Kirchheim

Zurück zu den Wurzeln des Blues

Musik „Blues Train“ liefert in der Kirchheimer Bastion ein großartiges Konzert mit weitgehend unbekannten Songs des Genres. Besonderes Highlight: Auftritt einer Blues-Legende unter den Gitarristen. Von Günter Kahlert

Prominenter Gast beim spontanen Auftritt: Blues-Legende Alex Schultz mit „Blues Train“ in der Bastion.Foto: Günter Kahlert
Prominenter Gast beim spontanen Auftritt: Blues-Legende Alex Schultz mit „Blues Train“ in der Bastion.Foto: Günter Kahlert

Nein, ein „Best Of Blues“ wollen sie bewusst nicht spielen. „Es gibt so viele gute Blues-Stücke, die kaum bekannt sind, wir wollen nicht die abgedroschenen Nummern bringen“, erklärt der Owener Gitarrist und Sänger Martin Kade von „Blues Train“ die Auswahl der Stücke beim Konzert in der Bastion. Also kein B. B. King, kein John Lee Hooker, kein Muddy Waters oder was einem sonst noch spontan zum Thema „Blues“ einfällt. Spielt aber bei dieser Musik auch keine große Rolle. Das Schema ist im Prinzip immer das gleiche: in der Regel jeweils zwölf Takte, drei Akkorde, keine kompositorischen Finessen. Hört sich simpel an, bietet aber eine Fülle an Variationen, an solistischen Möglichkeiten oder in Rhythmus und Groove. Es kommt darauf an, was die Musiker daraus machen.

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Und „Blues Train“ macht eine Menge aus dem Thema „Blues“. Mal klassischer Blues, mal eher Rock‘n‘Roll, mal Shuffle, mal jazzig - jede Nummer kommt anders rüber. Die Band gibt es erst seit einem Jahr, das „line-up“ - wie man es im Musikerdeutsch nennt - sind Martin Kade (Gitarre, Gesang), Bernd Schwarz (Gesang, Blues Harp), Hans Madlinger (Schlagzeug) und Jochen Zunker (Kontrabass). Allesamt „gestandene“ Musiker in ebensolchem Alter und allesamt auch in anderen Formationen im Blues oder Jazz aktiv. Aber „Blues Train“ liegt allen am Herzen. „Wir wollten zurück zum ursprünglichen Blues der 50er-Jahre - oder sogar bis in die 20er-Jahre“, erzählt Martin Kade von der Motivation für die Band.

Als Quartett starten sie auch das Konzert in der Bastion. Und schon nach den ersten Nummern ist offensichtlich: Blues ist eben nicht nur ein schleppender Rhythmus, er ist ebenso vielfältig wie Rock, Pop oder andere Genres der modernen Musik. Schlagzeug und Kontrabass bilden ein solides Rhythmusgerüst, und Martin Kade spielt auf seiner Gibson „Les Paul“ eine klare Sologitarre ohne Effekthascherei, ohne Rekordversuche in Tempo-Läufen. Sehr entspannt, da muss man dann doch wieder einen B. B. King als Vergleich bemühen. Ein paar wenige Töne geben den Stücken mehr Seele als ein Schnelligkeitsbeweis des Gitarristen. Und ganz große Klasse ist Bernd Schwarz mit seiner, nein, mit seinen Blues Harps. Sieben Stück in verschiedenen Stimmungen hat er vor sich liegen, Frage: Warum? „Wenn die Mundharmonikas speziell auf die Tonart gestimmt sind, habe ich viel mehr Möglichkeiten, als alles mit einer zu spielen“, erklärt er das Arsenal. Egal warum, egal wie - es groovt. Und das spüren auch die Besucher der Bastion.

Während des ersten Sets stößt Musikerkollege Ditz Gunzenhäuser mit seinem E-Piano dazu, und als ein besonderes Highlight des Abends erscheint schließlich eine Blues-Legende auf der Bühne: Gitarrist Alex Schultz. Ursprünglich geplant war das nicht, aber es ist eine nette Geschichte, wie es dazu kam. Der US-Amerikaner hat vor Jahren bei einem seiner Auftritte in der Region seine Frau kennengelernt. Ergebnis: Umzug von Los Angeles nach Weilheim, ein Kulturschock, könnte man denken. Aber weit gefehlt, Alex fühlt sich sauwohl, da, wo er lebt. Jedenfalls hat die Frau von Alex Schultz im „Teckboten“ vom „Blues Train“-Auftritt in der Bastion gelesen, und er kam, um sich das Konzert anzuhören. Da er schon seit Jahren mit Martin Kade befreundet ist und ihn auch in Sachen Blues-Gitarre unterrichtet, ergab es sich dann halt doch, dass er mitspielte. Und es war wirklich ein Hochgenuss mit Alex Schultz an der Gitarre, sein Spiel einfach großartig, auch er setzte in der Musik seine Akzente, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. „Die Leute wollen den Song hören, nicht den Gitarristen“, meint er, nach dem Konzert auf die zurückhaltende Spielweise angesprochen.

Bleibt einem als Fazit nach diesem Blues-Abend die nicht so neue Erkenntnis, warum sich alle nachfolgenden Musikstile - Rock‘n‘Roll, Beat, Soul, Rock, Pop oder sogar Hip-Hop - aus dem Fundus des Blues bedient haben: In dieser Musik, so einfach sie scheinbar ist, liegt Kraft und Seele. Klingt fast pathetisch, aber so ist es nun mal.