die der sich abzeichnenden ablehnenden Tendenz Einhalt gebieten wollten. Noch am selben Abend trugen sich zahlreiche Personen in eine Liste ein und bekundeten damit ihren festen Willen, zur Integration der Flüchtlinge beitragen zu wollen. Der AK Asyl Holzmaden war geboren.

Renate Thursfield hat den AK Asyl Holzmaden für den Ehrenamtspreis vorgeschlagen und ist selbst seit den Anfängen dabei. „Wir konnten auf keine Erfahrungen zurückgreifen und sind auf eine ganz persönliche Art losgegangen“, erzählt sie. Dabei blickt die Lehrerin schon ein bisschen stolz auf das Geleistete zurück: „Bisher gab es mit unseren Flüchtlingen hier keine Probleme“, sagt sie. Dazu trägt wohl das Rundum-Sorglos-Paket bei, das der Arbeitskreis der Urweltgemeinde den Gestrandeten bietet. Mit einem Begrüßungspaket bei der Ankunft willkommen geheißen, bekommen die Flüchtlinge zunächst alles Wichtige zum Leben in der fremden Umgebung in die Hand – auch Verhaltensregeln. Danach erhalten sie von den etwa 30 ehrenamtlich engagierten Mitgliedern des Arbeitskreises Hilfestellungen, die den Alltag betreffen: sei es, wenn es um das Erlernen der Sprache geht, um Bekleidung oder Ausstattung, ums Einkaufen oder um die Begleitung zu Ämtern, Ärzten, Behörden, Krankenkassen, ums Suchen einer Hebamme. Ebenso kümmern sie sich um das Angebot für Freizeit und Sport. Eine Arbeitsgruppe stellt Kontakte zu örtlichen oder regionalen Unternehmen her, um Ausbildungs- oder Arbeitsplätze zu ermitteln. In der Arbeitsgruppe Technik und Fahrrad dürfen die Flüchtlinge selbst Hand anlegen und die gespendeten Fahrräder auf Vordermann bringen. Für die Bekleidung und für die Räder nimmt der AK Asyl einen geringen Geldbetrag. Damit werden kleinere Anschaffungen wie Schränkchen für die Kleiderkammer oder Reparaturmaterial für die Drahtesel finanziert. Aber auch „um den Flüchtlingen zu vermitteln, dass es nicht alles umsonst gibt“, wie Jochen Wagner, der Sprecher des AK Asyl Holzmaden, erläutert. Die Kleiderkammer öffnet der AK Asyl auch für andere Bedürftige aus dem Ort. Berührungsängste können im Café Kultur abgebaut werden – eine offene Begegnungsstätte für Flüchtlinge und Holzmadener.

Dass die Arbeit der Ehrenamtlichen des AK Asyl Holzmaden auf fruchtbaren Boden fällt, zeigte ein Grillfest, das der Arbeitskreis für die Holzmadener und die Flüchtlinge organisierte: Rund 80 Menschen feierten, machten gemeinsam Sport und ließen sich beim gemütlichen Beisammensein das Essen munden.

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